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Buprenorphin BtM: Subutex zwischen Substitution und Einfuhr
Wer eine Sendung mit Subutex oder anderen buprenorphinhaltigen Tabletten aus dem Ausland bestellt und dabei vom Zoll abgefangen wird, steht schnell mitten in einem Ermittlungsverfahren, obwohl es sich vordergründig „nur“ um ein Medikament handelt. Als Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit Schwerpunkt Betäubungsmittelstrafrecht/Drogen erkläre ich im Folgenden, was ein Subutex Zoll-Verfahren für Betroffene bedeutet, wie der Ablauf nach der Sicherstellung aussieht und welche Verteidigungsmöglichkeiten realistisch bestehen.
In meiner Kanzlei erlebe ich immer wieder, dass Mandanten überrascht sind, dass die Einfuhr eines in Deutschland grundsätzlich verschreibungsfähigen Arzneimittels überhaupt strafbar sein kann. Gerade weil Subutex offiziell als Medikament gilt, wird die strafrechtliche Tragweite eines Subutex Zoll-Vorwurfs häufig unterschätzt, dabei drohen bei Buprenorphin, dem Wirkstoff hinter den Handelsnamen Subutex und Suboxone, dieselben strafrechtlichen und fahrerlaubnisrechtlichen Folgen wie bei anderen Betäubungsmitteln.
Das Wichtigste in Kürze
- Subutex enthält Buprenorphin, das in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes geführt wird; ausgenommene Zubereitungen gibt es für diesen Wirkstoff nicht.
- Die unerlaubte Einfuhr erfüllt § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG und ist mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bedroht.
- Der Bundesgerichtshof hat die nicht geringe Menge auf 450 Milligramm Buprenorphinhydrochlorid festgelegt, was bei Achtmilligrammtabletten rasch erreicht ist.
- Für die Einfuhr dieser Menge gilt § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG mit einer Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren, für Besitz und Handeltreiben § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG mit einem Jahr.
- Eine laufende Substitutionsbehandlung ändert an der Strafbarkeit nichts, wenn die Tabletten nicht für den Betroffenen verschrieben waren.
- Mit der Einfuhr tritt der Bannbruch nach § 372 Abs. 2 AO hinzu; bei fehlendem Nachweis endet das Verfahren nach § 170 Abs. 2 StPO und bei geringer Menge über § 31a BtMG.
- Die Fahrerlaubnisbehörde kann nach § 14 FeV ein Gutachten anordnen und die Fahrerlaubnis nach § 3 StVG und § 46 Abs. 1 FeV entziehen.
Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- Was bedeutet der Vorwurf im Anhörungsschreiben?
- Subutex Zoll: Wie ist Buprenorphin rechtlich einzuordnen?
- Grundtatbestand vs. Verbrechen: der Grenzwert der „nicht geringen Menge“
- Die Grenzwerte bei Buprenorphin im Detail
- Wie läuft ein Subutex Zoll-Verfahren ab?
- Praxisbeispiele aus der Verteidigung
- Typische Fehler, die Betroffene machen
- Bannbruch und Sendungskontrolle: was davon übrig bleibt
- Welche Verteidigungsmöglichkeiten bestehen?
- Geringe Menge nach § 31a BtMG: keine verlässliche Bundesland-Übersicht
- Fahrerlaubnisrechtliche Folgen
- Häufige Fragen
- Warum ein Subutex-Verfahren kein bloßer Arzneimittelfall bleibt
- Gesetzestexte und Quellen
- Kostenlose Ersteinschätzung
Was bedeutet der Vorwurf im Anhörungsschreiben?
Wird eine Postsendung mit Subutex-Tabletten vom Zoll sichergestellt, erhält der im Paket genannte Empfänger üblicherweise ein Anhörungsschreiben des zuständigen Hauptzollamts. Darin wird ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Bannbruchs nach § 372 Abs. 2 AO angekündigt. § 372 Abs. 2 AO tritt jedoch ausdrücklich hinter die spezielleren Straftatbestände des Betäubungsmittelgesetzes zurück (formelle Subsidiarität). Tatsächlich verfolgt wird deshalb nahezu immer ein Verstoß gegen § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG (unerlaubte Einfuhr von Betäubungsmitteln). Dem Anhörungsschreiben liegt in der Regel ein Personalbogen bei, auf dem sich Betroffene zur Sache äußern sollen.
Von einer eigenständigen Beantwortung ist dringend abzuraten, das Schweigerecht sollte genutzt und die Stellungnahme dem Rechtsanwalt überlassen werden.
Subutex Zoll: Wie ist Buprenorphin rechtlich einzuordnen?
Buprenorphin ist seit der 1. BtMÄndV vom 06.08.1984 in Anlage III des BtMG gelistet, als sogenanntes verkehrsfähiges und verschreibungsfähiges Betäubungsmittel, im selben rechtlichen Muster wie beispielsweise Amphetamin, Tilidin oder GHB. Seit dem Jahr 2000 ist Buprenorphin in Deutschland zudem als Substitutionsmittel für die Behandlung von Opioidabhängigkeit zugelassen, unter den Handelsnamen Subutex (Mono-Präparat) und Suboxone (Kombinationspräparat mit dem Wirkstoff Naloxon, der einen missbräuchlichen intravenösen Konsum erschweren soll). Anders als etwa bei Diazepam oder Alprazolam gibt es für Buprenorphin keine „ausgenommenen Zubereitungen“ nach Anlage III BtMG, die die Strafbarkeit unter bestimmten Voraussetzungen entfallen lassen würden.
Das bedeutet: Die private Bestellung aus dem Ausland ohne gültiges, in Deutschland anerkanntes Betäubungsmittelrezept bleibt unabhängig von der Menge nach § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG strafbar, anders als bei reinen AMG-Fällen (etwa verschreibungspflichtigen Potenzmitteln oder Pregabalin ohne Rezept), bei denen die unerlaubte Einfuhr „nur“ eine Ordnungswidrigkeit darstellt. Die genaue gesetzliche Einordnung lässt sich in der amtlichen Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes nachlesen.
Praktisch bedeutsam ist außerdem das erhebliche Preisgefälle innerhalb der EU: In einigen Nachbarländern wird Buprenorphin deutlich niedrigschwelliger verschrieben als in Deutschland, wo eine Substitutionsbehandlung an strenge ärztliche und betäubungsmittelrechtliche Voraussetzungen gebunden ist. Dieses Gefälle führt in der Praxis wiederholt dazu, dass Subutex-Sendungen aus dem europäischen Ausland gezielt per Post nach Deutschland geschickt und vom Zoll abgefangen werden.
Grundtatbestand vs. Verbrechen: der Grenzwert der „nicht geringen Menge“
Überschreitet die eingeführte Menge die Schwelle zur „nicht geringen Menge“, wird aus dem Vergehen des § 29 BtMG das Verbrechen der Einfuhr in nicht geringer Menge nach § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG mit einer Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren. Wer eine solche Menge nur besitzt oder damit Handel treibt, fällt unter § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG, dort beträgt die Mindestfreiheitsstrafe ein Jahr.
Für Buprenorphin hat der Bundesgerichtshof diesen Grenzwert auf 450 Milligramm Buprenorphinhydrochlorid festgelegt (BGH, Beschluss vom 24.04.2007, Az. 1 StR 52/07, NJW 2007, 2054). Der BGH leitete den Wert im Wege eines Analogieschlusses zu Morphin her: Buprenorphin gilt als etwa zehnfach wirkstärker als Morphin, dessen eigener Grenzwert bei 4,5 Gramm liegt. Geteilt durch zehn ergibt sich der Buprenorphin-Grenzwert von 450 Milligramm.
Diese Schwelle ist bei einem Subutex Zoll-Vorwurf regelmäßig die entscheidende Weichenstellung für die Straferwartung.
Zur Einordnung: Die ärztlich verordnete Substitutionsdosis liegt üblicherweise zwischen 0,8 und 8 Milligramm pro Tag, sodass 450 Milligramm bereits einem Vielfachen einer Monatsration entsprechen können. Wichtig für die Verteidigung: Der Grenzwert bezieht sich ausschließlich auf den Buprenorphin-Wirkstoffgehalt. Bei Suboxone-Tabletten mit zusätzlichem Naloxon-Anteil muss die Ermittlungsbehörde den tatsächlichen Buprenorphin-Reinanteil forensisch-toxikologisch bestimmen, bevor überhaupt feststeht, ob die 450-Milligramm-Schwelle erreicht ist. Eine bloße Tablettenzählung reicht dafür nicht aus.
Die Grenzwerte bei Buprenorphin im Detail
Der Bundesgerichtshof hat die nicht geringe Menge bei Buprenorphin auf 450 Milligramm Buprenorphinhydrochlorid festgelegt, was umgerechnet 416,67 Milligramm Buprenorphin entspricht (BGHSt 51, 318 = NJW 2007, 2054). Dieser Wert ist seit 2007 unverändert und wird von den Instanzgerichten durchgehend angewendet.
Rechnet man ihn auf Tabletten um, wird die Nähe zur Alltagsmenge sichtbar. Subutex wird unter anderem in Stärken von zwei und acht Milligramm abgegeben. Bei Tabletten mit acht Milligramm Buprenorphin ist die Schwelle schon bei etwa 52 Tabletten erreicht, also bei einer Packungsmenge, die bei einer Substitutionsbehandlung keineswegs ungewöhnlich wirkt.
Am anderen Ende der Skala steht die geringe Menge, die über eine Einstellung nach § 31a BtMG entscheidet. Hier hat das Amtsgericht Freiburg ein bis drei Konsumeinheiten Subutex als geringe Menge angesehen (AG Freiburg NStZ-RR 2011, 131 mit Anmerkung Kotz und Rahlf). Eine bundesweit einheitliche Linie gibt es dazu nicht.
| Maßstab | Wert | Fundstelle |
|---|---|---|
| Nicht geringe Menge | 450 mg Buprenorphinhydrochlorid, umgerechnet 416,67 mg Buprenorphin | BGHSt 51, 318 = NJW 2007, 2054 |
| Geringe Menge nach § 31a BtMG | 1 bis 3 Konsumeinheiten Subutex | AG Freiburg NStZ-RR 2011, 131 |
Zwischen diesen beiden Werten liegt der ganze Gestaltungsraum des Verfahrens. Unterhalb der geringen Menge steht die Einstellung im Raum, oberhalb der nicht geringen Menge bei der Einfuhr die Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren aus § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG. Dazwischen entscheidet die Strafzumessung.
Deshalb ist die Umrechnung von Tablettenzahl und Stärke auf die reine Wirkstoffmenge der erste Rechenschritt in jedem Subutex-Verfahren. Sie steht nicht im Anhörungsschreiben, sondern erst im Gutachten, und sie wird in der Akte regelmäßig falsch zusammengefasst.
Wie läuft ein Subutex Zoll-Verfahren ab?
Nach der Sicherstellung durch das Hauptzollamt wird die Sendung asserviert und der Vorgang an die zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben. Der Empfänger erhält (wie oben beschrieben) zunächst ein Anhörungsschreiben mit Personalbogen.
Äußert sich der Betroffene nicht selbst, was anwaltlich fast immer empfehlenswert ist, prüft die Staatsanwaltschaft anhand der Aktenlage, ob genügend Beweise für eine Anklage, einen Strafbefehl oder (bei dünner Beweislage bzw. geringer Menge) eine Verfahrenseinstellung vorliegen. Bei einem Subutex Zoll-Vorwurf ist die Beweislage in der Praxis oft dünner, als Betroffene zunächst befürchten, weil der bloße Name auf dem Paket allein noch keinen hinreichenden Tatverdacht begründet.
Praxisbeispiele aus der Verteidigung
Namen, Orte und Nebenumstände sind verändert, der rechtliche Kern ist unverändert.
Wie ein Subutex Zoll-Vorwurf in der Praxis ausgehen kann, zeigen die folgenden anonymisierten Beispiele aus meiner Verteidigungspraxis:
Praxisbeispiel 1: Ein Mandant hatte über eine ausländische Online-Apotheke eine kleinere Menge Subutex zum Eigenkonsum bestellt, nachdem er in Deutschland keinen zeitnahen Termin für eine reguläre Substitutionsbehandlung bekommen hatte. Mangels Finanztransaktionsermittlungen ließ sich nicht abschließend nachweisen, dass der Mandant die Bestellung tatsächlich auch selbst vorgenommen hatte. Die Sendung war an die gemeinsame Meldeadresse einer Wohngemeinschaft adressiert. Das Verfahren wurde daraufhin nach § 170 Abs. 2 StPO mangels hinreichenden Tatverdachts eingestellt.
Praxisbeispiel 2: In einem anderen Verfahren ergab die laborchemische Analyse der sichergestellten Tabletten, dass es sich entgegen der ursprünglichen Zolleinschätzung nicht um reines Subutex, sondern um ein niedriger dosiertes Kombinationspräparat handelte. Nach Abzug des Naloxon-Anteils und unter Berücksichtigung der tatsächlichen Wirkstoffkonzentration lag die Menge deutlich unterhalb der 450-Milligramm-Schwelle, sodass statt des ursprünglich befürchteten Verbrechenstatbestands nur der Grundtatbestand des § 29 BtMG im Raum stand, mit entsprechenden Auswirkungen auf die Strafzumessung und die Einstellungsmöglichkeiten nach § 31a BtMG.
Die Angaben zu diesem Fall sind in den Einzelheiten verändert.
Typische Fehler, die Betroffene machen
Viele Betroffene beantworten den beigefügten Personalbogen vorschnell selbst und machen dabei ungefragt Angaben zu einer eigenen Opioidabhängigkeit oder einer laufenden Selbstmedikation, Angaben, die sich später kaum noch zurücknehmen lassen. Andere gehen fälschlich davon aus, ein im EU-Ausland gültiges Rezept mache die Einfuhr nach Deutschland automatisch legal, oder unterschätzen die Angelegenheit insgesamt, weil es sich „nur“ um ein zugelassenes Arzneimittel und keine klassische Partydroge handelt. Diese Fehleinschätzung kann teuer werden, denn strafrechtlich macht es keinen Unterschied, ob der eingeführte Stoff auf dem Schwarzmarkt oder als Medikament gehandelt wird.
Bannbruch und Sendungskontrolle: was davon übrig bleibt
Im ersten Schreiben nennt das Hauptzollamt regelmäßig den Bannbruch nach § 372 Abs. 1 AO. Diese Steuerstraftat nach § 369 Abs. 1 AO bleibt jedoch über die Subsidiaritätsklausel des § 372 Abs. 2 AO hinter der Androhung von Strafe oder Geldbuße in spezialgesetzlichen Vorschriften zurück. Für Betäubungsmittel ist das entschieden: Der einfache Bannbruch tritt gegenüber § 29 Abs. 1 BtMG zurück (BGH StV 1981, 277).
Eine Steuerhinterziehung kommt ebenfalls nicht in Betracht. Bei der unerlaubten Einfuhr von Betäubungsmitteln entstehen nach Art. 212 des Zollkodex weder Einfuhrumsatzsteuer noch Zollschuld (EuGH NStZ 1981, 185; EuGH NStZ 1984, 268).
Die Kontrolle selbst beruht auf dem Zollverwaltungsgesetz. Postdienstleister einschließlich der Kurier- und Expressdienste müssen Sendungen nach § 5 Abs. 1 ZollVG vorlegen, wenn ein Verdacht auf einen Verstoß gegen ein Einfuhrverbot besteht; geöffnet und geprüft werden sie nach § 10 Abs. 4a Satz 2 ZollVG. Die Vorlagepflicht gilt auch für Sendungen aus dem Unionsgebiet, weshalb eine Lieferung aus Frankreich oder Belgien nicht weniger auffällt als eine aus einem Drittstaat.
Welche Verteidigungsmöglichkeiten bestehen?
Zentraler Ansatzpunkt bei einem Subutex Zoll-Verfahren bleibt § 170 Abs. 2 StPO: Der bloße Name oder die Anschrift auf dem Paket beweist allein nicht, dass die dort genannte Person die Sendung auch bestellt hat. Ohne weitere belastende Indizien (etwa Zahlungsnachweise oder Chatverläufe mit dem Verkäufer) lässt sich oft kein hinreichender Tatverdacht herleiten, was zur Einstellung führen kann. Bei geringen Mengen zum ausschließlichen Eigenkonsum kommt zudem eine Einstellung nach § 31a BtMG in Betracht.
Ein weiterer, gerade bei Buprenorphin relevanter Verteidigungsansatz ist die exakte forensische Bestimmung des Wirkstoffgehalts, da Mono- und Kombinationspräparate mit stark unterschiedlicher Buprenorphin-Konzentration im Umlauf sind und die 450-Milligramm-Schwelle darüber entscheidet, ob ein Vergehen oder ein Verbrechen im Raum steht.
Geringe Menge nach § 31a BtMG: keine verlässliche Bundesland-Übersicht
Anders als bei Kokain, Amphetamin oder Cannabis existiert für Buprenorphin keine dokumentierte, länderweise aufgeschlüsselte Übersicht verlässlicher Richtwerte für die „geringe Menge“ im Sinne des § 31a BtMG. Eine pauschale Tabelle wäre an dieser Stelle irreführend; maßgeblich bleibt die Einzelfallpraxis der jeweils zuständigen Staatsanwaltschaft, die im Rahmen der Verteidigung gezielt erfragt werden sollte.
Fahrerlaubnisrechtliche Folgen
Auch bei einem BtMG-Verfahren wegen Subutex ist strikt zwischen den Einstellungsarten zu unterscheiden: Eine Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO hat regelmäßig keine fahrerlaubnisrechtlichen Folgen, da der Besitz gerade nicht als erwiesen gilt. Anders bei einer Einstellung nach § 31a BtMG, einem Strafbefehl oder einer Verurteilung: Hier steht der Besitz im Kern fest.
Bereits der nachgewiesene Besitz von Betäubungsmitteln führt in diesen Fällen zur Anordnung eines ärztlichen Gutachtens (der sogenannten Konsummusteranalyse) nach § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV, sobald die Fahrerlaubnisbehörde über die Mitteilungen in Strafsachen (MiStra Nr. 45) davon erfährt.
Der im Rahmen dieser Begutachtung bzw. der Ermittlungen nachgewiesene Konsum führt sodann zur Ungeeignetheit zum Führen von Kraftfahrzeugen nach Anlage 4 Nr. 9.1 FeV. Bei harten Betäubungsmitteln gilt hier ein Null-Toleranz-Maßstab, bei dem es auf Konsumhäufigkeit oder konkrete Ausfallerscheinungen nicht ankommt. Rechtsfolge der so festgestellten Ungeeignetheit ist dann die Entziehung der Fahrerlaubnis nach § 3 StVG i. V. m. § 46 Abs. 1 FeV.
Eine Besonderheit gilt für Personen, die sich tatsächlich in einer ärztlich begleiteten, kontrollierten Substitutionsbehandlung befinden: Nach der verwaltungsgerichtlichen Rechtsprechung (u. a. VG Oldenburg, Beschluss vom 17.06.2016, Az. 7 B 2377/16) begründet der bloße Substitutionszweck zwar keine automatische Ausnahme von der Regelvermutung der Ungeeignetheit, unter den engen Voraussetzungen der Vorbemerkung Nr. 3 zu Anlage 4 FeV (regelmäßig mehr als ein Jahr stabile Substitution, psychosoziale Stabilisierung, durch unangekündigte Kontrollen nachgewiesene Freiheit von Beikonsum über mindestens zwölf Monate, Compliance) kann ausnahmsweise dennoch eine positive Fahreignungsprognose möglich sein.
Diese Ausnahme betrifft jedoch ausschließlich Patienten in einer dokumentierten, ärztlich überwachten Substitutionsbehandlung, nicht Mandanten, die sich Subutex ohne Rezept und ohne ärztliche Begleitung im Ausland bestellt haben. Für diese gilt die oben beschriebene Null-Toleranz-Kette in vollem Umfang.
Ergänzend: Buprenorphin steht nicht in der Substanzliste des § 24a StVG (die nur Morphin, Cocain, Benzoylecgonin, Amfetamin, MDA, MDE, MDMA und Metamfetamin erfasst); eine Verkehrskontrolle mit Buprenorphin-Nachweis führt daher nicht automatisch zu einer Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG, sondern allenfalls zu den allgemeinen Straftatbeständen der §§ 315c, 316 StGB bei nachgewiesener Fahruntüchtigkeit, die fahrerlaubnisrechtliche Konsummusteranalyse nach § 14 FeV bleibt davon unberührt.
Das Ordnungswidrigkeitenrecht steht daneben. Welche Werte gelten und warum sie keine Wirkungsgrenzen sind, steht unter § 24a Abs. 2 StVG; zur anwaltlichen Vertretung Anwalt für Fahrerlaubnisrecht in Bremen.
Häufige Fragen
Ist der Besitz von Subutex überhaupt strafbar, wenn es sich um ein zugelassenes Medikament handelt?
Ja. Die Zulassung als Arzneimittel ändert nichts daran, dass die Einfuhr aus dem Ausland ohne gültiges, in Deutschland anerkanntes Betäubungsmittelrezept nach § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG strafbar bleibt.
Reicht ein gültiges Rezept aus einem anderen EU-Land aus?
Das ist im Einzelfall zu prüfen und hängt unter anderem davon ab, ob eine grenzüberschreitende Anerkennung nach den einschlägigen betäubungsmittelrechtlichen Vorschriften vorliegt. Pauschal verlassen sollte man sich darauf nicht.
Wie hoch ist die Strafe bei einem Subutex Zoll-Verfahren üblicherweise?
Das hängt maßgeblich von der Menge, den Umständen und der Vorstrafenlage ab. Unterhalb der 450-Milligramm-Schwelle sind Einstellungen nach § 170 Abs. 2 StPO oder § 31a BtMG realistisch möglich, oberhalb drohen empfindliche Freiheitsstrafen mit Mindestmaß von einem Jahr.
Drohen mir automatisch Führerschein-Konsequenzen, wenn ich mich in einer regulären Substitutionsbehandlung befinde?
Nicht automatisch, aber auch nicht automatisch nicht: Der Substitutionszweck allein reicht für eine Ausnahme von der Regelvermutung der Ungeeignetheit nicht aus, nur unter den engen, oben beschriebenen Voraussetzungen kann eine positive Prognose gelingen.
Was passiert mit der beschlagnahmten Sendung?
Sie wird in aller Regel eingezogen und steht nicht mehr zur Verfügung, unabhängig vom Ausgang des Ermittlungsverfahrens.
Warum ein Subutex-Verfahren kein bloßer Arzneimittelfall bleibt
Ein Subutex Zoll-Verfahren wirkt auf viele Betroffene zunächst harmlos, weil es „nur“ um ein Arzneimittel geht. Rechtlich ist die unerlaubte Einfuhr von Buprenorphin aber ein vollwertiger BtMG-Fall mit denselben strafrechtlichen und fahrerlaubnisrechtlichen Risiken wie bei anderen Betäubungsmitteln. Wer ein Anhörungsschreiben des Zolls erhält, sollte den beigefügten Personalbogen nicht selbst beantworten, sondern frühzeitig anwaltlichen Rat einholen. Bei Rückfragen zum Thema kontaktieren Sie mich gerne.
Welche Schritte ein Betäubungsmittelverfahren durchläuft und wo die Stellschrauben liegen, habe ich zusammengefasst: Strafverteidigung im Betäubungsmittelrecht.
Gesetzestexte und Quellen
- Betäubungsmittelgesetz: § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG · § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG · § 29 Abs. 1 BtMG · § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG · § 31a BtMG
- Abgabenordnung: § 369 Abs. 1 AO · § 372 Abs. 2 AO · § 372 Abs. 1 AO
- Zollverwaltungsgesetz: § 5 Abs. 1 ZollVG · § 10 Abs. 4a Satz 2 ZollVG
- Strafprozessordnung: § 170 Abs. 2 StPO
- Straßenverkehrsgesetz: § 3 StVG · § 24a StVG
- Fahrerlaubnis-Verordnung: § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV · § 46 Abs. 1 FeV
Wer § 29 BtMG im Wortlaut nachlesen will, findet die Vorschrift beim Bundesministerium der Justiz unter gesetze-im-internet.de.
Grundlage ist Körner/Patzak/Fabricius/Huth zum Betäubungsmittelgesetz in der 11. Auflage 2024.
Kostenlose Ersteinschätzung
Ist eine Sendung mit Subutex oder Buprenorphin aufgefallen, prüfe ich den Vorgang ohne Kosten. Ich bin Björn Schüller, Rechtsanwalt in Bremen, und verteidige bundesweit.
Für Buprenorphin gibt es keine ausgenommenen Zubereitungen in Anlage III des Betäubungsmittelgesetzes. Der bei anderen Stoffen naheliegende Einwand über die Zubereitung trägt hier deshalb nicht, dafür rücken Substitution und Verschreibung in den Mittelpunkt.
Weitere Beiträge zum Thema: Substitutionsbehandlung, Anlagen zum BtMG, Anhörungsbogen vom Zoll und Verteidigung im BtMG-Verfahren.
Zur Substitution und zum Weg in die Therapie: Methadon und Levomethadon, die Zurückstellung nach § 35 BtMG.
ist Rechtsanwalt und Strafverteidiger in Bremen, seit fünfzehn Jahren im Betäubungsmittel-, Cannabis-, Zoll- und Fahrerlaubnisrecht tätig. Verteidigung bundesweit.