MPU-Vertrag widerrufen: Frau wirft morgens einen Brief in einen gelben Briefkasten, Quittung in der Hand

Symbolbild, mit KI erstellt.

MPU-Vertrag widerrufen: warum die Frist oft auch nach Monaten noch läuft

Wer eine MPU-Vorbereitung am Telefon, per Messenger oder über einen Signaturlink abgeschlossen hat, kann den MPU-Vertrag widerrufen, weil ein Fernabsatzvertrag nach § 312c BGB vorliegt und § 312g Abs. 1 BGB dem Verbraucher ein Widerrufsrecht gibt. Die Frist von 14 Tagen beginnt erst, wenn der Anbieter ordnungsgemäß belehrt und das Muster-Widerrufsformular übermittelt hat; fehlt es daran, erlischt das Recht spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss.

Ich bin Björn Schüller, Rechtsanwalt in Bremen, und vertrete bundesweit Menschen, die für eine MPU-Vorbereitung bezahlt haben und sich von dem Vertrag lösen wollen oder auf Zahlung in Anspruch genommen werden. Der Widerruf ist oft das schnellste Mittel, weil er keine Begründung braucht und keinen Streit über die Qualifikation der Berater voraussetzt. Ob man den MPU-Vertrag widerrufen kann, entscheidet sich an den Unterlagen: Vertrag, Belehrung, Anlagen, Chatverläufe und der Weg, auf dem der Vertrag zustande kam.

Das Ergebnis vorab

  • Ein Vertrag über eine MPU-Vorbereitung, der ausschließlich über Telefon, E-Mail, Messenger oder einen elektronischen Signaturdienst geschlossen wurde, ist ein Fernabsatzvertrag im Sinn des § 312c Abs. 1 BGB, sofern der Anbieter seinen Vertrieb auf den Fernabsatz ausgerichtet hat.
  • Die Widerrufsfrist beträgt nach § 355 Abs. 2 Satz 1 BGB 14 Tage, beginnt aber nach § 356 Abs. 3 Satz 1 BGB nicht, bevor der Anbieter nach Art. 246a § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EGBGB belehrt und das Muster-Widerrufsformular zur Verfügung gestellt hat.
  • Ohne ordnungsgemäße Belehrung kann der Kunde den MPU-Vertrag widerrufen, bis das Recht nach § 356 Abs. 4 Satz 1 BGB zwölf Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss erlischt.
  • Eine vorformulierte Erklärung, mit der der Kunde auf sein Widerrufsrecht verzichtet, ist wegen § 361 Abs. 2 Satz 1 BGB unwirksam; wer sie unterschrieben hat, kann den MPU-Vertrag widerrufen.
  • Vorzeitig erlischt das Widerrufsrecht nach § 356 Abs. 5 Nr. 2 BGB nur, wenn die Dienstleistung vollständig erbracht ist und der Kunde vorher ausdrücklich zugestimmt und seine Kenntnis vom Erlöschen bestätigt hat.
  • Wertersatz für bereits erbrachte Sitzungen schuldet der Kunde nach § 357a Abs. 2 Satz 1 BGB nur bei ausdrücklichem Verlangen und ordnungsgemäßer Information nach Art. 246a § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und 3 EGBGB.
  • Ist der Beginn der Widerrufsfrist streitig, trägt nach § 361 Abs. 3 BGB der Anbieter die Beweislast.

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Wann Sie einen MPU-Vertrag widerrufen können

Das Widerrufsrecht folgt nicht aus dem Vertrag, sondern aus dem Gesetz. Nach § 312g Abs. 1 BGB steht dem Verbraucher bei Fernabsatzverträgen ein Widerrufsrecht gemäß § 355 BGB zu. Wer den MPU-Vertrag widerrufen will, klärt deshalb zuerst, ob ein Fernabsatzvertrag vorliegt. § 312c Abs. 1 BGB verlangt einen Vertrag zwischen Unternehmer und Verbraucher, die ausschließliche Verwendung von Fernkommunikationsmitteln für Verhandlung und Abschluss und einen für den Fernabsatz organisierten Vertrieb.

Der Kunde einer MPU-Vorbereitung handelt als Verbraucher nach § 13 BGB, der Anbieter als Unternehmer nach § 14 BGB. Fernkommunikationsmittel sind nach § 312c Abs. 2 BGB alle Mittel, die ohne gleichzeitige körperliche Anwesenheit der Parteien eingesetzt werden können, etwa Telefonanrufe, E-Mails, SMS und digitale Dienste. Der Begriff knüpft allein an die Art des Vertragsschlusses an, nicht an den Inhalt des Vertrags (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 312c Rn. 2).

Inhaltlich ist die MPU-Vorbereitung ein Dienstvertrag, denn geschuldet wird die Beratung als solche und nicht der Erfolg in der Begutachtung (zur Abgrenzung Brox/Walker, Besonderes Schuldrecht, 50. Aufl. 2026, § 19 Rn. 9). Wer den MPU-Vertrag widerrufen hat, ist nach § 355 Abs. 1 Satz 1 BGB an seine Vertragserklärung nicht mehr gebunden.

Telefon, Videositzung, Signaturlink: die Abgrenzung

Typisch ist folgende Abfolge: Anfrage über ein Vergleichsportal, Rückruf, Messenger-Verlauf und ein Link, über den der Kunde die Unterlagen elektronisch unterzeichnet, ohne persönliches Treffen. Sie erfüllt § 312c Abs. 1 BGB, und der Kunde kann den MPU-Vertrag widerrufen. Telefonische Vertragsschlüsse fallen auch dann unter § 312c BGB, wenn der Unternehmer selbst angerufen hat (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 312c Rn. 9).

Anders liegt es, wenn der Kunde vor Vertragsschluss persönlich mit einem Mitarbeiter des Anbieters verhandelt hat; persönlicher Kontakt während der Verhandlungen schließt den Fernabsatzvertrag aus (Brox/Walker, Allgemeines Schuldrecht, 49. Aufl. 2025, § 19 Rn. 14). Nach meiner Einschätzung ist auch ein Videotelefonat vor Vertragsschluss ein Fernkommunikationsmittel, weil die Parteien dabei nicht gleichzeitig körperlich anwesend sind.

Streiten die Parteien darüber, ob ausschließlich Fernkommunikationsmittel verwendet wurden, muss der Verbraucher das beweisen. Behauptet der Anbieter, der Vertrag sei nicht im Rahmen eines für den Fernabsatz organisierten Systems geschlossen worden, liegt die Beweislast bei ihm (Brox/Walker, a. a. O., § 19 Rn. 15a; Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 312c Rn. 6). Dafür genügt es nach Grüneberg, dass der Unternehmer planmäßig im Fernabsatz arbeitet; gelingt ihm der Gegenbeweis nicht, kann der Kunde den MPU-Vertrag widerrufen.

Kein Ausschluss nach § 312g Abs. 2 BGB

Von den 13 Ausnahmen des § 312g Abs. 2 BGB kommt allenfalls Nr. 9 in Betracht: Dienstleistungen im Zusammenhang mit Freizeitbetätigungen, wenn der Vertrag einen spezifischen Termin oder Zeitraum vorsieht. Die MPU-Vorbereitung dient aber der Wiedererlangung der Fahrerlaubnis, nicht der Freizeit. Grüneberg nennt als Gegenbeispiel Online-Kurse zur Vorbereitung auf die theoretische Prüfung für den Sportbootführerschein (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 312g). Den Ausschlusstatbestand muss nach derselben Kommentierung der Unternehmer beweisen; wer den MPU-Vertrag widerrufen möchte, muss nicht das Fehlen einer Ausnahme belegen.

Die 14-Tage-Frist und ihr Beginn

Nach § 355 Abs. 2 BGB beträgt die Widerrufsfrist 14 Tage und beginnt mit Vertragsschluss, soweit nichts anderes bestimmt ist. Für Fernabsatzverträge ist etwas anderes bestimmt: § 356 Abs. 3 Satz 1 BGB lässt die Frist nicht beginnen, bevor der Unternehmer nach Art. 246a § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EGBGB unterrichtet hat. Grüneberg nennt die Grundregel deshalb eher die Ausnahme (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 355 Rn. 10). Verlängern lässt sich die Frist, verkürzen nicht (a. a. O., § 355 Rn. 9).

Im Fernabsatz ist die Information zweimal zu erteilen, vor Vertragsschluss und danach auf einem dauerhaften Datenträger nach § 312f Abs. 2 BGB (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 356 Rn. 7, zur früheren Absatzzählung). Wer den MPU-Vertrag widerrufen will, wahrt die Frist nach § 355 Abs. 1 Satz 5 BGB durch rechtzeitige Absendung; wirksam wird der Widerruf erst mit dem Zugang (a. a. O., § 355 Rn. 7). Ob und bis wann Sie den MPU-Vertrag widerrufen können, zeigt die Übersicht.

SituationFolge für die FristGrundlage
Belehrung und Muster-Widerrufsformular vollständig erhalten14 Tage ab Vertragsschluss bzw. ab Erhalt der Belehrung§ 355 Abs. 2, § 356 Abs. 3 Satz 1 BGB
Belehrung erhalten, Formular fehltFrist beginnt nichtArt. 246a § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EGBGB
Belehrung nur auf einer Webseite abrufbarFrist beginnt nichtArt. 246a § 1 Abs. 2 Satz 2 EGBGB
keine BelehrungErlöschen spätestens nach zwölf Monaten und 14 Tagen§ 356 Abs. 4 Satz 1 BGB
Beginn der Frist streitigBeweislast beim Anbieter§ 361 Abs. 3 BGB

Ohne Muster-Widerrufsformular kein Fristbeginn

Art. 246a § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EGBGB verlangt Informationen über Bedingungen, Fristen und Verfahren des Widerrufs und ausdrücklich das Muster-Widerrufsformular der Anlage 2. Das Formular ist grundsätzlich beizufügen (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., Art. 246a EGBGB § 1 Rn. 7, mit BGH BB 2019, 1873). Ein bloßer Hinweis darauf oder ein Internetlink genügt nicht; der Unternehmer muss es in Papierform oder mit Zustimmung des Verbrauchers auf einem dauerhaften Datenträger zur Verfügung stellen (a. a. O., Rn. 9, mit BGH NJW-RR 2021, 177).

Daran scheitern viele Vertragswerke. Ein verbreitetes Muster besteht darin, dass die Belehrung auf ein beigefügtes Formular verweist, das den Unterlagen nicht beiliegt. Wer in dieser Lage den MPU-Vertrag widerrufen will, ist an die 14 Tage nicht gebunden. Eine nur auf einer Webseite abrufbare Belehrung setzt die Frist ebenfalls nicht in Gang (Brox/Walker, Allgemeines Schuldrecht, 49. Aufl. 2025, § 19 Rn. 30; Grüneberg, a. a. O., Art. 246a EGBGB § 1 Rn. 8, mit BGH NJW 2010, 3566 und NJW 2014, 2857).

Die Musterbelehrung der Anlage 1 wirkt nur, wenn sie zutreffend ausgefüllt in Textform übermittelt wird (Art. 246a § 1 Abs. 2 Satz 2 EGBGB) und dem Muster in jeder Hinsicht entspricht (Brox/Walker, a. a. O., § 19 Rn. 31b). Eine Belehrung vor der Vertragserklärung des Kunden setzt die Frist nicht in Gang (a. a. O., § 19 Rn. 31). Der Kunde kann den MPU-Vertrag widerrufen, solange die Höchstfrist läuft.

Offen zu nennen ist eine Einschränkung: Eine unvollständige oder unrichtige Information hindert das Anlaufen der Frist nur, wenn sich der Fehler auf die Entscheidung zum Vertragsschluss ausgewirkt hat (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 356 Rn. 7, zur früheren Absatzzählung, mit BGH NJW 2025, 1268). Nach meiner Einschätzung betrifft das kleinere Ungenauigkeiten, nicht das völlige Fehlen des Formulars.

Zwölf Monate und 14 Tage: die äußerste Grenze

Unbegrenzt kann niemand den MPU-Vertrag widerrufen. Nach § 356 Abs. 4 Satz 1 BGB in der geltenden Fassung erlischt das Recht spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach dem maßgeblichen Zeitpunkt, bei einem Dienstvertrag nach § 355 Abs. 2 Satz 2 BGB dem Vertragsschluss. Grüneberg und Brox/Walker kommentieren die inhaltsgleiche Regel noch als § 356 Abs. 3 Satz 2 BGB. Die Grenze gilt auch, wenn die Belehrung ganz unterblieben ist (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 356 Rn. 8, zur früheren Absatzzählung).

Wer den MPU-Vertrag widerrufen will und an der Belehrung zweifelt, sollte deshalb das Datum des Vertragsschlusses feststellen und die Höchstfrist sofort berechnen. Bei einem Grundpaket und einer späteren Zusatzvereinbarung über Einzelsitzungen rechne ich die Frist für jede Vereinbarung gesondert. Nach meiner Einschätzung ist jede neue Vereinbarung, die wieder im Fernabsatz geschlossen wurde, ein eigener Fernabsatzvertrag mit eigenem Widerrufsrecht.

Die vorformulierte Verzichtserklärung

Viele Vertragswerke enthalten eine vorformulierte „Verzichtserklärung“ auf das Widerrufsrecht. Sie ist unwirksam. § 361 Abs. 2 Satz 1 BGB verbietet jede Abweichung von den Vorschriften über das Widerrufsrecht zum Nachteil des Verbrauchers, und Satz 2 erfasst Umgehungen. Die §§ 355 bis 360 BGB sind halbzwingend; eine Umgehungsabsicht ist nicht nötig, die Umgehung muss nur objektiv vorliegen (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 361 Rn. 2, mit BGH NJW 2014, 2857). Wer verzichtet hat, kann den MPU-Vertrag widerrufen, als hätte er nichts unterschrieben.

Eine Klausel, nach der das Widerrufsrecht schon mit der bloßen Hinnahme der Leistung entfallen soll, verstößt gegen § 361 Abs. 2 Satz 1 und § 307 BGB (Grüneberg, a. a. O., § 356 Rn. 9, zur früheren Absatzzählung, mit BGH NJW 2021, 2885). Auch ein erneuter Vertragsschluss enthält keinen Verzicht auf ein bestehendes Widerrufsrecht (a. a. O., § 361 Rn. 2). Wer nach dem Grundpaket eine Zusatzvereinbarung unterschrieben hat, kann deshalb auch den ursprünglichen MPU-Vertrag widerrufen, solange die Frist für ihn läuft.

Vorzeitiges Erlöschen bei vollständiger Leistung

Häufig wenden Anbieter ein, das Widerrufsrecht sei erloschen, weil die Leistung erbracht sei. Die geltende Fassung regelt das in § 356 Abs. 5 Nr. 2 BGB; Grüneberg kommentiert die inhaltsgleiche Vorschrift noch als Abs. 4. Danach erlischt das Recht erst mit vollständiger Erbringung der Dienstleistung, und der Verbraucher muss vor Beginn ausdrücklich zugestimmt haben, dass der Unternehmer vor Fristablauf beginnt (Buchst. a), sowie seine Kenntnis vom Erlöschen bestätigt haben (Buchst. c).

Die bloße Hinnahme der Leistung genügt nicht, die Beweislast trägt der Unternehmer, und eine Schlechtleistung ist keine vollständige Erfüllung (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 356 Rn. 9, zur früheren Absatzzählung). Nach derselben Randnummer setzt das Erlöschen außerdem eine ordnungsgemäße Belehrung samt Muster-Widerrufsformular voraus. Fehlt sie, kann der Kunde den MPU-Vertrag widerrufen, auch wenn er der vorzeitigen Leistung zugestimmt hat. Über die Umstände des vorzeitigen Erlöschens muss der Unternehmer nach Art. 246a § 1 Abs. 3 Nr. 2 EGBGB eigens informieren.

Bei MPU-Verträgen ist die Leistung selten vollständig erbracht. Laufzeitklauseln „bis zum Bestehen“, offene Kontingente an Einzelsitzungen oder angebotene weitere Termine zeigen, dass der Anbieter selbst Leistungen für ausstehend hält. Wer den MPU-Vertrag widerrufen will, begegnet dem Erlöschenseinwand deshalb oft mit den Unterlagen des Anbieters.

Wertersatz für bereits erbrachte Sitzungen

Will der Kunde den MPU-Vertrag widerrufen, nachdem Sitzungen stattgefunden haben, stellt sich die Frage nach dem Wertersatz. § 357a Abs. 2 Satz 1 BGB gewährt ihn nur, wenn der Verbraucher ausdrücklich verlangt hat, dass vor Ablauf der Widerrufsfrist begonnen wird (Nr. 1), und wenn er nach Art. 246a § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 und 3 EGBGB ordnungsgemäß informiert wurde (Nr. 3). Das Leistungsverlangen kann nicht in Geschäftsbedingungen fingiert werden (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 357a), und die Information muss ihm vorausgehen (a. a. O., § 357a Rn. 9).

Der Unternehmer muss das ausdrückliche Verlangen, die ordnungsgemäße Belehrung und den Umfang der erbrachten Leistung beweisen (Grüneberg, a. a. O., § 357a Rn. 11). Ein vom Anbieter vorangekreuztes Kästchen in einer Anlage mit leerem Unterschriftsfeld ist nach meiner Einschätzung kein ausdrückliches Verlangen des Kunden, sondern eine vorformulierte Erklärung des Anbieters. Wer in dieser Lage den MPU-Vertrag widerrufen hat, schuldet nach dieser Bewertung für die bisherigen Sitzungen keinen Wertersatz.

Ohne ordnungsgemäße Belehrung kann der Verbraucher den MPU-Vertrag widerrufen, selbst wenn der Vertrag vollständig erfüllt ist, und erhält die Dienstleistung dann im Ergebnis unentgeltlich; eine Korrektur hat der EuGH abgelehnt (Brox/Walker, Allgemeines Schuldrecht, 49. Aufl. 2025, § 19 Rn. 43). Liegen die Voraussetzungen vor, gilt nach § 357a Abs. 2 Satz 2 BGB der vereinbarte Gesamtpreis, bei unverhältnismäßig hohem Preis nach Satz 3 der Marktwert der Leistung.

Übermäßig ist das Entgelt nach Grüneberg in der Regel, wenn es das übliche um 20 % übersteigt; maßgeblich sind Aufwand, Umfang, wirtschaftlicher Nutzen und Preisvergleich (Grüneberg, a. a. O., § 357a Rn. 10, mit EuGH NJW 2020, 3771). Den Nutzen einer Vorbereitung, die der Gutachter nicht berücksichtigen kann, schätze ich gering ein; die Gründe erläutert die Seite zur Verweisungskette von der FeV zum Verkehrspsychologen.

Wer den MPU-Vertrag widerrufen hat: Rückzahlung, Raten, weitere Forderungen

Mit dem Widerruf wird der Vertrag zum Rückabwicklungsverhältnis. Nach § 355 Abs. 3 Satz 1 BGB sind die empfangenen Leistungen zurückzugewähren, nach § 357 Abs. 1 BGB spätestens nach 14 Tagen. Die Frist beginnt für den Unternehmer nach § 355 Abs. 3 Satz 2 BGB mit dem Zugang des Widerrufs; zahlt er nicht, gerät er nach § 286 Abs. 2 Nr. 2 BGB in Verzug (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 357 Rn. 2).

Wer seinen MPU-Vertrag widerrufen hat, zahlt offene Raten nicht mehr, weil er an seine Vertragserklärung nicht mehr gebunden ist. Weitere Ansprüche des Anbieters schließt § 361 Abs. 1 BGB aus, nach Grüneberg auch solche aus § 812 BGB; unberührt bleiben Schadensersatzansprüche des Verbrauchers aus dem Verhalten des Unternehmers bei Vertragsschluss (Grüneberg, a. a. O., § 361 Rn. 1). Für Drittzahlungen und andere Wege verweise ich auf die Seite wie Betroffene bei der MPU-Vorbereitung Geld zurück erhalten.

Wer was beweisen muss

§ 361 Abs. 3 BGB ordnet an: Ist der Beginn der Widerrufsfrist streitig, so trifft die Beweislast den Unternehmer. Grüneberg erstreckt das auf alle Tatsachen, aus denen der Unternehmer die Nichteinhaltung der Frist herleiten will, insbesondere auf die Belehrung, ihre Ordnungsmäßigkeit, ihren Zeitpunkt und ihre Mitteilung (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 361 Rn. 3, mit BGH NJW 2019, 3231). Wer den MPU-Vertrag widerrufen hat und auf den Ablauf der Frist verwiesen wird, kann vom Anbieter also den Nachweis der Formularübermittlung verlangen.

Der Verbraucher muss Inhalt, Absendung und Zugang seines Widerrufs beweisen (Grüneberg, a. a. O., § 361 Rn. 3). Brox/Walker empfehlen deshalb die Textform, obwohl das Gesetz sie nicht verlangt (Brox/Walker, Allgemeines Schuldrecht, 49. Aufl. 2025, § 19 Rn. 26). Wer seinen MPU-Vertrag widerrufen will, sichert vorher alle Nachweise des Kontaktverlaufs.

TatsacheBeweislastFundstelle
Vertragsschluss nur über FernkommunikationsmittelVerbraucherBrox/Walker, AT, § 19 Rn. 15a
kein für den Fernabsatz organisiertes SystemAnbieterGrüneberg § 312c Rn. 6
Ausschluss nach § 312g Abs. 2 BGBAnbieterGrüneberg § 312g
Belehrung und Formular, Zeitpunkt, ZugangAnbieter§ 361 Abs. 3 BGB
Zustimmung und Kenntnisbestätigung für das ErlöschenAnbieterGrüneberg § 356 Rn. 9, zur früheren Absatzzählung
ausdrückliches Leistungsverlangen für den WertersatzAnbieterGrüneberg § 357a Rn. 11
Inhalt, Absendung und Zugang des WiderrufsVerbraucherGrüneberg § 361 Rn. 3

Wie Sie den MPU-Vertrag widerrufen: Wortlaut und Versand

Der Widerruf erfolgt nach § 355 Abs. 1 Satz 2 BGB durch Erklärung gegenüber dem Unternehmer. Der Entschluss muss eindeutig hervorgehen (Satz 3), eine Begründung ist nicht nötig (Satz 4). Die Erklärung ist formfrei, also auch per E-Mail oder Fax möglich (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 355 Rn. 6). Wer den MPU-Vertrag widerrufen möchte, kann diesen Text verwenden:

„Hiermit widerrufe ich den von mir abgeschlossenen Vertrag über eine MPU-Vorbereitung vom [Datum] einschließlich aller Zusatzvereinbarungen. Bitte erstatten Sie meine Zahlungen innerhalb von 14 Tagen nach Zugang dieses Schreibens auf das Konto, von dem ich gezahlt habe. Weitere Zahlungen leiste ich nicht.“

Name, Anschrift und eine Vertragsangabe gehören hinzu. Wer den MPU-Vertrag widerrufen hat, braucht den Zugangsnachweis; ich versende deshalb per E-Mail und zusätzlich per Einschreiben mit Rückschein oder Fax mit Sendebericht. Ist der Vertrag über eine Online-Benutzeroberfläche geschlossen worden, muss der Anbieter nach dem geltenden § 356a Abs. 1 BGB eine Widerrufsfunktion bereitstellen, beschriftet mit „Vertrag widerrufen“ oder einer gleichbedeutenden Formulierung. Den Eingang muss er nach Abs. 4 auf einem dauerhaften Datenträger bestätigen; ein rechtzeitig darüber versandter Widerruf gilt nach Abs. 5 als fristgerecht zugegangen.

Verlangt der Anbieter trotzdem Zahlung, droht er mit Inkasso oder kommt ein Mahnbescheid, ist rasches Handeln nötig: gegen den Mahnbescheid fristgerecht Widerspruch einlegen und auf die bestrittene Forderung nicht zahlen. Typische Muster unseriöser Vertragsgestaltungen beschreibt die Seite über Warnzeichen bei einem unseriösen MPU-Vorbereiter.

Widerruf, Anfechtung und Honoraranspruch

Wer den MPU-Vertrag widerrufen kann, braucht weder eine Täuschung noch einen Mangel der Leistung zu beweisen. Ist die Höchstfrist abgelaufen, bleibt die Anfechtung wegen arglistiger Täuschung nach § 123 BGB mit der Jahresfrist ab Entdeckung aus § 124 BGB; die Einzelheiten stehen auf der Seite wann Sie einen MPU-Vertrag anfechten können. Unabhängig davon kann der Honoraranspruch entfallen, wenn der Anbieter die geschuldete Beratung nicht erbringen kann.

Offen gesagt: MPU-Beratung ohne psychologische Qualifikation ist nicht verboten, und die MPU lässt sich auch ohne Vorbereitung bestehen. Entscheidend ist die tatsächliche Veränderung des Betroffenen. Für die Begutachtung gelten nach § 11 Abs. 5 FeV die Grundsätze der Anlage 4a, nach deren Nr. 1 Buchst. c nur anerkannte wissenschaftliche Grundsätze zählen (abgedruckt bei Hentschel/König, StVR, 48. Aufl., Anlage 4a FeV). Die Folgen behandelt die Pfeilerseite zum Betrug durch MPU-Berater; zu seriösen Angeboten informiert die Seite Wirksamkeit der MPU-Vorbereitung.

In meiner Praxis prüfe ich zuerst, ob der Kunde den MPU-Vertrag widerrufen kann, weil das ohne Beweisaufnahme über Qualifikation und Werbung gelingt. Hilfsweise erkläre ich die Anfechtung und berufe mich auf den Wegfall des Honoraranspruchs. Fristen der Fahrerlaubnisbehörde haben stets Vorrang, denn ein Streit mit dem Anbieter darf die Vorlage des Gutachtens nicht verzögern.

Ein Fall aus der Praxis

Der folgende Fall ist ein anonymisierter Praxisfall; die Einzelheiten sind verändert. Der Betroffene hatte nach einer Trunkenheitsfahrt eine Anordnung zur MPU erhalten und über ein Vergleichsportal Angebote angefragt. Kurz darauf rief ihn ein Anbieter an. Noch am selben Tag erhielt er einen Link zu einem Signaturdienst und unterzeichnete die Unterlagen elektronisch, ohne persönlichen Kontakt mit dem Anbieter. Es folgten Gruppensitzungen per Video und eine Zusatzvereinbarung über Einzelsitzungen, die den Gesamtpreis auf ein Mehrfaches des Grundpakets steigen ließ.

Die Widerrufsbelehrung verwies auf ein „beigefügtes Muster-Widerrufsformular“. Ein solches Formular lag weder den per Link übermittelten Unterlagen noch einer späteren E-Mail bei. Mehrere Monate nach Vertragsschluss wollte der Betroffene den MPU-Vertrag widerrufen und erklärte den Widerruf beider Vereinbarungen per E-Mail und Einschreiben. Der Anbieter wies ihn zurück, berief sich auf den Ablauf der Widerrufsfrist und beantragte einen Mahnbescheid über den Restbetrag. Der Betroffene legte Widerspruch ein.

Rechtlich spricht viel dafür, dass die Frist nie begonnen hat und der Betroffene den MPU-Vertrag widerrufen konnte. Der Fristbeginn nach § 356 Abs. 3 Satz 1 BGB setzt das Formular voraus; ein bloßer Hinweis genügt nicht (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., Art. 246a EGBGB § 1 Rn. 9). Die Höchstfrist des § 356 Abs. 4 Satz 1 BGB lief für beide Vereinbarungen noch. Die Übermittlung muss nach § 361 Abs. 3 BGB der Anbieter beweisen; Wertersatz scheitert an § 357a Abs. 2 Satz 1 Nr. 3 BGB. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Häufig gestellte Fragen

Kann ich meinen MPU-Vertrag widerrufen, obwohl die Sitzungen schon begonnen haben?

Ja, der Beginn der Sitzungen lässt das Widerrufsrecht nicht entfallen. Es erlischt nach § 356 Abs. 5 Nr. 2 BGB erst mit vollständiger Erbringung der Dienstleistung und nur, wenn Sie vorher ausdrücklich zugestimmt und Ihre Kenntnis vom Erlöschen bestätigt haben. Ob Sie für bisherige Sitzungen Wertersatz schulden, richtet sich nach § 357a Abs. 2 BGB.

Muss ich begründen, warum ich den MPU-Vertrag widerrufen will?

Nein, nach § 355 Abs. 1 Satz 4 BGB muss der Widerruf keine Begründung enthalten. Es genügt, dass Ihr Entschluss eindeutig erkennbar ist.

Ich habe einen Verzicht auf das Widerrufsrecht unterschrieben. Ist der Widerruf damit ausgeschlossen?

Nein, eine solche Verzichtserklärung ist nach § 361 Abs. 2 Satz 1 BGB unwirksam, und Sie können den MPU-Vertrag widerrufen wie ohne Verzicht.

Wie lange habe ich Zeit, wenn das Widerrufsformular gefehlt hat?

Sie können den MPU-Vertrag widerrufen, bis das Recht spätestens zwölf Monate und 14 Tage nach Vertragsschluss erlischt (§ 356 Abs. 4 Satz 1 BGB). Bis dahin läuft keine 14-Tage-Frist, weil sie ohne die Information nach Art. 246a § 1 Abs. 2 Satz 1 Nr. 1 EGBGB nicht beginnt.

Reicht eine E-Mail für den Widerruf?

Ja, Sie können den MPU-Vertrag widerrufen, ohne eine Form einzuhalten (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 355 Rn. 6). Weil Sie den Zugang beweisen müssen, empfehle ich zusätzlich ein Einschreiben oder ein Fax mit Sendebericht.

Muss ich die Zusatzvereinbarung gesondert nennen?

Ja, wer den MPU-Vertrag widerrufen will, sollte jede Vereinbarung ausdrücklich benennen. Nach meiner Einschätzung hat jeder im Fernabsatz geschlossene Zusatzvertrag ein eigenes Widerrufsrecht mit eigener Frist.

Quellen und Normen

Gesetze in der geltenden Fassung: § 312c BGB, §§ 312f, 312g BGB, § 355 BGB, §§ 356, 356a, 357, 357a, 361 BGB; §§ 13, 14, 123, 124 BGB; Art. 246a § 1 EGBGB mit Anlagen 1 und 2; § 11 Abs. 5 FeV mit Anlage 4a FeV.

Rechtsprechung, zitiert nach Grüneberg: BGH BB 2019, 1873; BGH NJW-RR 2021, 177; BGH NJW 2010, 3566; BGH NJW 2014, 2857; BGH NJW 2025, 1268; BGH NJW 2021, 2885; BGH NJW 2019, 3231; EuGH NJW 2020, 3771.

Schrifttum: Grüneberg, BGB, 85. Aufl. 2026, §§ 312c, 312g, 355, 356 (zur früheren Absatzzählung), 357, 357a, 361 BGB und Art. 246a EGBGB; Brox/Walker, Allgemeines Schuldrecht, 49. Aufl. 2025, § 19; Brox/Walker, Besonderes Schuldrecht, 50. Aufl. 2026, § 19; Hentschel/König, Straßenverkehrsrecht, 48. Aufl. 2025.

Ihr Weg zur kostenlosen Ersteinschätzung

Senden Sie mir den Vertrag mit allen Anlagen, die Widerrufsbelehrung in der erhaltenen Form, die Nachrichten rund um den Vertragsschluss und die Zahlungsbelege. Ich prüfe kostenlos, ob Sie den MPU-Vertrag widerrufen können, ob die Höchstfrist noch läuft und ob ein Verzicht oder ein Erlöschen entgegensteht.

Liegt bereits ein Mahnbescheid, ein Inkassoschreiben oder eine Klage vor, nennen Sie mir das Zustelldatum, damit keine Frist verloren geht; auch dann lässt sich der MPU-Vertrag widerrufen, solange die Höchstfrist läuft. Sie erhalten vor dem Entstehen von Kosten eine Einschätzung, welche Schritte sinnvoll sind und in welcher Reihenfolge.

Über den Autor

Björn Schüller

ist Rechtsanwalt und Strafverteidiger in Bremen, seit 2011 zugelassen und seit fünfzehn Jahren im Betäubungsmittel-, Cannabis-, Zoll- und Fahrerlaubnisrecht tätig. Verteidigung bundesweit.

Bild von Dipl. Jur. Björn Schüller

Dipl. Jur. Björn Schüller

Hochspezialisierter Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit über 15 Jahren Erfahrung im Bereich Drogen und Recht.

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Strafverteidiger für Betäubungsmittelrecht Björn Schüller aus Bremen