LSD BtMG: Zollbeamter hält im Briefzentrum mit einer Pinzette einen perforierten Papierbogen aus einem aufgeschnittenen Luftpostbrief, daneben ein Braunglasfläschchen.

Symbolbild, mit KI erstellt.

LSD BtMG: Trips, nicht geringe Menge und die Einfuhr

Ein LSD Zoll-Anhörungsschreiben trifft viele Betroffene unerwartet: Ein paar Blotter LSD, bestellt über einen ausländischen Darknet- oder Onlineshop, vermeintlich unauffällig als Löschpapier verpackt, und trotzdem findet der Zoll die Sendung und leitet ein Ermittlungsverfahren ein. LSD gilt vielen als „saubere“ Substanz ohne die Risiken harter Drogen wie Heroin oder Kokain, was die Selbsteinschätzung vieler Betroffener beim Anhörungsschreiben verzerrt. Als Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit Schwerpunkt Betäubungsmittelstrafrecht/Drogen erläutere ich, welche Strafe bei Lysergsäurediethylamid tatsächlich droht und worauf es bei der Verteidigung ankommt.

Das Wichtigste in Kürze

  • LSD ist einzeln in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes aufgeführt, sodass der unerlaubte Umgang nach § 29 BtMG mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bedroht ist.
  • Der Bundesgerichtshof hat die nicht geringe Menge bereits 1987 auf sechs Milligramm LSD-Base festgelegt.
  • Oberhalb dieser Menge handelt es sich bei der Einfuhr um ein Verbrechen nach § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG mit einer Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren.
  • Für die Berechnung zählt allein die Wirkstoffmenge; das Gewicht von Papier, Würfelzucker oder Gelatine bleibt außer Betracht.
  • Bei geringer Menge zum Eigenverbrauch kann nach § 31a BtMG eingestellt werden, bei nicht beweisbarer Tat nach § 170 Abs. 2 StPO.
  • Die Fahrerlaubnisbehörde fordert nach § 14 Abs. 2 FeV ein medizinisch-psychologisches Gutachten; bleibt es aus, folgt der Schluss nach § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV.
  • Eine Fahrt unter LSD erfüllt § 24a Abs. 2 StVG, bei Ausfallerscheinungen § 316 StGB, und führt über § 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB zur Entziehung der Fahrerlaubnis.

Inhaltsverzeichnis

LSD Zoll: Was steht im Anhörungsschreiben?

Auch bei LSD taucht im ersten Anhörungsschreiben zunächst meist der allgemeine Bannbruch-Tatbestand des § 372 Abgabenordnung auf. Er tritt zurück, sobald die Laboranalyse Lysergsäurediethylamid bestätigt. Dann wird das Betäubungsmittelgesetz (BtMG) zur maßgeblichen Rechtsgrundlage.

BtMG-Einordnung: LSD als klassisches Anlage-I-Betäubungsmittel

LSD (Lysergid) ist in Anlage I des BtMG gelistet, nicht verkehrsfähig und nicht verschreibungsfähig, damit rechtlich in derselben Kategorie wie Heroin oder Kokain. Jede Einfuhr ohne behördliche Erlaubnis ist strafbar, unabhängig von der beabsichtigten Verwendung.

Ab welcher Menge wird aus dem Vergehen ein Verbrechen?

Der Bundesgerichtshof hat die „nicht geringe Menge“ bei Lysergsäurediethylamid bereits 1987 auf 6 Milligramm reine Wirkstoffmenge (LSD-Base) festgelegt (BGH, Beschluss vom 01.09.1987, Az. 1 StR 191/87, BGHSt 35, 43). Zugrunde liegt eine Konsumeinheit von 50 Mikrogramm reinem Wirkstoff, multipliziert mit 120 Einheiten. Oberhalb dieser Schwelle wandelt sich der Besitz vom Vergehen (§ 29 BtMG) zum Verbrechen (§ 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG) mit einer Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren.

Für die praktische Umrechnung in „Trips“ oder Blotter gibt es keine amtliche deutsche Referenztabelle. Analysedaten aus dem Ausland (unter anderem Drug-Checking-Projekte) weisen für einzelne Blotter typischerweise Wirkstoffmengen zwischen 50 und 150 Mikrogramm aus, mit Ausreißern nach oben und unten. Eine pauschale Aussage wie „80 Blotter entsprechen der nicht geringen Menge“ wäre daher irreführend, die tatsächliche Wirkstoffmenge der sichergestellten Sendung muss immer forensisch-toxikologisch im Einzelfall bestimmt werden, da einzelne Blotter desselben Bogens unterschiedlich stark dosiert sein können.

Verwechslungsgefahr: LSD-Analoga wie 1P-LSD fallen unter ein anderes Gesetz

Neben klassischem LSD werden im Ausland zunehmend chemisch verwandte Abwandlungen wie 1P-LSD oder 1cP-LSD als vermeintlich „legale Alternativen“ angeboten. Diese Analoga sind nicht im BtMG, sondern über die entsprechende Stoffgruppe im Gesetz über neue psychoaktive Stoffe (NpSG) erfasst. Für die Verteidigung ist das keine akademische Frage: Beim NpSG ist grundsätzlich nur Handeltreiben, Herstellen und Inverkehrbringen strafbar, nicht aber der bloße Besitz zum Eigenkonsum, ein deutlicher Unterschied zur vollen BtMG-Strafbarkeit von echtem Lysergsäurediethylamid.

Wissenschaftlich ist zudem belegt, dass der Körper diese Analoga zu einem erheblichen Teil zu LSD selbst umwandelt, was die forensische Unterscheidung zwischen Analogon und Originalsubstanz zusätzlich erschwert. Welche der beiden Substanzen tatsächlich sichergestellt wurde, sollte deshalb anhand der Ermittlungsakte genau geprüft werden, da sich daraus erhebliche Unterschiede für die Strafbarkeit ergeben können.

Eine forensische Besonderheit von LSD

Lysergsäurediethylamid wirkt bereits in einer außerordentlich geringen Dosis von wenigen Mikrogramm, ein Bruchteil der bei Kokain, Amphetamin oder MDMA üblichen Milligramm-Mengen. Das hat praktische Folgen für die Ermittlungen: Ein Standard-Urin-Drogenscreening, wie es bei Verkehrskontrollen oder in Kliniken eingesetzt wird, erfasst LSD in aller Regel nicht automatisch mit, sondern erfordert eine gezielte, aufwendigere Analytik. Zudem ist die Nachweisbarkeit im Blut wegen der kurzen Halbwertszeit von Lysergsäurediethylamid deutlich kürzer als bei vielen anderen gängigen Betäubungsmitteln. Diese Besonderheiten können in Einzelfällen sowohl für die Beweisführung der Ermittlungsbehörden als auch für die Verteidigung von Bedeutung sein.

Wie läuft das Ermittlungsverfahren ab?

Im LSD Zoll-Verfahren entspricht der Ablauf dem bei anderen Betäubungsmitteln: Sicherstellung durch den Zoll, Laboranalyse, Abgabe an die Staatsanwaltschaft, Anhörungsschreiben mit Vorladung und häufig einem Personalbogen. Bei kleinen Mengen zum Eigenkonsum ohne Fremdgefährdung kommt eine Einstellung nach § 31a BtMG in Betracht. Eine LSD-spezifische Übersicht der Bundesland-Richtwerte zur „geringen Menge“ nach § 31a BtMG war bei der Recherche nicht auffindbar; einschlägige Verwaltungsvorschriften greifen für nicht eigens gelistete Substanzen wie Lysergsäurediethylamid stattdessen auf eine generische Auffangregel zurück, die sich an der Anzahl der Konsumeinheiten orientiert.

Praxisbeispiel

Angaben zu Person, Ort und Zeit sind abgewandelt, der Ablauf entspricht dem Verfahren.

Ein Mandant hatte eine kleine Menge Blotter zum ausschließlichen Eigenkonsum bestellt, ohne jeden Hinweis auf eine Weitergabe. Weil die forensische Analyse eine Wirkstoffmenge deutlich unterhalb der 6-Milligramm-Schwelle ergab und keine Vorbelastung vorlag, ließ sich das Verfahren nach § 31a BtMG einstellen. In einem anderen Fall bestand zunächst der Verdacht, die sichergestellte Menge liege oberhalb der „nicht geringen Menge“, erst die genaue forensische Nachbestimmung der tatsächlichen Wirkstoffkonzentration der einzelnen Blotter ergab, dass der Grenzwert entgegen einer ersten groben Schätzung des Zolls nicht überschritten war, was den Vorwurf vom Verbrechen zurück auf ein Vergehen reduzierte.

Der geschilderte Vorgang ist anonymisiert, die Einzelheiten sind verändert.

Typische Fehler nach dem Anhörungsschreiben

Viele Betroffene unterschätzen LSD, weil es ihnen als vermeintlich harmlose „Partydroge ohne Suchtpotenzial“ gilt, und äußern sich entsprechend unbedacht gegenüber dem Zoll. Andere gehen fälschlich davon aus, ein Standard-Drogenscreening würde Lysergsäurediethylamid ohnehin zuverlässig nachweisen, und übersehen dabei, dass die extrem geringe Wirkdosis von LSD gezielte, aufwendigere Analysemethoden erfordert, ein Umstand, der forensisch wie verteidigungsstrategisch relevant sein kann.

Ansatzpunkte für die Verteidigung

Im Lysergsäurediethylamid Zoll-Verfahren gilt wie bei anderen Betäubungsmitteldelikten: Der Name auf dem Paket beweist allein keine Bestellung; bei Wohngemeinschaften oder mehreren Zugriffsberechtigten lässt sich oft keine eindeutige Täterschaft nachweisen. Mangels Finanztransaktionsermittlungen ließ sich nicht nachweisen, dass der Mandant die Bestellung tatsächlich selbst vorgenommen hat, was den Weg zu einer Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO öffnet.

Substanzspezifisch kommt hinzu, dass wegen der extremen Dosisabhängigkeit von LSD die exakte forensische Bestimmung der Wirkstoffmenge besonders sorgfältig geprüft werden sollte, bevor eine Einordnung als „nicht geringe Menge“ hingenommen wird. Auch die Frage, ob tatsächlich klassisches Lysergsäurediethylamid oder ein rechtlich anders zu behandelndes Analogon wie 1P-LSD sichergestellt wurde, sollte anhand der Ermittlungsakte sorgfältig geprüft werden, bevor eine Einordnung nach dem strengeren BtMG unwidersprochen hingenommen wird.

Wie lange LSD nachweisbar ist: und warum das Routinelabor nichts findet

Bei LSD liegt die Sache anders als bei jedem anderen klassischen Rauschmittel, und zwar aus einem einfachen Grund: Die Wirkdosis liegt im Mikrogrammbereich. Eine Konsumeinheit rechnet die Rechtsprechung mit 50 Mikrogramm (BGHSt 35, 43 = NStZ 1988, 28). Was in dieser Größenordnung in den Körper gelangt, ist wenige Stunden später auch mit guten Verfahren kaum noch zu fassen.

Die Beurteilungskriterien führen Lysergsäurediethylamid deshalb in keiner ihrer Nachweistabellen, weder bei den Blut- und Serumwerten noch bei den Urinwerten noch bei den Cut-off-Werten für Abstinenzkontrollen. Das ist kein Versehen, sondern die Folge der Dosis.

Blut oder SerumUrinHaar
LSD (Lysergid)nicht bekanntnicht bekanntnicht bekannt
2-Oxo-3-hydroxy-LSD (Hauptmetabolit)nicht bekanntnicht bekanntnicht bekannt

Die Angaben sind Erfahrungswerte und als solche unscharf. Dosis, Konsumdauer, Aufnahmeform, Körpergewicht, Stoffwechsellage und das Verfahren des Labors verschieben sie im Einzelfall erheblich. Wer darauf baut, ein Nachweis werde misslingen, verlässt sich auf eine Zahl, die für ihn nicht gilt.

Entscheidungsgrenzen für Abstinenzkontrollen gibt es für LSD nicht. Tabelle C.10 der Beurteilungskriterien nennt Cut-off-Werte für Cannabinoide, Opiate, Cocainmetabolite, Amphetamine, Methadon und die Benzodiazepine, dazu in der Erweiterung Buprenorphin, Tilidin, Oxycodon, Tramadol und Fentanyl. Lysergsäurediethylamid steht dort nicht. Wer einen Befund vorgelegt bekommt, sollte deshalb nach dem Verfahren, nach der Bestimmungsgrenze und nach dem gesuchten Analyten fragen.

Praktisch heißt das: Ein LSD-Nachweis im Rahmen eines Abstinenzprogramms ist nicht der Regelfall, sondern die Ausnahme. Das polytoxikologische Standardscreening erfasst nach den Beurteilungskriterien regelmäßig Cannabinoide, Opiate, Cocainmetabolite, Amphetamine samt Designer-Amphetaminen, Methadon beziehungsweise EDDP und Benzodiazepine, LSD gehört nicht dazu. Eine Erweiterung setzt einen begründeten Anfangsverdacht und eine gesonderte Beauftragung voraus (Mußhoff/Madea, NZV 2008, 485). Wie ein Abstinenzbeleg aufgebaut sein muss, steht unter Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.

Daraus folgt aber auch das Gegenteil dessen, was Betroffene hoffen: Weil der Stoff im Nachhinein kaum messbar ist, stützt die Behörde ihre Entscheidung nicht auf ein Laborergebnis, sondern auf die Akte, auf die Sicherstellung, auf die eigene Einlassung, auf die Angaben gegenüber der Polizei. Wer gegenüber dem Zoll oder der Polizei einen Konsum einräumt, liefert den Beweis, den das Labor nicht erbringen kann.

Was bei 2C-B gilt, steht unter 2C-B.

Was die Fahrerlaubnisbehörde nach einem LSD-Verfahren tut

Neben dem Strafverfahren läuft ein zweites, und das trifft die meisten Mandanten härter. Die Fahrerlaubnisbehörde wird auf Mitteilung der Staatsanwaltschaft tätig, ohne dass ein Bezug zum Straßenverkehr bestehen muss (VGH München NJW 2021, 3408). Die Mitteilung läuft auch dann, wenn das Strafverfahren später nach § 31a BtMG eingestellt wird: Einstellung im Zollverfahren.

Der Aufgriff ohne Fahrt: § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV

Wird nur Besitz oder Erwerb festgestellt, ohne dass eine Fahrt im Raum steht, kommt ein ärztliches Gutachten nach § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV in Betracht. Das ist eine Kann-Vorschrift: Die Behörde hat ein Ermessen, sie muss es ausüben und in der Anordnung offenlegen, und sie darf nur bei konkret nachgewiesenem Besitz anordnen (VGH München NJW 2021, 3408; VRS 139, 48). Eine Aufforderung, die lediglich den Straftatbestand abschreibt, genügt dem nicht.

Kommt das Gutachten nicht, darf die Behörde nach § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV auf die Nichteignung schließen, aber nur, wenn ihre Anordnung rechtmäßig war. Genau dort liegt der erste Hebel, und er ist bei Lysergsäurediethylamid oft belastbar: Wer eine geringe Zahl Trips bestellt hat, hat regelmäßig nicht die Wirkstoffmenge in der Hand gehabt, aus der die Behörde auf ein Konsummuster schließt. Zur Anordnung: Anforderungen an eine MPU-Anordnung.

Nach Konsum: Nr. 9.1 der Anlage 4 und die Halluzinogen-Frage

Nr. 9.1 der Anlage 4 zur FeV knüpft an die Einnahme von Betäubungsmitteln außer Cannabis an. LSD ist ein Betäubungsmittel der Anlage I (Anlage I zum BtMG im Volltext), und damit gilt der strengste Maßstab, den die Anlage kennt: Schon die einmalige Einnahme schließt die Eignung aus, unabhängig von einer Fahrt. Die Folge ist die Entziehung nach § 3 Abs. 1 StVG, § 46 Abs. 1 FeV ohne vorgeschaltete Begutachtung (Entziehung der Fahrerlaubnis durch die Behoerde); die MPU kommt erst bei der Wiedererteilung, § 14 Abs. 2 FeV.

Bei Lysergsäurediethylamid kommt eine Besonderheit hinzu, die in der Akte oft untergeht. Die Beurteilungskriterien behandeln Halluzinogene eigenständig: „Eine Sonderrolle bei den psychoaktiven Substanzen kommt den Halluzinogenen (z. B. LSD, Psilocybin) zu. Während der akuten Rauschwirkung kommt es zu erheblichen Realitätsverkennungen, die eine sichere Verkehrsteilnahme in jedem Fall ausschließen.“ Dieselbe Sonderrolle wirkt aber auch in die andere Richtung, dazu der Abschnitt zur Abstinenz.

Für die Beweisfrage ist die kurze Nachweisdauer entscheidend. Wird überhaupt ein Blutbefund erhoben, kommt es auf den Zeitpunkt der Entnahme und auf ihre Anordnung an: Die Blutprobe nach § 81a StPO.

Die Ausnahme der Vorbemerkung 3

Vorbemerkung 3 der Anlage 4 lautet: Die vorgenommenen Bewertungen gelten für den Regelfall. Kompensationen durch besondere menschliche Veranlagung, durch Gewöhnung, durch besondere Einstellung oder durch besondere Verhaltenssteuerungen und -umstellungen sind möglich.

Für Lysergsäurediethylamid trägt dieser Weg an einer bestimmten Stelle. Der Stoff erzeugt keine körperliche Abhängigkeit im Sinne eines Entzugssyndroms, und es entsteht binnen Tagen eine Toleranz, die einen täglichen Konsum pharmakologisch sinnlos macht. Wer darlegt, dass sein Konsum aus diesem Grund von vornherein auf einzelne, weit auseinanderliegende Gelegenheiten beschränkt war, trägt genau das vor, was die Vorbemerkung mit besonderer Verhaltenssteuerung meint.

In die Akte gehören dann die Zahl der Gelegenheiten, der zeitliche Abstand, die Umgebung und eine Fahrvorgeschichte ohne Eintrag. Wer stattdessen schweigt, wird nach dem Maßstab beurteilt, der für Heroin gilt.

§ 24a StVG greift bei LSD nicht: § 316 StGB schon

In der Anlage zu § 24a Abs. 2 StVG ist LSD nicht aufgeführt; die Liste nennt abschließend Heroin, Morphin, Cocain, Amfetamin, die Designer-Amfetamine und Metamfetamin, und THC steht in § 24a Abs. 1a StVG. Bei anderen als den dort genannten Rauschmitteln greift der Ordnungswidrigkeitentatbestand nicht (Patzak/Fabricius, Kap. 6 Rn. 406). Ein Regelfahrverbot nach § 24a StVG kommt bei Lysergsäurediethylamid also nicht in Betracht.

Unberührt bleiben §§ 315c, 316 StGB. Dort genügt die relative Fahruntüchtigkeit, und einen Grenzwert der absoluten Fahrunsicherheit gibt es für diese Stoffe nicht (BGHSt 44, 219). Festgestellt werden müssen Ausfallerscheinungen, und bei einem Halluzinogen fallen die, wenn sie überhaupt festgestellt werden, regelmäßig deutlich aus. Gelingt der Nachweis, steht § 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB im Raum.

Für die Fahrt selbst gilt eine eigene Vorschrift. Das Listenprinzip des § 24a Abs. 2 StVG und die dazu festgelegten Werte habe ich unter Drogenfahrt und analytische Grenzwerte dargestellt; zur Vertretung im Verfahren Fahrerlaubnisrecht und Verkehrsrecht in Bremen.

Für § 316 StGB fehlt ein absoluter Grenzwert. Gearbeitet wird mit Ausfallerscheinungen, also mit der relativen Fahrunsicherheit; die starre Beweisregel gilt nur beim Alkohol, siehe absolute Fahruntüchtigkeit.

Was die MPU nach einem LSD-Verfahren verlangt

Ist die Fahrerlaubnis entzogen, verlangt § 14 Abs. 2 FeV für die Wiedererteilung die medizinisch-psychologische Untersuchung, und zwar ohne Ermessen (BVerwG NJW 2005, 3081), sobald die Entziehung nicht mehr angreifbar ist (OVG Greifswald BA 2013, 141). Vor jeder Untersuchung gehört die Anordnung geprüft: Anforderungen an eine MPU-Anordnung und Fragestellung der MPU. Zum Sofortvollzug: Eilantrag nach § 80 Abs. 5 VwGO.

Wie lange Abstinenz belegt sein muss

Eine einheitliche Frist nennen die Beurteilungskriterien nicht. Sie arbeiten mit vier Ausgangslagen, deren Fristen bis zu neun Monate auseinanderliegen, und die Zuordnung steht am Anfang der Untersuchung. Für LSD scheidet die Ausgangslage D 4 aus. Weil sich der Konsum über die üblichen Laborwege kaum belegen lässt, entscheidet sich die Einordnung hier besonders häufig an den Angaben in der Akte.

Welche Frist zu welcher Ausgangslage gehört, welche Vorbereitung nach Kriterium C.5.2.4 dazu passt und wer sie nach Kriterium C.5.4.2.1 durchführen darf, steht mit den Fundstellen auf der Seite Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.

Häufige Fragen

In welcher Anlage des BtMG steht LSD?

Lysergsäurediethylamid ist in Anlage I gelistet, nicht verkehrsfähig, nicht verschreibungsfähig.

Ab welcher Menge wird aus dem Vergehen ein Verbrechen?

Der Bundesgerichtshof hat die „nicht geringe Menge“ 1987 auf 6 Milligramm reine LSD-Base festgelegt.

Wie viele Blotter entsprechen dieser Menge?

Das lässt sich nicht pauschal beziffern, da die Wirkstoffmenge einzelner Blotter stark schwankt. Die genaue Menge muss forensisch-toxikologisch bestimmt werden.

Gibt es bei LSD eine Einstellungsmöglichkeit für kleine Mengen?

Ja, im LSD Zoll-Verfahren gilt § 31a BtMG wie bei anderen BtMG-Substanzen.

Drohen Konsequenzen für die Fahrerlaubnis?

Ja: Bei nachgewiesenem Konsum besteht keine Eignung zum Führen von Kraftfahrzeugen nach Anlage 4 Nr. 9.1 FeV, und im Lysergsäurediethylamid Zoll-Verfahren lässt sich die Anordnung eines ärztlichen Gutachtens nur über eine Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO vermeiden. Anders als bei Kokain oder Amphetamin steht LSD aber nicht in der Liste des § 24a StVG, was für Verkehrskontrollen eine andere rechtliche Ausgangslage schafft.

Warum LSD strenger behandelt wird, als die meisten erwarten

Lysergsäurediethylamid wird oft als vergleichsweise harmlose Substanz wahrgenommen, unterliegt rechtlich aber demselben strengen Betäubungsmittelrecht wie Kokain oder Heroin, mit einem wegen der extrem geringen Wirkdosis besonders sorgfältig zu prüfenden Grenzwert. Wer ein LSD Zoll-Anhörungsschreiben erhalten hat, sollte frühzeitig anwaltliche Akteneinsicht beantragen, um die forensisch bestimmte Wirkstoffmenge und die rechtliche Einordnung zu klären. Bei Rückfragen zum Thema kontaktieren Sie mich gerne.

Die genaue Wirkstoffmenge der sichergestellten Substanz sollte anwaltlich anhand des forensischen Untersuchungsberichts geprüft werden. Stand: Juli 2026.

Was im Betäubungsmittelverfahren der Reihe nach geschieht und wann eine Einstellung in Betracht kommt, lesen Sie hier: Anwalt BtMG.

Gesetzestexte und weiterführende Quellen

  • Betäubungsmittelgesetz: § 29 BtMG · § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG · § 31a BtMG
  • Strafgesetzbuch: § 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB · § 316 StGB
  • Strafprozessordnung: § 81a StPO · § 170 Abs. 2 StPO
  • Straßenverkehrsgesetz: § 3 Abs. 1 StVG · § 24a Abs. 2 StVG · § 24a Abs. 1a StVG
  • Fahrerlaubnis-Verordnung: § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV · § 14 Abs. 2 FeV · § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV · § 46 Abs. 1 FeV

Den amtlichen Wortlaut des § 29 BtMG veröffentlicht das Bundesministerium der Justiz unter gesetze-im-internet.de.

Grundlage ist Körner/Patzak/Fabricius/Huth zum Betäubungsmittelgesetz in der 11. Auflage 2024.

Zu einem weiteren Stoff mit halluzinogener Wirkung und offenem Grenzwert: Phencyclidin.

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Sind LSD-Trips beim Zoll aufgefallen, sehe ich mir die Sache ohne Kosten an. Ich bin Björn Schüller, Rechtsanwalt in Bremen, und verteidige bundesweit.

Bei Lysergsäurediethylamid zählt allein die Wirkstoffmenge, nicht das Gewicht des Trägerstoffs. Papier, Würfelzucker oder Gelatine bleiben außer Betracht, auch wenn sie das Sendungsgewicht bestimmen.

Dazu passen diese Beiträge: nicht geringe Menge bei LSD, LSD-Analoga und Zoll, Anhörungsbogen vom Zoll und Verteidigung im BtMG-Verfahren.

Als Ersatz für LSD wird auf dem Markt NBOMe angeboten, für das eine Grenzmenge bis heute nicht festgelegt ist.

Über den Autor

Björn Schüller

ist Rechtsanwalt und Strafverteidiger in Bremen, seit fünfzehn Jahren im Betäubungsmittel-, Cannabis-, Zoll- und Fahrerlaubnisrecht tätig. Verteidigung bundesweit.

Bild von Dipl. Jur. Björn Schüller

Dipl. Jur. Björn Schüller

Hochspezialisierter Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit über 15 Jahren Erfahrung im Bereich Drogen und Recht.

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Strafverteidiger für Betäubungsmittelrecht Björn Schüller aus Bremen