Heroin BtMG: Zollbeamter schlägt in der Postverteilstelle eine Lage T-Shirts in einem Versandkarton zurück, davor zwei vakuumierte Beutel mit hellbraunem Pulver.

Symbolbild, mit KI erstellt.

Heroin BtMG: Anlage I, Grenzwerte und der Zollfall

Heroin Zoll-Fälle sind selten harmlos, doch auch hier beginnt das Verfahren mit demselben nüchternen Verwaltungsschritt wie bei jeder anderen abgefangenen Sendung: einem Anhörungsschreiben des Hauptzollamts. Wer eine Bestellung aus dem Ausland aufgegeben hat und daraufhin Post vom Zoll erhält, steht plötzlich einem der strengsten Bereiche des deutschen Betäubungsmittelstrafrechts gegenüber. Als Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit Schwerpunkt Betäubungsmittelstrafrecht/Drogen erkläre ich im Folgenden, wie Heroin rechtlich einzuordnen ist, welche Grenzwerte gelten und worauf es bei der Verteidigung ankommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bei Heroin stellen sich keine Abgrenzungsfragen zum Arzneimittelrecht oder zum Gesetz über neue psychoaktive Stoffe, weil der Stoff in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes geführt wird.
  • Die unerlaubte Einfuhr erfüllt § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG mit einem Strafrahmen von Geldstrafe bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe.
  • Die nicht geringe Menge liegt bei 1,5 Gramm Diacetylmorphinhydrochlorid; darüber greift § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG mit einer Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren.
  • Straßenheroin hat regelmäßig einen niedrigen Wirkstoffgehalt, weshalb die Umrechnung von Brutto auf Wirkstoff den Unterschied zwischen Vergehen und Verbrechen ausmacht.
  • Neben dem Betäubungsmittelgesetz ist der Bannbruch nach § 372 AO zu prüfen, weil die Sendung über die Grenze gebracht wurde.
  • Bei geringer Menge zum Eigenverbrauch kommt § 31a BtMG in Betracht, bei nicht beweisbarer Tat § 170 Abs. 2 StPO.
  • Die Fahrerlaubnis kann nach § 3 Abs. 1 StVG und § 46 Abs. 1 FeV entzogen werden, weil bei Heroin bereits die nachgewiesene Einnahme die Eignung ausschließt.

Inhaltsverzeichnis

Heroin Zoll: Der Bannbruch-Vorwurf nach § 372 AO

Auch bei Heroin-Sendungen beruft sich der Zoll im ersten Anhörungsschreiben zunächst auf den allgemeinen Auffangtatbestand des § 372 Abgabenordnung, den sogenannten Bannbruch. Diese Vorschrift tritt zurück, sobald die Laboranalyse den Betäubungsmittelverdacht bestätigt, denn Heroin ist ein klassisches, seit Jahrzehnten stabil eingeordnetes Betäubungsmittel, sodass hier anders als bei manchen neueren Substanzen dieser Artikelserie keine Abgrenzungsfragen zu NpSG oder AMG bestehen.

Die rechtliche Einordnung: Nicht verkehrsfähig, nicht verschreibungsfähig

Heroin (Diacetylmorphin, auch Diamorphin genannt) ist als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel in Anlage I des BtMG gelistet. Bereits der bloße Besitz ist deshalb nach § 29 Abs. 1 Nr. 3 BtMG strafbar, unabhängig von der Menge. Eine Besonderheit gibt es dennoch: Das Gesetz nimmt Diamorphin ausdrücklich aus, soweit es zu den in Anlage II und III bezeichneten Zwecken verwendet wird. Gemeint ist die sogenannte diamorphingestützte Substitutionsbehandlung für schwer opioidabhängige Patienten.

Diese Ausnahme betrifft jedoch ausschließlich die ärztliche Abgabe unter strengen Voraussetzungen in eigens dafür zugelassenen Behandlungseinrichtungen. Für die private Bestellung im Ausland spielt sie keine Rolle: Wer Heroin ohne eine solche Sondererlaubnis einführt, macht sich unabhängig von der Menge nach § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG strafbar, mit einem Strafrahmen von bis zu fünf Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe.

Der Grenzwert für die „nicht geringe Menge“ bei Heroin

Der Bundesgerichtshof hat die „nicht geringe Menge“ bei Heroin bereits 1983 auf 1,5 Gramm Diacetylmorphinhydrochlorid als reine Wirkstoffmenge festgesetzt (BGH, Urteil vom 07.11.1983, Az. 1 StR 721/83, BGHSt 32, 162). Dieser Grenzwert gilt bis heute und ist damit einer der am längsten gefestigten Werte in der gesamten Grenzwert-Rechtsprechung zum BtMG. Oberhalb dieser Schwelle greift der Verbrechenstatbestand des § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG mit einer Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren.

Für die Praxis besonders wichtig: Straßenheroin hat üblicherweise nur einen Reinheitsgrad von etwa 10 bis 30 Prozent. Die 1,5-Gramm-Schwelle wird deshalb bei einer Bruttomenge von grob 5 bis 15 Gramm erreicht. Der exakte Wert hängt jedoch ausschließlich vom Ergebnis der Laboranalyse ab, nicht von der bloßen Bruttomenge der sichergestellten Sendung.

Wie läuft ein Heroin Zoll-Verfahren ab?

Der äußere Ablauf folgt dem bekannten Muster: Der Zoll sichert die Sendung, veranlasst eine Laboranalyse und leitet den Vorgang bei Bestätigung des Betäubungsmittelverdachts an die zuständige Staatsanwaltschaft weiter. Der Adressat erhält üblicherweise ein Anhörungsschreiben samt Vorladung und häufig einen Personalbogen. Wegen der Schwere der Substanz ist bei Heroin-Sendungen das Risiko einer zusätzlichen Wohnungsdurchsuchung im Vergleich zu vielen anderen Substanzen dieser Serie spürbar erhöht, insbesondere wenn die sichergestellte Menge im Bereich der Grenzwertschwelle liegt oder Anhaltspunkte für Handeltreiben bestehen.

Nach Abschluss der Ermittlungen entscheidet die Staatsanwaltschaft über das weitere Vorgehen. Bei kleineren, eindeutig auf Eigenkonsum hindeutenden Mengen kommt (abhängig vom Ergebnis der Prüfung nach § 31a BtMG) eine Verfahrenseinstellung in Betracht. Liegt die Wirkstoffmenge dagegen im Bereich oder oberhalb der 1,5-Gramm-Schwelle, ist in einem Heroin Zoll-Verfahren regelmäßig mit einer Anklage oder zumindest einem Strafbefehl zu rechnen; angesichts der Mindestfreiheitsstrafe des § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG kommt einer sorgfältigen anwaltlichen Prüfung der Mengenberechnung hier besondere Bedeutung zu.

Praxisbeispiele aus der Verteidigung

Angaben zu Person, Ort und Zeit sind abgewandelt, der Ablauf entspricht dem Verfahren.

In einem Fall hatte ein Mandant eine kleine Menge Heroin zum ausschließlichen Eigenkonsum bestellt. Mangels Finanztransaktionsermittlungen ließ sich nicht nachweisen, dass der Mandant die Bestellung tatsächlich auch selbst vorgenommen hatte, sodass das Verfahren mangels hinreichenden Tatverdachts nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt wurde.

In einem anderen Fall bestätigte die Laboranalyse eine Wirkstoffmenge knapp unterhalb der 1,5-Gramm-Grenze; da zugleich keine Anhaltspunkte für Handeltreiben vorlagen, ließ sich eine Einstellung nach § 31a BtMG erreichen, wenn auch nach eingehender Prüfung durch die Staatsanwaltschaft, da bei Heroin die Opportunitätsvorschrift in der Praxis deutlich zurückhaltender angewendet wird als etwa bei Cannabis oder Amphetamin.

In einem dritten Heroin Zoll-Fall führte erst die anwaltlich erwirkte Akteneinsicht zutage, dass das Labor lediglich eine Bruttomenge, nicht aber den tatsächlichen Wirkstoffgehalt ausgewiesen hatte, die Staatsanwaltschaft musste daraufhin ein ergänzendes Gutachten einholen, bevor über eine Anklage entschieden werden konnte.

Der Vorgang ist anonymisiert wiedergegeben und in den Einzelheiten verändert.

Typische Fehler nach dem Anhörungsschreiben

Ein verbreiteter Irrtum in Heroin Zoll-Fällen: Betroffene unterschätzen, wie ernst Ermittlungsbehörden gerade diese Substanz nehmen, und hoffen auf eine automatische Einstellung wie bei geringen Mengen anderer, weicherer Drogen. Diese Erwartung trägt bei Heroin in aller Regel nicht, da sowohl die Grenzwertschwelle vergleichsweise niedrig liegt als auch die Praxis der Staatsanwaltschaften bei § 31a BtMG zurückhaltender ist.

Ein zweiter, häufig unterschätzter Fehler: vorschnelle Angaben zu Konsumgewohnheiten oder zur Bezugsquelle gegenüber dem Zoll, bevor überhaupt ein belastbares Laborgutachten und eine anwaltliche Akteneinsicht vorliegen. Solche Angaben lassen sich später kaum noch korrigieren und schwächen die Verteidigungsposition in einem Heroin Zoll-Verfahren erheblich.

Die Hebel im Heroinverfahren

Bei einem Heroin Zoll-Vorwurf gilt zunächst: Mangels Finanztransaktionsermittlungen lässt sich in vielen Fällen nicht nachweisen, dass der Mandant die Bestellung tatsächlich auch selbst vorgenommen hat, ein zentraler Ansatzpunkt für eine Einstellung mangels hinreichenden Tatverdachts nach § 170 Abs. 2 StPO. Substanzspezifisch kommt hinzu, dass die exakte Wirkstoffmenge im Verhältnis zur 1,5-Gramm-Schwelle eine kritische Prüfung des Laborgutachtens verdient, da bereits geringe Abweichungen über die Anwendbarkeit des Verbrechenstatbestands nach § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG entscheiden können.

Wie lange Heroin und seine Abbauprodukte nachweisbar sind

Bei Heroin liegt eine Besonderheit vor, die über ganze Verfahren entscheidet: Die Substanz selbst ist praktisch nicht nachweisbar. Sie zerfällt binnen Minuten zu 6-Monoacetylmorphin und weiter zu Morphin, und nur das 6-Monoacetylmorphin beweist, dass Heroin und nicht ein Morphinpräparat aufgenommen wurde.

Blut oder SerumUrinHaar
Heroinwenige Minutennicht verwertbarnicht als Leitsubstanz
6-Monoacetylmorphinwenige Minuten bis 2 Stundennur wenige Stunden, je nach Blasenentleerung bis etwa 10als Leitsubstanz im Haar geführt
Morphinetwa 3 bis 10 Stunden, nach höchstdosiertem Heroin über 20frei 24 bis 48 Stunden, konjugiert 48 bis 96 Stundenje Zentimeter ein Monat

Die Spannen beschreiben einen Rahmen, keinen Einzelfall. Wie weit der Nachweis reicht, hängt von der Dosis, von der Zahl der Konsumvorgänge, von der Art der Aufnahme, von Körpergewicht und Abbaugeschwindigkeit und vom eingesetzten Analyseverfahren ab. Eine Aussage über die Fahrsicherheit lässt sich daraus nicht gewinnen.

Die Entscheidungsgrenze der Abstinenzkontrolle setzen die Beurteilungskriterien bei Morphin an, ausdrücklich zusammen mit Codein und Dihydrocodein: im Urin 25 Nanogramm je Milliliter nach Hydrolyse, im Haar 0,1 Nanogramm je Milligramm, dort einschließlich 6-Monoacetylmorphin.

Aus dem kurzen Fenster des 6-Monoacetylmorphins folgt der wichtigste analytische Einwand: Ein Morphinbefund allein belegt keinen Heroinkonsum. Er kann von einem verschriebenen Schmerzmittel stammen, von Codein (Codein wird zu Morphin verstoffwechselt) oder von mohnsamenhaltigen Lebensmitteln. Wer aus einem Morphinwert auf Heroin schließt, muss das begründen, und die Begründung fehlt in Bescheiden häufig.

Für den Abstinenzbeleg gehören die Opiate zum Standardumfang eines polytoxikologischen Screenings (Mußhoff/Madea, NZV 2008, 485); wie lange ein Nachweis gelingt, hängt von der Empfindlichkeit der Methode und dem Cut-off des Labors ab (ebenda, 487). Was ein Beleg leisten muss, steht unter Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.

Das Fahrerlaubnisverfahren neben dem Ermittlungsverfahren

Parallel zum Ermittlungsverfahren läuft ein Verwaltungsverfahren nach § 3 Abs. 1 StVG, § 46 Abs. 1 FeV und der Anlage 4. Es ist an den Ausgang des Strafverfahrens nicht gebunden, und es läuft auch dann, wenn niemand gefahren ist (VGH München NJW 2021, 3408).

Wie die Behörde davon erfährt

Ob die Behörde überhaupt tätig wird, hängt am Ausgang des Strafverfahrens. Endet es nach § 170 Abs. 2 StPO, ist der Besitz nicht festgestellt und es geschieht nichts. Bei jedem anderen Ausgang (auch bei der Einstellung nach § 31a BtMG) geht eine Mitteilung nach Nr. 45 MiStra an die Führerscheinstelle.

Die Aufforderung, ein ärztliches Gutachten beizubringen, findet ihre Grundlage in § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV. Sie muss zwei Hürden nehmen: den konkreten Nachweis des Besitzes und die nachvollziehbare Ausübung des Ermessens, das die Vorschrift der Behörde überlässt (VGH München NJW 2021, 3408; VRS 139, 48). Nimmt sie eine davon nicht, hält auch der Schluss nach § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV nicht: Anforderungen an eine MPU-Anordnung.

Nr. 9.1 der Anlage 4 und die Frage der Abhängigkeit

Ist der Konsum erwiesen, greift Nr. 9.1 der Anlage 4 ohne Zwischenstufen: Die einmalige Einnahme trägt den Regelfall der Ungeeignetheit, gleichgültig wie viel, wie oft und mit welchem Befund am Steuer (BVerwG, Beschluss vom 11.4.2019, 3 C 9.18, BeckRS 2019, 19966 Rn. 30). Über § 11 Abs. 7 FeV entzieht die Behörde ohne Gutachten: Entziehung der Fahrerlaubnis durch die Behoerde.

Bei Opiaten stellt sie daneben regelmäßig auf Nr. 9.3 ab, also auf die Abhängigkeit. Das ist keine Verschärfung derselben Rechtsfolge, sondern eine Weiche: Wird eine Abhängigkeit angenommen, verlangt Nr. 9.5 Entgiftung, Entwöhnung und danach ein Jahr Abstinenz. Wird sie nicht diagnostiziert, ist Nr. 9.5 von vornherein unanwendbar, und es gelten die kürzeren Zeiträume der Beurteilungskriterien. Ob eine Abhängigkeit vorliegt, ist deshalb die teuerste Einzelfrage des Verfahrens, teurer als jeder Laborwert.

Läuft eine Substitutionsbehandlung, verschiebt sich der Maßstab noch einmal. Dann geht es nicht um Abstinenz vom Substitut, sondern um Beikonsum und um die Stabilität der Behandlung über einen längeren Zeitraum: Substitutionsbehandlung und Therapie statt Strafe.

Bleibt die Frage, worauf die Behörde ihre Feststellung stützt. Meist ist es der Befund einer Blutprobe; dessen Zustandekommen lohnt eine eigene Prüfung: Die Blutprobe nach § 81a StPO.

Die Ausnahme der Vorbemerkung 3

Vorbemerkung 3 der Anlage 4 lautet: Die vorgenommenen Bewertungen gelten für den Regelfall. Kompensationen durch besondere menschliche Veranlagung, durch Gewöhnung, durch besondere Einstellung oder durch besondere Verhaltenssteuerungen und -umstellungen sind möglich.

Für Heroin selbst trägt keine Gewöhnung. Was trägt, ist die belegte Verhaltensumstellung, und bei diesem Stoff heißt das in aller Regel eine dokumentierte Behandlung: Entgiftung, Entwöhnung oder eine stabil verlaufende Substitution mit Beikonsumfreiheit.

In die Akte gehören dann die Behandlungsberichte, die Bescheinigungen der behandelnden Einrichtung, die Abstinenzbelege nach den CTU-Kriterien und die Darstellung des veränderten Umfelds. Ohne diese Unterlagen bleibt der Vortrag eine Behauptung, und die Vorbemerkung hilft nur dem, der die Kompensation auch zeigen kann.

Ordnungswidrigkeit, Straftat und Entziehung nebeneinander

Der Bußgeldtatbestand ist eröffnet: Die Anlage zu § 24a StVG nennt Heroin als berauschendes Mittel, als Substanz dazu Morphin. Nachweisbares Morphin im Blut genügt für § 24a Abs. 2 StVG, Fahrfehler sind nicht erforderlich.

An dieser Stelle greift der analytische Einwand, um den es auf dieser Seite geht. Morphin entsteht auch aus Codein und ist der Wirkstoff verschriebener Schmerzmittel. § 24a Abs. 4 StVG nimmt die bestimmungsgemäße Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels ausdrücklich aus. Dieser Vortrag muss früh kommen und mit Verordnung und Einnahmeplan unterlegt sein. Zahlen sucht man in der Anlage dagegen vergeblich: Sie enthält zwei Spalten mit Stoffnamen, und die verbreiteten Konzentrationsgrenzen sind Empfehlungen der Grenzwertkommission. Gesetzlich festgelegt ist ein Wert nur für THC, § 24a Abs. 1a StVG.

Der schärfere Zugriff bleibt § 316 StGB mit der relativen Fahruntüchtigkeit; ein Wert der absoluten Fahrunsicherheit ist für diese Stoffe nicht anerkannt (BGHSt 44, 219). Bei Opiaten notieren die Beamten typischerweise stecknadelkopfgroße Pupillen, Sedierung und verzögerte Reaktionen. Nach einer Verurteilung folgt die Entziehung über § 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB.

Wird zusätzlich eine Fahrt vorgeworfen, tritt der Tatbestand des § 24a Abs. 2 StVG daneben; die Werte und ihre Grenzen stehen unter die analytischen Grenzwerte des § 24a StVG. Zum Vorgehen gegen die Behörde: Anwalt für Verkehrsrecht in Bremen.

Neben der behördlichen Entziehung steht die strafgerichtliche samt Sperre; dazu die Sperrfrist des § 69a StGB.

Was die MPU nach einem Heroin-Verfahren verlangt

Mit der Entziehung verlagert sich das Verfahren auf die Begutachtungsstelle. § 14 Abs. 2 FeV lässt keinen Spielraum (BVerwG NJW 2005, 3081); fällig ist die Untersuchung, sobald die Entziehung nicht mehr angegriffen werden kann (OVG Greifswald BA 2013, 141).

Was dort zählt, ist nicht das Analyseergebnis, sondern ein tragfähig veränderter Umgang mit der Substanz (BVerwG NJW 2005, 3440); lückenlose Abstinenzbelege allein genügen nicht (VG Gelsenkirchen BA 2010, 372). Bei Opiaten hängt zusätzlich alles an der Vorfrage, ob eine Abhängigkeit vorliegt, sie bestimmt Frist und zulässige Maßnahme in einem. Zur Anordnung: Anforderungen an eine MPU-Anordnung, zur Fragestellung: Fragestellung der MPU, zum Sofortvollzug: Eilantrag nach § 80 Abs. 5 VwGO.

Wie lange Abstinenz belegt sein muss

Die eine Abstinenzfrist gibt es nicht, und bei Heroin liegen die Ausgangslagen weiter auseinander als bei jedem anderen Stoff. Die Beurteilungskriterien arbeiten mit vier Hypothesen, und zwischen der günstigsten und der ungünstigsten liegen neun Monate.

  • D 1 setzt eine diagnostizierte Abhängigkeit voraus, bei Heroin die häufigste, aber keineswegs zwingende Einordnung; sie ist zu diagnostizieren und nicht zu unterstellen.
  • D 2 ein verfestigtes Konsummuster ohne diese Diagnose.
  • D 3 die Drogengefährdung, den riskanten Gebrauch vor jener Verfestigung.
  • D 4 betrifft allein Cannabis und bleibt hier außer Ansatz.

Maßgeblich ist die Hypothese der Begutachtungsstelle. Sie bestimmt, ob ein halbes Jahr, ein Jahr oder insgesamt fünfzehn Monate zu belegen sind, und sie wird aus Aktenlage und Exploration gebildet. Die vollständige Übersicht der Hypothesen samt Indikatoren und Fristen habe ich im Abstinenznachweis aufgeschrieben.

Selbst hier ist die Sechs-Monats-Frist nicht ausgeschlossen, über D 3. Indikator 1 zu Kriterium D 3.6 N verlangt sechs Monate Verzicht zum Begutachtungszeitpunkt. Wird stattdessen D 1 angenommen, gilt Nr. 9.5 der Anlage 4 mit einem Jahr nach abgeschlossener Entgiftung und Entwöhnung; zwischen beiden Wegen liegen leicht zwei Jahre. Genau darum wird gestritten, und deshalb entscheidet die Hypothese über den Zeitplan, nicht das Labor. Welche Belege zählen: Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.

Verkehrspsychologe oder Suchttherapeut

Dieselbe Zuordnung entscheidet über die Maßnahme, und hier ist Heroin der Fall, in dem die Suchttherapie tatsächlich häufig die richtige Antwort ist. Pauschal gilt das aber nicht.

Kriterium C.5.2.4 ordnet die Maßnahmen den Hypothesen zu: Für die Hypothesen D 4 bis D 2 ist in der Regel die fahreignungsfördernde Intervention indiziert, eine verkehrspsychologische Maßnahme. Ein Suchttherapeut wird dort nicht verlangt.

Bei einer belegten Opiatabhängigkeit ist die Reihenfolge dagegen umgekehrt und das ist hier der Regelfall: Suchttherapie zuerst, dann (nach demselben Kriterium) die fahreignungsfördernde Intervention als Ergänzung, flankiert von ambulanter oder stationärer Entwöhnung.

Der Fehler liegt hier meist in der anderen Richtung als bei Partydrogen. Wer einmalig mit einer kleinen Menge auffällt, ohne dass eine Abhängigkeit diagnostiziert wäre, gehört nicht in eine Entwöhnungsbehandlung. Lässt er sich dennoch dorthin schicken, liefert er der Behörde den Beleg für die schwerere Einordnung, und damit für die längere Frist.

Der Ausgangspunkt in C.5.4.2.1 ist derselbe wie überall: ein Psychologe mit Diplom oder gleichwertigem Master und verkehrspsychologischer Fortbildung. Bei Opiaten ist der zweite Zweig aber häufig tatsächlich eröffnet, denn eine diagnostizierte Abhängigkeit ist eine Substanzgebrauchsstörung. Dann kommen suchttherapeutisch fortgebildete Psychologen und suchtmedizinisch qualifizierte Ärzte in Betracht, gebunden an eine Suchthilfeeinrichtung, nicht an eine gewerbliche Praxis. Die Gegenanzeigen: Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.

Häufige Fragen

Ist Heroin immer illegal, oder gibt es einen legalen Bezugsweg?

Für Privatpersonen gibt es keinen legalen Bezugsweg. Die enge Ausnahme für Diamorphin gilt ausschließlich für die ärztliche Abgabe im Rahmen der Substitutionsbehandlung in zugelassenen Einrichtungen.

Ab welcher Menge droht der Verbrechenstatbestand?

Ab 1,5 Gramm reiner Diacetylmorphinhydrochlorid-Menge liegt laut BGH die „nicht geringe Menge“ vor, ab der die Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr greift.

Ist eine Einstellung nach § 31a BtMG bei Heroin realistisch?

Grundsätzlich möglich bei kleinen Mengen zum Eigenkonsum ohne Anhaltspunkte für Handeltreiben, wird in der Praxis aber deutlich zurückhaltender angewendet als bei vielen anderen Substanzen.

Drohen mir Konsequenzen für den Führerschein?

Ja, und zwar auf zwei Wegen: über § 24a StVG (Heroin ist über den Metaboliten Morphin in der Substanzliste enthalten) und über die Auffangkategorie der Anlage 4 FeV.

Sollte ich mich gegenüber dem Zoll zur Bestellung äußern?

Nein. Machen Sie in einem Heroin Zoll-Fall keine Angaben, bevor Sie anwaltliche Akteneinsicht hatten, insbesondere nicht zu Konsumgewohnheiten oder zur Bezugsquelle.

Was passiert bei einer zusätzlichen Wohnungsdurchsuchung?

Das Risiko ist bei Heroin höher als bei vielen anderen Substanzen. Auch dabei gilt: keine Angaben ohne anwaltlichen Beistand, und frühzeitige Akteneinsicht zur Prüfung der Beweislage.

Was den Unterschied im Heroinverfahren ausmacht

Heroin gehört zu den am striktesten regulierten Substanzen des deutschen Betäubungsmittelrechts: voller Besitzverbot nach Anlage I des BtMG, ein seit über vierzig Jahren gefestigter, vergleichsweise niedriger Grenzwert von 1,5 Gramm für die „nicht geringe Menge“ und eine in der Praxis zurückhaltende Anwendung der Opportunitätsvorschrift des § 31a BtMG.

Anders als bei vielen anderen in dieser Serie behandelten Substanzen kommen zudem fahrerlaubnisrechtliche Folgen über den direkten Weg des § 24a StVG in Betracht. Wer ein Anhörungsschreiben wegen einer Heroin-Sendung erhalten hat, sollte deshalb besonders frühzeitig anwaltliche Akteneinsicht beantragen, um sowohl die genaue Wirkstoffmenge als auch die Zuordnung der Bestellung sorgfältig prüfen zu lassen. Wer in einem Heroin Zoll-Verfahren frühzeitig anwaltlich beraten wird, kann die Weichen für den weiteren Verlauf oft noch stellen, bevor die Ermittlungsbehörden abschließend über Anklage oder Einstellung entscheiden. Bei Rückfragen zum Thema kontaktieren Sie mich gerne.

Der genannte Grenzwert (1,5 Gramm Diacetylmorphinhydrochlorid für die „nicht geringe Menge“ nach BGH, Urteil vom 07.11.1983, Az. 1 StR 721/83, BGHSt 32, 162) beruht auf der aktuell recherchierbaren Rechtsprechungslage und sollte vor Verwendung im Einzelfall anwaltlich verifiziert werden. Stand: Juli 2026.

Den Ablauf eines Betäubungsmittelverfahrens (von der ersten Maßnahme bis zur Entscheidung der Staatsanwaltschaft) habe ich an anderer Stelle beschrieben: Verteidigung im BtMG-Verfahren.

Normen und Rechtsprechung im Überblick

  • Betäubungsmittelgesetz: § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG · § 29 Abs. 1 Nr. 3 BtMG · § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG · § 31a BtMG
  • Abgabenordnung: § 372 AO
  • Strafgesetzbuch: § 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB · § 316 StGB
  • Strafprozessordnung: § 81a StPO · § 170 Abs. 2 StPO
  • Straßenverkehrsgesetz: § 3 Abs. 1 StVG · § 24a Abs. 2 StVG · § 24a Abs. 4 StVG · § 24a Abs. 1a StVG
  • Fahrerlaubnis-Verordnung: § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV · § 11 Abs. 7 FeV · § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV · § 14 Abs. 2 FeV · § 46 Abs. 1 FeV

Der vollständige Text des § 29 BtMG steht beim Bundesministerium der Justiz unter gesetze-im-internet.de.

Grundlage ist Körner/Patzak/Fabricius/Huth zum Betäubungsmittelgesetz in der 11. Auflage 2024.

Kostenlose Ersteinschätzung

Ist ein Ermittlungsverfahren wegen Heroin eingeleitet, prüfe ich Ihre Unterlagen ohne Kosten. Ich bin Björn Schüller, Rechtsanwalt in Bremen, und verteidige bundesweit in Betäubungsmittelsachen.

Bei Heroin stellen sich keine Abgrenzungsfragen zum Arzneimittelrecht oder zum Recht der neuen psychoaktiven Stoffe, dafür steht der Wirkstoffgehalt im Mittelpunkt. Schon geringe Abweichungen im Gutachten verschieben die Grenze zum Verbrechen.

Vertiefend dazu: Grenzwerte der nicht geringen Menge, Einfuhr von Betäubungsmitteln, Sicherstellungsmitteilung und Strafverteidigung im BtMG.

Über den Autor

Björn Schüller

ist Rechtsanwalt und Strafverteidiger in Bremen, seit fünfzehn Jahren im Betäubungsmittel-, Cannabis-, Zoll- und Fahrerlaubnisrecht tätig. Verteidigung bundesweit.

Bild von Dipl. Jur. Björn Schüller

Dipl. Jur. Björn Schüller

Hochspezialisierter Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit über 15 Jahren Erfahrung im Bereich Drogen und Recht.

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Strafverteidiger für Betäubungsmittelrecht Björn Schüller aus Bremen