2CB legal? Zollbeamtin öffnet im Briefsortierzentrum eine aufgetrennte Grußkarte, daneben ein Zip-Beutel mit rosafarbenen Presslingen.

Symbolbild, mit KI erstellt.

Ist 2CB legal? Der Grenzwert bei 2C-B, der alles verändert

Bei 2CB ist der entscheidende Umstand kein juristischer Streit, sondern eine Zahl. Der Grenzwert zur nicht geringen Menge liegt bei einem einzigen Gramm, bei kaum einem anderen Stoff wird die Schwelle zum Verbrechen so schnell erreicht. Wer eine Sendung bestellt, die nach wenig aussieht, kann bereits im Bereich des § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG mit zwei Jahren Mindeststrafe liegen.

Geschrieben wird der Stoff auch 2CB, 2-CB oder 2 CB; gemeint ist jeweils dasselbe Phenethylamin, und die rechtliche Einordnung ändert sich dadurch nicht.

Ich bin Rechtsanwalt und Strafverteidiger und arbeite seit fünfzehn Jahren ausschließlich im Bereich Drogen und Recht. 2CB ist in Deutschland nicht legal: Der Bundesgerichtshof hat die nicht geringe Menge bei einem Gramm festgelegt und sie aus dem Vergleich mit Mescalin hergeleitet, und aus einer abgefangenen Sendung folgt neben dem Strafverfahren ein eigenes Verfahren um die Fahrerlaubnis.

2C-B legal zu erwerben ist ausgeschlossen. Bromdimethoxyphenetylamin (abgekürzt BDMPEA und in der Szene 2C-B genannt) wurde durch die 4. BtMÄndVO vom 23. Januar 1993 der Anlage I zum BtMG unterstellt und ist damit ein verbotenes, nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel (Patzak/Fabricius, Stoffe Rn. 376).

Nicht verkehrsfähig bedeutet: keine Verschreibung, keine Apotheke, keine erlaubte Menge. Jeder Erwerb, Besitz und jede Einfuhr erfüllt § 29 BtMG.

Der Grenzwert zur nicht geringen Menge liegt bei einem Gramm (BGH BeckRS 2022, 23392).

Das Wichtigste in Kürze

  • 2CB ist seit Januar 1993 der Anlage I zum Betäubungsmittelgesetz unterstellt und damit ein verbotenes, nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel.
  • Jeder Erwerb, jeder Besitz und jede Einfuhr erfüllt § 29 BtMG.
  • Die nicht geringe Menge hat der Bundesgerichtshof bei einem Gramm angesetzt, und zwar im Vergleich mit dem 16-mal weniger potenten Mescalin (BGH BeckRS 2022, 23392).
  • Oberhalb dieser Schwelle greift bei der Einfuhr § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG mit einer Mindeststrafe von zwei Jahren.
  • Die Einzeldosis liegt zwischen 5 und 25 Milligramm; ein Gramm, also die nicht geringe Menge, entspricht damit zwischen 40 und 200 Konsumeinheiten.
  • Chemisch verwandt und ebenfalls der Anlage I unterstellt ist 2C-I mit einer Dosis von 10 bis 20 Milligramm.
  • Der Besitz von einem Gramm 2C-B erfüllt § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG mit einer Mindeststrafe von einem Jahr, auch wenn er allein dem Eigenkonsum dient (BGH NStZ 2021, 52).
  • Die Übersicht der Grenzwerte im Kommentar nennt für 2CB ein Gramm ohne Angabe, ob Base oder Hydrochlorid gemeint ist; die Bezugsform ist deshalb beim Sachverständigen zu erfragen (Patzak/Fabricius, § 29a Rn. 56).
  • Ohne analytisch festgestellten Wirkstoffgehalt ist die nicht geringe Menge nicht bewiesen; allgemeine Qualitätsangaben genügen nicht (BGH BeckRS 2016, 19352).
  • Dass 2CB in den Niederlanden bis 1997 frei erhältlich war, ändert an der Strafbarkeit in Deutschland nichts; Bedeutung hat der Umstand beim Verbotsirrtum nach § 17 StGB und in der Strafzumessung.

Was in diesem Beitrag steht

Was der Arzt bei der Blutentnahme festhält und wie dieser Bogen in einem Verfahren um 2C-B angegriffen wird, habe ich unter Der ärztliche Untersuchungsbogen bei der Blutentnahme beschrieben.

2C-B gehört zur Gruppe der Phenethylamine. Der Kommentar beschreibt es als Psychostimulans mit halluzinogener und stark aphrodisierender Wirkung. Die Einzeldosis liegt zwischen 5 und 25 Milligramm; in Dosierungen bis zu 20 Milligramm wirkt es als starkes Aphrodisiakum, das sexuelles Verlangen und Potenz steigert (Patzak/Fabricius, Stoffe Rn. 376).

In Foren und Anzeigen steht meist 2CB ohne Bindestrich; die Anlage I zum BtMG führt 2CB unter seiner chemischen Bezeichnung.

Entdeckt wurde 2CB von Alexander Shulgin. Im illegalen Handel in den Vereinigten Staaten und in den Niederlanden läuft sie unter den Namen Venus, Bromo, Toonics und Nexus. In den Niederlanden war 2CB lange Jahre in Smart-Shops frei erhältlich, bis sie 1997 dem dortigen Opiumgesetz unterstellt wurde.

In Deutschland gab es bislang nur wenige Sicherstellungen. Was nicht bedeutet, dass die Verfahren selten wären. Es bedeutet, dass die Mengen klein sind, und genau darin liegt das Problem, zu dem ich gleich komme.

Chemisch verwandt und ebenfalls der Anlage I unterstellt ist 2C-I mit einer Dosis von 10 bis 20 Milligramm und einer Wirkdauer von sechs bis zehn Stunden. Dem BtMG unterstellt sind ferner 2C-T-2 und 2C-T-7 sowie eine Reihe neuartiger Derivate aus dem Bereich der neuen psychoaktiven Stoffe.

Die 2C-Reihe: welche Derivate dem BtMG unterstehen

2C-B ist der bekannteste Vertreter einer ganzen Stoffreihe. Das Bauprinzip lässt sich an den amtlichen Bezeichnungen der Anlage I ablesen: ein Phenethylamin mit Methoxygruppen in den Positionen 2 und 5 und einem wechselnden Substituenten in der Position 4. Bei 2C-B ist dieser Substituent Brom, bei 2C-C Chlor, bei 2C-I Iod.

Rechtlich ist jeder Stoff der Reihe gesondert zu betrachten. Die Anlagen zum Betäubungsmittelgesetz nennen ihn einzeln, oder sie nennen ihn nicht.

StoffBezeichnung der Anlage IUnterstellt durch
2C-B (BDMPEA)4-Brom-2,5-dimethoxyphenethylazan4. BtMÄndVO vom 23. Januar 1993
2C-C2-(4-Chlor-2,5-dimethoxyphenyl)ethanaminBtMÄndVO vom 5. Dezember 2014
2C-D (2C-M)2-(2,5-Dimethoxy-4-methylphenyl)ethanaminBtMÄndVO vom 5. Dezember 2014
2C-E2-(4-Ethyl-2,5-dimethoxyphenyl)ethanaminBtMÄndVO vom 5. Dezember 2014
2C-P2-(2,5-Dimethoxy-4-propylphenyl)ethanaminBtMÄndVO vom 5. Dezember 2014
2C-I4-Iod-2,5-dimethoxyphenethylazanAnlage I
2C-T-24-Ethylsulfanyl-2,5-dimethoxyphenethylazanAnlage I
2C-T-72,5-Dimethoxy-4-(propylsulfanyl)phenethylazanAnlage I

2C-C, 2C-D, 2C-E und 2C-P sind mit der Betäubungsmittel-Änderungsverordnung vom 5. Dezember 2014 in die Anlage I aufgenommen worden. Der Kommentar beschreibt ihre Wirkung als entaktogen und LSD-ähnlich; aus den Vereinigten Staaten sind Todesfälle im Zusammenhang mit 2C-E berichtet (BR-Drs. 490/14, 11; Patzak/Fabricius, Stoffe Rn. 327).

Wie ernst die Strafgerichte das nehmen, zeigt ein Verfahren aus Niedersachsen. Im September 2015 kam es bei einem Seminar mit bewusstseinserweiternden Drogen zu einer Massenvergiftung, nachdem im Selbstversuch unter anderem 2C-E eingenommen worden war. Das Landgericht Stade verurteilte den Veranstalter im November 2017 unter anderem wegen unerlaubten Besitzes von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und drei Monaten mit Bewährung (Patzak/Fabricius, Stoffe Rn. 327).

Dem 2C-B chemisch am nächsten steht 2C-I. Die Dosis liegt bei 10 bis 20 Milligramm, die Wirkdauer bei sechs bis zehn Stunden (Patzak/Fabricius, Stoffe Rn. 377). Ebenfalls der Anlage I unterstellt sind 2C-T-2 und 2C-T-7.

Eine eigene Gruppe bilden die NBOMe-Derivate. 25B-NBOMe, das auch 2C-B-NBOMe genannt wird, sowie 25C-NBOMe und 25I-NBOMe sind mit der 28. Betäubungsmittel-Änderungsverordnung vom 5. Dezember 2014 in die Anlage I aufgenommen worden; 25I-NBOMe wird in der Szene als Ersatz für LSD angeboten (Patzak/Fabricius, Stoffe Rn. 328). Die Grenzmengen und die Verteidigungsansätze dieser Gruppe stehen gesondert unter NBOMe: Grenzmenge und Strafbarkeit.

Innerhalb der Stoffgruppe liegen die Grenzwerte weit auseinander, und 2CB ist darin nicht der strengste Wert.

StoffNicht geringe MengeFestgelegt durch
DOB (Brolamfetamin)300 mg DOB-Base (120 Konsumeinheiten à 2,5 mg)Sachverständigenvorschlag
DOM (STP)600 mg DOM-Base (120 Konsumeinheiten à 5 mg)Sachverständigenvorschlag
2CB1 gBGH BeckRS 2022, 23392

DOB ist das Amphetaminanalogon zu 2CB und trägt denselben Brom-Dimethoxy-Ring. Der vorgeschlagene Grenzwert liegt bei einem Drittel des Wertes für 2CB (Patzak/Fabricius, § 29a Rn. 69 und 70). Wer eine Mischware vor sich hat, muss deshalb wissen, welcher Stoff darin ist, bevor über die nicht geringe Menge gesprochen wird.

Derivate, die in keiner Anlage zum Betäubungsmittelgesetz stehen, sind damit nicht frei. Mit dem Gesetz zur Bekämpfung der Verbreitung neuer psychoaktiver Stoffe vom 21. November 2016 (BGBl. I S. 2615) hat der Gesetzgeber erstmals ganze Stoffgruppen verboten, darunter die Gruppe der 2-Phenethylamine (BT-Drs. 18/8579, 15). Das Nähere steht unter Strafbarkeit nach dem NpSG.

Der Unterschied ist erheblich. Für einen Stoff des NpSG gibt es keinen Grenzwert der nicht geringen Menge, und fahrerlaubnisrechtlich greift § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV nicht, weil ein neuer psychoaktiver Stoff nach § 1 Abs. 2 NpSG gerade kein Betäubungsmittel ist. Die Behörde muss dann auf § 11 Abs. 2 FeV ausweichen und Eignungszweifel konkret begründen. 2C-B zählt nicht zu den in der Anlage zu § 24a StVG genannten Substanzen, dazu die Seite zu den Legal Highs im Straßenverkehr. Welche Werte für die dort genannten Stoffe gelten, steht auf der Seite zu den Grenzwerten und Nachweiszeiten.

Daraus folgt der erste Prüfpunkt jeder Akte: Ein Befund, der nur ein Phenethylamin oder ein 2C-Derivat ausweist, trägt keinen Grenzwert. Erst die eindeutige Zuordnung zu 2CB oder zu einem benannten Derivat macht die Mengenbewertung möglich. Welcher Stoff in welcher Anlage steht, ist unter Anlagen zum BtMG zusammengestellt.

Die Frage taucht in fast jedem Mandat auf, weil die Bestellungen meist aus dem niederländischen Raum kommen und weil 2CB dort über Jahre offen verkauft wurde.

Für die Strafbarkeit in Deutschland ist das ohne Bedeutung. Seit 1997 ist 2CB auch in den Niederlanden dem Opiumgesetz unterstellt; die alte Smart-Shop-Praxis gibt es nicht mehr. Und selbst wenn sie fortbestünde, käme es allein auf die deutsche Rechtslage an, sobald 2CB die Grenze überschreitet.

Bedeutung hat der Umstand an zwei anderen Stellen: beim Verbotsirrtum nach § 17 StGB und in der Strafzumessung. Beides trägt nicht viel, aber es ist vorzutragen, Anlage I ist nichts, was ein Laie erraten kann, und die Vorstellung, in einem Nachbarland legal Erhältliches sei auch hier hinnehmbar, ist verbreitet.

Der Bundesgerichtshof hat die nicht geringe Menge von 2CB bei einem Gramm angesetzt, und zwar im Vergleich mit dem 16-mal weniger potenten Mescalin (BGH BeckRS 2022, 23392).

Was das praktisch heißt, zeigt die Umrechnung auf Konsumeinheiten.

EinzeldosisKonsumeinheiten in 1 Gramm
5 mg200
10 mg100
20 mg50
25 mg40

Zum Vergleich die Grenzwerte benachbarter Stoffe:

StoffNicht geringe MengeFestgelegt durch
2CB1 gBGH
LSD6 mg Wirkstoff (120 Trips à 50 µg)BGH
Psilocin1,2 gBayObLG
DMT3,6 g BaseLG Frankenthal, LG Würzburg
MDMA30 g BaseBGH
Amphetamin10 g BaseBGH

Die Frage, ob 2CB legal ist, beantwortet Anlage I; die Frage, ab wann es ein Verbrechen wird, beantwortet dieses eine Gramm. Der Abstand zu anderen Stoffen ist dabei der Punkt. Wer 30 Gramm MDMA braucht, um die Schwelle zu erreichen, erreicht sie bei 2CB mit einem Dreißigstel davon. Eine Sendung, die in der Hand wie nichts wirkt, kann den Verbrechenstatbestand erfüllen.

Für die Verteidigung folgen daraus zwei Ansätze.

Der Wirkstoffgehalt: Ein Gramm Pulver ist nicht ein Gramm Wirkstoff. Bei Ware aus dem Graumarkt liegen die Gehalte oft weit darunter, und bei Tabletten oder Pappen kommt das Trägermaterial hinzu. Ohne vollständige Analyse ist die Menge nicht bestimmt. Hintergrund zur Grenzwertbestimmung: Die nicht geringe Menge im BtMG.

Der Vorsatz: Die nicht geringe Menge ist ein Tatbestandsmerkmal; der Vorsatz muss sich auf ihre tatsächlichen Voraussetzungen erstrecken. Ohne Feststellung, welche Vorstellung der Beschuldigte vom Wirkstoffgehalt hatte, liegt eine Feststellungslücke vor, die zur Aufhebung des Urteils zwingen kann (BGH StV 1983, 332). Gerade bei einem Stoff, dessen Grenzwert ungewöhnlich niedrig liegt, ist das ein ernstzunehmender Einwand.

Die Formel hinter dem Grenzwert: Einzelmenge und Maßzahl

Der Begriff der nicht geringen Menge ist im Betäubungsmittelgesetz nicht definiert. Die Rechtsprechung bildet ihn in einem zweistufigen Verfahren. Maßgeblich ist nicht die Gewichtsmenge des Gemisches, sondern die Wirkstoffmenge, und diese wird in Abhängigkeit von der Wirkungsweise des einzelnen Stoffes festgelegt (BGHSt 33, 8 = NStZ 1984, 556; BGHSt 42, 262 = NJW 1997, 810; BGHSt 57, 60 = NJW 2012, 400).

Die Formel lautet: nicht geringe Menge gleich maßgebliche Einzelmenge, multipliziert mit einer an der Gefährlichkeit orientierten Maßzahl, gemessen in Konsumeinheiten (Patzak/Fabricius, § 29a Rn. 48).

StoffMaßzahl in KonsumeinheitenEntscheidung
Heroin30BGHSt 32, 162 = NJW 1984, 675
Cannabis500BGHSt 33, 8 = NJW 1985, 1404

In die Maßzahl gehen die Darreichungs- und die Konsumform sowie Art und Dauer des Gebrauchs ein (BGHSt 56, 52 = NJW 2011, 1462). Für die Bestimmung der Konsumeinheit dürfen Sachverständige auf Erfahrungsberichte von Konsumenten über die Wirkungsweise des Stoffes zurückgreifen (BGH BeckRS 2018, 1926).

Erst wenn sich die maßgebliche Einzelmenge nicht feststellen lässt, tritt der Vergleich mit verwandten Wirkstoffen an ihre Stelle. Dieser Weg ist also nachrangig (BGHSt 51, 318 = NJW 2007, 2054 zu Buprenorphin; BGHSt 60, 134 = NStZ 2015, 226; Patzak/Fabricius, § 29a Rn. 49 und 55).

Bei 2CB hat der Bundesgerichtshof diesen nachrangigen Weg genommen. Der Wert von einem Gramm stammt aus dem Vergleich mit dem sechzehnmal weniger potenten Mescalin (BGH BeckRS 2022, 23392). Zur Vergleichssubstanz selbst: Mescalin, Peyote und San Pedro.

Das ist die Entscheidung, an der die Gerichte sich halten, und sie ist nicht zu übergehen. Vortragen lässt sich aber, dass der Kommentar für 2CB eine Einzeldosis von 5 bis 25 Milligramm ausweist (Patzak/Fabricius, Stoffe Rn. 376) und dass die Übersicht der Grenzwerte für 2C-B keine Konsumeinheiten nennt, anders als bei den benachbarten Phenethylaminen DOB und DOM (§ 29a Rn. 56). Wo die Maßzahl nicht ausgewiesen ist, lässt sich die Schwelle auch nicht gegen die Vorstellung des Beschuldigten halten.

Einen Hinweis für die Praxis gibt der Kommentar zusätzlich. Die Arbeitsgruppe Toxikologie der Kommission Kriminalwissenschaft und Technik veröffentlicht Grenzwertvorschläge für Phenethylamine und Cathinone; sie sind eine Arbeitshilfe, keine Bindung (Patzak/Fabricius, § 29a Rn. 56). Wie die Grenzwerte im Übrigen zustande kommen, steht unter nicht geringe Menge, geringe Menge und normale Menge.

Base oder Hydrochlorid: worauf sich das Gramm bei 2CB bezieht

Ein Stoff kann als freie Base oder als Salz vorliegen, meist als Hydrochlorid. Beide Formen sind Betäubungsmittel. Die Begriffsbestimmung des § 2 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. a BtMG führt dazu, dass nicht nur die Hydrochloride, sondern auch die Basen und Sulfate erfasst werden, und zwar unabhängig vom Reinheitsgrad (Patzak/Fabricius, § 2 Rn. 3).

Für die Schuldfrage ist die Form gleichgültig. Für die Menge ist sie entscheidend.

FormEigenschaftFolge für die Mengenbestimmung
Freie Baseleichter verdampfbar, für das Rauchen und Inhalieren verwendetDie gewogene Masse ist reiner Wirkstoff
Hydrochlorid und andere Salzewasserlöslich, für Lösungen und Injektionen verwendetDie gewogene Masse enthält zusätzlich den Säureanteil

Der Kommentar formuliert die Folge ausdrücklich. Sichergestellte Betäubungsmittel können zum Teil als Base, zum Teil als Hydrochlorid vorliegen, und die nicht geringe Menge ist vom Bundesgerichtshof teils als Hydrochlorid, teils als Base errechnet worden. Zur Bestimmung der nicht geringen Menge müssen diese Wirkstoffgehalte einheitlich ermittelt oder umgerechnet werden (Patzak/Fabricius, Vor §§ 29 ff. Rn. 210). Für Kokain nennt der Kommentar als Umrechnung von der Base in das Hydrochlorid den Faktor 1,12.

Welche Folgen ein Fehler an dieser Stelle hat, zeigt Amphetamin. Die nicht geringe Menge wird nicht nach dem wasserlöslichen Amphetaminsulfat bestimmt, sondern nach der geringeren Amphetaminbasemenge; Amphetaminsulfat enthält 73 Gewichtsprozent Amphetaminbase (BGHSt 33, 169 = NJW 1985, 2773). Orientiert sich eine Strafkammer am höheren Sulfatgehalt, ist das Urteil im Rechtsfolgenausspruch aufzuheben, weil der Schuldumfang zu hoch angesetzt ist (BGH BeckRS 2011, 21911; NStZ-RR 2013, 81; NStZ-RR 2023, 317).

Bei 2CB kommt eine Besonderheit hinzu. Die Übersicht der Grenzwerte im Kommentar führt 2CB mit schlicht einem Gramm, ohne Zusatz. Bei DOB steht dort 300 Milligramm DOB-Base, bei DOM 600 Milligramm DOM-Base, bei 4-Fluormethamfetamin 10 Gramm der Base (Patzak/Fabricius, § 29a Rn. 56). Für 2CB ist die Bezugsform damit nicht ausdrücklich bezeichnet.

Daraus folgt eine Frage, die in jedem 2C-B-Verfahren an den Sachverständigen gehört: Auf welche Form rechnet das Gutachten? Weist es den Gehalt als Hydrochlorid aus, enthält dieselbe Masse weniger Base, weil das Salz den Säureanteil mitwiegt. Der Umrechnungsfaktor ist stoffspezifisch und vom Sachverständigen zu benennen.

Bei einem Grenzwert von einem Gramm kann diese Differenz den Ausschlag geben. Liegt der ermittelte Gehalt in der Nähe der Schwelle, entscheidet die Bezugsform darüber, ob ein Vergehen nach § 29 BtMG oder ein Verbrechen nach § 29a oder § 30 BtMG im Raum steht. Eine Akte, die dazu nichts enthält, ist an dieser Stelle unvollständig.

Besitz, Erwerb und Handeltreiben: die Strafrahmen

Unterhalb der Schwelle von einem Gramm bleibt es beim Grundtatbestand, oberhalb beginnt das Verbrechen. Weil der Grenzwert bei 2CB so niedrig liegt, lohnt der Blick auf die ganze Leiter.

VorschriftHandlungStrafrahmen
§ 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1 BtMGErwerb, Sichverschaffen, Einfuhr, Abgabe, HandeltreibenFreiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe
§ 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 3 BtMGBesitz ohne schriftliche Erlaubnis für den ErwerbFreiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe
§ 29 Abs. 3 BtMGbesonders schwerer Fall, Regelbeispiele gewerbsmäßiges Handeln und Gefährdung der Gesundheit mehrerer MenschenFreiheitsstrafe nicht unter einem Jahr
§ 29 Abs. 5 BtMGgeringe Menge zum EigenverbrauchAbsehen von Strafe möglich
§ 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMGHandeltreiben, Herstellen, Abgabe oder Besitz in nicht geringer MengeFreiheitsstrafe nicht unter einem Jahr
§ 29a Abs. 2 BtMGminder schwerer FallFreiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren
§ 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMGEinfuhr in nicht geringer MengeFreiheitsstrafe nicht unter zwei Jahren
§ 30 Abs. 2 BtMGminder schwerer FallFreiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren
§ 30a Abs. 1 BtMGnicht geringe Menge als Mitglied einer BandeFreiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren
§ 30a Abs. 2 Nr. 2 BtMGMitführen einer Schusswaffe oder eines gleichwertigen GegenstandsFreiheitsstrafe nicht unter fünf Jahren
§ 30a Abs. 3 BtMGminder schwerer FallFreiheitsstrafe von sechs Monaten bis zu zehn Jahren

Drei Punkte dieser Tabelle werden in 2C-B-Verfahren regelmäßig übersehen.

Der Besitz zum Eigenkonsum ist mitumfasst. § 29a Abs. 1 Nr. 2 BtMG nennt den Besitz ohne Rücksicht auf den Zweck. Nach der Rechtsprechung fallen darunter auch Erwerb und Anbau in nicht geringer Menge zum Zwecke des Eigenkonsums, die in der Vorschrift nicht eigens genannt sind (BGH NStZ 2021, 52). Wer ein Gramm 2CB für sich bestellt, steht also im Verbrechensbereich, ohne jemals gehandelt zu haben. Zu den Einzelheiten: Besitz von Betäubungsmitteln.

Der Versuch ist unterschiedlich geregelt. Nach § 29 Abs. 2 BtMG ist der Versuch in den Fällen des § 29 Abs. 1 Satz 1 Nr. 1, 2, 5 und 6 Buchst. b strafbar. Der Besitz nach Nummer 3 steht nicht in dieser Aufzählung; ein Versuch des Besitzes ist nicht strafbar. Bei § 29a und § 30 BtMG folgt die Versuchsstrafbarkeit dagegen schon aus § 23 Abs. 1 StGB, weil beide Vorschriften Verbrechen sind.

Teilmengen sind getrennt zu bestimmen. Fallen Handeltreiben und ein zum Eigenkonsum bestimmter Besitz zusammen, muss das Gericht den Wirkstoffgehalt und den Anteil der Teilmengen mit unterschiedlicher Zweckrichtung konkret bestimmen. Nur so lässt sich beurteilen, ob die nicht geringe Menge bei der einzelnen Teilmenge oder erst im Ganzen erreicht ist (BGH NStZ-RR 2018, 81). Bei 2CB mit seinem Grenzwert von einem Gramm entscheidet diese Aufteilung über den Tatbestand.

Oberhalb der Schwelle bleibt der minder schwere Fall der wichtigste Hebel. Er senkt die Mindeststrafe bei § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG von zwei Jahren auf drei Monate und öffnet damit erst den Weg zur Bewährung. Woran er sich entscheidet, steht unter der minder schwere Fall im BtMG. Zum Handeltreiben selbst: Handeltreiben mit Betäubungsmitteln.

Wenn der Zoll eine Sendung mit 2CB zieht

2CB kommt als Pulver in kleinen Druckverschlussbeuteln, als gepresste Tablette oder als getränkte Pappe. Versendet wird überwiegend aus den Niederlanden und Belgien, gelegentlich aus Osteuropa. Die Sendungen sind flach und leicht, häufig in Briefumschlägen mit Karton verstärkt und als Grußkarte, Aufkleber oder Modellbauteil deklariert.

Der weitere Ablauf entspricht dem anderer Postsendungen: Vorlagepflicht des Dienstleisters bei Verdacht, Öffnung und Prüfung durch den Zoll, Weitergabe an die Staatsanwaltschaft, Sicherstellung oder richterliche Postbeschlagnahme. Vollständig mit allen Vorschriften habe ich das an anderer Stelle dargestellt: Post vom Zoll: Was der Brief bedeutet.

Abgaben entstehen auf verbotene Ware nicht (EuGH NStZ 1984, 268). Der Bannbruch erklärt nur, warum der Zoll überhaupt ermittelt; bestraft wird nach dem BtMG. Zum Einfuhrtatbestand: Einfuhr von Betaeubungsmitteln nach § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG.

Ein Hinweis, der bei 2CB häufig gebraucht wird: Auch die versuchte Einfuhr ist strafbar. Dass die Sendung nie angekommen ist, beseitigt den Vorwurf nicht, es verändert nur die Strafzumessung und eröffnet unter Umständen den Rücktritt, wenn die Bestellung vor dem Zugriff storniert wurde.

Das Wirkstoffgutachten als Angriffspunkt

An die Stelle der Gewichtsmenge ist die Wirkstoffmenge getreten. Der Tatrichter muss nicht nur für die nicht geringe Menge, sondern allgemein für den Schuldumfang konkrete Feststellungen zur Qualität des Gemisches treffen oder von dem für den Angeklagten günstigsten Mischungsverhältnis ausgehen (Patzak/Fabricius, Vor §§ 29 ff. Rn. 293).

Keine Feststellungen zu Reinheitsgrad und Wirkstoffgehalt zu treffen, ist fehlerhaft, wenn der Stoff untersucht worden ist oder noch untersucht werden kann (BGHSt 33, 8 = NJW 1985, 1404; BGHSt 42, 1 = NJW 1996, 794; BGH NStZ 2008, 471; NStZ 2012, 339; OLG Hamm BeckRS 2016, 16069; BayObLG StV 2004, 603). Fehlen im Urteil die Angaben, welche Beweismittel zu Art, Menge und Wirkstoffgehalt geführt haben, zwingt das zur Aufhebung (BGH BeckRS 2023, 10394).

Was bei einem Grenzwert von einem Gramm besonders zählt

Die Messunsicherheit. Unter Betäubungsmittelexperten ist umstritten, wie hoch der Sicherheitsabschlag bei Wirkstoffuntersuchungen sein muss. Die laborinterne Messungenauigkeit liegt beim Landeskriminalamt Rheinland-Pfalz bei etwa fünf Prozent, im Ringversuch der beteiligten Labore bei etwa sechs Prozent. Einheitliche Standards gibt es nicht, weshalb die Labore unterschiedliche oder gar keine Abweichungen ausweisen (Patzak/Fabricius, Vor §§ 29 ff. Rn. 306; vgl. OLG Stuttgart BeckRS 2016, 18551).

Bei einem Grenzwert von einem Gramm schlägt das unmittelbar durch. Ein Befund von 1,02 Gramm Wirkstoff trägt den Verbrechensvorwurf nicht, wenn die Messunsicherheit nicht ausgewiesen ist.

Der Zeitablauf. Wärme, Licht und Feuchtigkeit verändern Wirkstoffgehalt und Zusammensetzung. Sichergestellte Betäubungsmittel sind deshalb möglichst schnell zu untersuchen (Patzak/Fabricius, Vor §§ 29 ff. Rn. 305 mit Verweis auf Rübsamen NStZ 1991, 310). Liegen zwischen Sicherstellung und Analyse Monate, gehört das in den Vortrag.

Die Darreichungsform. 2CB wird auch als gepresste Tablette und als getränkte Pappe gehandelt. Für Ecstasy ist entschieden, dass allein aus der Anzahl der Tabletten ohne nähere Feststellungen zum Wirkstoffgehalt nicht auf das Überschreiten der nicht geringen Menge geschlossen werden kann, weil Konzentrationen und Kombinationen in der Praxis schwanken (Patzak/Fabricius, Vor §§ 29 ff. Rn. 338 mit BGH BeckRS 2016, 12155 und BeckRS 2016, 21449). Für 2CB gilt derselbe Gedanke, und er wirkt dort noch stärker, weil 2CB im Milligrammbereich dosiert wird.

Wenn nichts mehr da ist, das man untersuchen könnte

Sind die Betäubungsmittel vernichtet, verbraucht oder weitergegeben, darf das Gericht die Frage nach dem Wirkstoffgehalt nicht offen lassen. Es muss unter Berücksichtigung von Herkunft, Preis, Aussehen, Verpackung, Verplombung, der Beurteilung durch Tatbeteiligte und der Qualität des Lieferanten sowie des Zweifelsgrundsatzes die für den Angeklagten günstigste Wirkstoffkonzentration zugrunde legen (Patzak/Fabricius, Vor §§ 29 ff. Rn. 309 und 314).

Allgemeine Qualitätsangaben genügen dafür nicht. Formulierungen wie gute oder schlechte Qualität oder erheblich gestreckt sind ohne Bemessung des Wirkstoffgehalts nur Hilfserwägungen. Eindeutige Feststellungen dürfen nicht durch Vermutungen ersetzt werden (BGH NStZ 2008, 471; BGH BeckRS 2016, 19352; OLG München NStZ-RR 2011, 89; KG NStZ-RR 2014, 265).

Verzichtbar ist das Gutachten nur im Ausnahmefall, nämlich wenn ausgeschlossen ist, dass eine genaue Angabe des Wirkstoffgehalts das Strafmaß zugunsten des Angeklagten beeinflussen kann, etwa bei Verhängung der Mindeststrafe (BGH NStZ 1996, 395; OLG Frankfurt am Main NStZ-RR 2003, 23; OLG Celle NStZ-RR 2012, 59; OLG Saarbrücken BeckRS 2019, 815). Bei 2CB greift diese Ausnahme regelmäßig nicht, weil der Grenzwert über den Tatbestand entscheidet und nicht nur über die Strafhöhe.

Wie ein solches Gutachten aufgebaut ist, welche Fragen an den Sachverständigen gehören und wo die üblichen Lücken liegen, habe ich gesondert dargestellt: das Wirkstoffgutachten angreifen.

Einstellungschancen bei 2CB

Dass 2CB legal nicht zu beziehen ist, schließt eine Einstellung nicht aus. Bei Mengen im Bereich weniger Konsumeinheiten kommen § 31a BtMG, § 153 StPO und § 153a StPO in Betracht. 2CB gehört nicht zu den Stoffen, für die die Ländererlasse ausdrückliche Mengengrenzen nennen; gearbeitet wird deshalb mit dem allgemeinen Maßstab der geringen Menge zum Eigenverbrauch.

Was trägt: eine erstmalige Bestellung, eine Menge deutlich unterhalb des Grenzwerts, ein leeres Register, kein Hinweis auf Weitergabe, kein Verkaufschat. Was verschließt: Feinwaage, Portionsbeutel, mehrere Sendungen, Preislisten.

Ein eigenes Argument ist bei 2CB der Umstand, dass die Substanz in der öffentlichen Wahrnehmung nicht als harte Droge geführt wird und der Grenzwert erst 2022 höchstrichterlich bestimmt wurde. Das spricht nicht gegen die Strafbarkeit, wohl aber gegen eine besonders strenge Behandlung im Einzelfall. Zu den Voraussetzungen der Einstellung: Einstellung im Zollverfahren.

Wie lange 2C-B im Körper nachweisbar ist

Bei den Phenethylaminen der 2C-Reihe führt die Frage in eine Lücke. Die Nachweistabellen der Beurteilungskriterien erfassen Cannabis, die Opiate, Cocain, die Amphetamine und die Designer-Amfetamine, 2CB steht dort nicht, und auch keiner seiner Metaboliten.

Blut oder SerumUrinHaar
2CBnicht bekanntnicht bekanntje Zentimeter ein Monat rückwirkend
2C-B-Metabolitennicht bekanntnicht bekanntje Zentimeter ein Monat rückwirkend

Gemeint sind Anhaltspunkte, nicht Grenzwerte. Was sich in Blut, Urin oder Haar zeigt, wird von der aufgenommenen Menge, der Dauer des Konsums, der Konsumform, dem Körperbau, dem Abbau im Körper und der Empfindlichkeit der Methode bestimmt. Aus einem Zeitfenster folgt weder Sicherheit noch Straflosigkeit.

Einen Cut-off gibt die Tabelle der Entscheidungsgrenzen ebenfalls nicht her. Wer also einen Befund vorgelegt bekommt, muss nach dem Verfahren fragen: Welche Methode, welche Bestimmungsgrenze, welche Bestätigungsanalytik? Ein Immunoassay auf Amphetamine erfasst 2CB nicht verlässlich. Weder positiv noch negativ sagt ein solcher Vortest hier etwas aus.

Hinzu kommt die Dosis. 2CB wirkt im Milligrammbereich, und entsprechend niedrig sind die Konzentrationen, die überhaupt entstehen. Ein Nachweis setzt deshalb eine gezielte Anforderung und ein empfindliches Verfahren voraus; ein Routinescreening leistet das nicht. Wie ein Abstinenzbeleg aufgebaut sein muss, damit er zählt, steht unter Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.

Als Faustregel gilt, dass ein Stoff nach etwa acht bis zehn Eliminationshalbwertszeiten unter die Nachweisgrenze der gängigen Verfahren fällt; die Dauer hängt zwingend von der Empfindlichkeit der Methode und den Cut-off-Werten des Labors ab (Mußhoff/Madea, NZV 2008, 485, 487). Das polytoxikologische Standardscreening erfasst ohnehin nur Cannabinoide, Opiate, Cocainmetabolite, Amphetamine samt Designer-Amphetaminen, Benzodiazepine und Methadon, alles Weitere nur auf gesonderte Anforderung (ebenda).

Hinzu kommt die Faustregel, dass ein Stoff nach etwa acht bis zehn Eliminationshalbwertszeiten unter die Nachweisgrenze fällt und die Dauer zwingend von der Empfindlichkeit der Methode und dem Cut-off des Labors abhängt (Mußhoff/Madea, NZV 2008, 485, 487).

Im Fahrerlaubnisverfahren zählt nicht, wie das Strafverfahren endet, sondern allein, ob Besitz oder Konsum feststeht. Maßgeblich sind § 3 Abs. 1 StVG, § 46 Abs. 1 FeV und die Anlage 4 zur Fahrerlaubnis-Verordnung.

Besitz und Konsum: die Trennlinie des Verfahrens

Besitz: Die sichergestellte Sendung begründet widerrechtlichen Besitz. § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV erlaubt daraufhin die Anordnung eines ärztlichen Gutachtens, allerdings nur im Ermessenswege. Sichtbar werden muss, dass die Behörde diesen Spielraum wahrgenommen und genutzt hat; ihre Erwägungen gehören in die Aufforderung selbst (VGH München NJW 2021, 3408). Ein bloßer Verdacht trägt sie nicht. Der Besitz ist konkret festzustellen (VGH München VRS 139, 48 = BeckRS 2020, 22594). Nennt die Aufforderung nach einem 2CB-Fund eine Vorschrift, die zum Anlass nicht passt, hilft der Beitrag zur falschen Rechtsgrundlage in der Gutachtenanordnung weiter.

Und die Zeit spielt mit: Was länger als drei Jahre zurückliegt, trägt eine Anordnung wegen aktueller Einnahme nicht mehr (VG Weimar BA 2021, 119). Bleibt die Aufforderung unbeantwortet, greift § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV, aber nur bei rechtmäßiger Anordnung: Anforderungen an eine MPU-Anordnung.

Die Fahrt unter Wirkung und die Ziffer der Anlage 4

Konsum: Steht die Einnahme fest, verschiebt sich alles. Der Regelfall der Nr. 9.1 der Anlage 4 FeV ist die Ungeeignetheit schon bei einer einzigen Einnahme. Die Höhe der Konzentration bleibt dabei ohne Belang, eine Fahrt ist nicht erforderlich (BVerwG, Beschluss vom 11.4.2019, 3 C 9.18, BeckRS 2019, 19966 Rn. 30). Entzogen wird dann unmittelbar nach § 3 Abs. 1 StVG und § 46 Abs. 1 FeV, und § 11 Abs. 7 FeV erspart der Behörde das Gutachten: Entziehung der Fahrerlaubnis durch die Behoerde.

Zwei Einwände tragen hier besonders weit. Eine abgefangene Sendung belegt keinen Konsum, und der bloße Versuch der Einnahme ist keine Einnahme im Sinne der Nr. 9.1, unabhängig davon, ob er am Eingreifen Dritter scheiterte oder freiwillig aufgegeben wurde (OVG Lüneburg, Beschluss vom 4.7.2017, 12 ME 77/17, BeckRS 2017, 116186). Und für eine direkte Entziehung darf kein vernünftiger Zweifel am Konsum bestehen (OVG Saarlouis zfs 2016, 234).

Die Ausnahme der Vorbemerkung 3

Vorbemerkung 3 der Anlage 4 lautet: Die vorgenommenen Bewertungen gelten für den Regelfall. Kompensationen durch besondere menschliche Veranlagung, durch Gewöhnung, durch besondere Einstellung oder durch besondere Verhaltenssteuerungen und -umstellungen sind möglich.

Bei einem Halluzinogen ohne medizinische Anwendung trägt keine Gewöhnung an 2CB. Was trägt, ist die Verhaltensumstellung: ein belegter Verzicht, ein verändertes Umfeld und eine nachvollziehbare Erklärung dafür, weshalb die Situation, in der konsumiert wurde, nicht wiederkehrt.

Diese Darlegung gehört vor den Bescheid und nicht in den Widerspruch. Später wirkt derselbe Vortrag wie eine Reaktion auf die Entziehung und nicht wie eine Entwicklung, die ihr vorausging.

Ordnungswidrigkeit, Straftat und Entziehung nebeneinander

Die Anlage zu § 24a StVG führt 2CB nicht. Erfasst sind dort abschließend Heroin, Morphin, Cocain, Amfetamin, die Designer-Amfetamine MDA, MDE und MDMA sowie Metamfetamin; für THC gilt § 24a Abs. 1a StVG. Ein Phenethylamin der 2C-Reihe ist keines dieser Mittel.

Damit kommt eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a Abs. 2 StVG nicht in Betracht, und ein Fahrverbot nach dem Bußgeldkatalog scheidet auf diesem Weg aus. § 316 StGB bleibt: Dort genügt die relative Fahruntüchtigkeit, ein Grenzwert der absoluten Fahrunsicherheit existiert für diese Stoffe nicht (BGHSt 44, 219). Bei einem Halluzinogen sind Ausfallerscheinungen allerdings häufig auffällig dokumentiert, Störungen der Wahrnehmung und der Orientierung lassen sich schwer bestreiten. Dann steht § 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB im Raum.

Kommt eine Fahrt hinzu, greift daneben § 24a Abs. 2 StVG. Welche analytischen Grenzwerte dort gelten und woher sie stammen, steht unter Drogenfahrt nach § 24a Abs. 2 StVG. Wie ich das Fahrerlaubnisverfahren führe, habe ich unter Anwalt für Fahrerlaubnisrecht in Bremen zusammengestellt.

Einen absoluten Grenzwert wie die 1,1 Promille beim Alkohol kennt das Betäubungsmittelrecht nicht. Die Fahrunsicherheit muss deshalb über Ausfallerscheinungen belegt werden; dazu relative Fahrunsicherheit und zur Gegenfigur absolute Fahruntüchtigkeit. Welche Testelemente die Polizei für solche Ausfallerscheinungen nach 2CB heranziehen kann und was jedes davon trägt, erklärt der Beitrag zu den einzelnen Elementen des Fahrtüchtigkeitstests.

Ein positiver Vortest ist noch kein Befund. Warum eine negative Blutprobe nach positivem Drogentest kein Widerspruch ist, erklärt sich aus den unterschiedlichen Entscheidungsgrenzen beider Verfahren.

Was die MPU nach einem 2C-B-Verfahren verlangt

Zurück geht es nur über die medizinisch-psychologische Untersuchung. Die Behörde muss sie verlangen, sie darf nicht darauf verzichten (BVerwG NJW 2005, 3081), allerdings erst, wenn die Entziehung endgültig ist; die bloße sofortige Vollziehbarkeit reicht dafür nicht (OVG Greifswald BA 2013, 141).

Das rein ärztliche Gutachten deckt nur die halbe Frage ab. Geprüft wird zusätzlich die innere Haltung: ob der Wandel trägt (BVerwG NJW 2005, 3440). Abstinenzbelege beantworten das nicht (VG Gelsenkirchen BA 2010, 372). Zur Fragestellung: Fragestellung der MPU. Zum Sofortvollzug: Eilantrag nach § 80 Abs. 5 VwGO.

Wie lange Abstinenz belegt sein muss

Eine einheitliche Frist kennen die Beurteilungskriterien nicht. Sie arbeiten mit vier Ausgangslagen, deren Fristen bis zu neun Monate auseinanderliegen, und die Zuordnung trifft der Gutachter am Anfang der Untersuchung. Für 2CB scheidet die Ausgangslage D 4 aus. Welche der übrigen drei greift, entscheidet sich an dem, was die Akte über Häufigkeit und Dauer des Konsums ausweist.

Welche Frist zu welcher Ausgangslage gehört, welche Vorbereitung nach Kriterium C.5.2.4 dazu passt und wer sie nach Kriterium C.5.4.2.1 durchführen darf, steht mit den Fundstellen auf der Seite Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.

Typische Fehler

Der erste Fehler ist die Antwort auf den Anhörungsbogen. Angaben zur Dosierung erlauben den Rückschluss auf die Konsumeinheiten und damit auf die Vorstellung vom Wirkstoffgehalt, genau der Punkt, an dem sich der Vorsatz zur nicht geringen Menge entscheidet: Anhoerungsbogen vom Zoll.

Der zweite Fehler ist, die Mengenangabe des Zolls hinzunehmen. Bei einem Grenzwert von einem Gramm entscheidet der Wirkstoffgehalt über Vergehen oder Verbrechen.

Der dritte Fehler ist der Hinweis, 2CB legal in den Niederlanden bezogen zu haben. Er hilft nicht bei der Strafbarkeit und lenkt von den Punkten ab, die tragen.

Der vierte Fehler ist die Nachbestellung nach der Sicherstellung. Sie macht aus einem Einzelfall eine Serie und beseitigt jede Einstellungsperspektive.

Ein Fall aus meiner Praxis

Der folgende Fall ist anonymisiert und in den Einzelheiten verändert.

Einzelheiten des folgenden Falls sind verändert, der Mandant ist nicht erkennbar.

Ein 26-jähriger Mandant bestellte bei einem Verkäufer in den Niederlanden 1,5 Gramm Pulver, angeboten als 2CB. Der Zoll zog die Sendung, die Einleitungsverfügung ging von einer nicht geringen Menge aus und legte § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG zugrunde, Mindeststrafe zwei Jahre.

Wir haben geschwiegen und die vollständige Analyse abgewartet. Sie ergab einen Wirkstoffgehalt von deutlich unter zwei Dritteln; die reine Wirkstoffmenge lag damit unter einem Gramm. Der Verbrechensvorwurf war nicht zu halten.

Ergänzend haben wir darauf hingewiesen, dass der Grenzwert erst 2022 höchstrichterlich bestimmt wurde und der Mandant von einer Menge im Bereich weniger Konsumeinheiten ausgegangen war. Die Staatsanwaltschaft stellte nach § 153a StPO gegen eine Geldauflage ein.

Die Fahrerlaubnisbehörde ordnete danach ein ärztliches Gutachten an und stützte sich auf angebliche Einnahme. Wir haben eingewandt, dass eine abgefangene Sendung keinen Konsum belegt und für den bloßen Besitz nur die Ermessensanordnung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV in Betracht kommt. Die Anordnung wurde ersetzt, das Gutachten fiel positiv aus.

Häufige Fragen

Ist 2CB legal, wenn es in einem anderen Land verkauft wird?

Nein. In Deutschland steht 2CB in Anlage I zum BtMG. In den Niederlanden unterliegt er seit 1997 dem Opiumgesetz.

Wie viel 2CB ist eine nicht geringe Menge?

Ein Gramm Wirkstoff. Der Bundesgerichtshof hat den Wert im Vergleich mit dem sechzehnmal weniger potenten Mescalin bestimmt.

Wie viele Konsumeinheiten sind das?

Je nach Dosierung zwischen 40 und 200. Die Einzeldosis liegt bei 5 bis 25 Milligramm.

Ist 2C-I dasselbe?

Chemisch verwandt, rechtlich ebenfalls Anlage I. Der Grenzwert ist jedoch gesondert zu bestimmen; die Analyse muss den Stoff eindeutig zuordnen.

Die Sendung ist nie bei mir angekommen. Bin ich trotzdem dran?

Die versuchte Einfuhr ist strafbar. Auf die Strafzumessung wirkt sich der Umstand aus, und je nach Ablauf kommt ein Rücktritt in Betracht.

Was passiert mit meinem Führerschein?

Für eine Entziehung muss Konsum feststehen; eine abgefangene Sendung belegt ihn nicht. Für ein ärztliches Gutachten genügt dagegen der widerrechtliche Besitz.

Gesetzestexte und weiterführende Quellen

Im Volltext: § 29 BtMG im Volltext für den Grundtatbestand, § 29a BtMG im Volltext für Besitz und Handeltreiben in nicht geringer Menge, § 30 BtMG im Volltext für die Einfuhr, § 31a BtMG im Volltext für die Einstellung. Fahrerlaubnisrechtlich § 14 FeV im Volltext, § 11 FeV im Volltext und Anlage 4 zur FeV im Volltext.

Vertiefend: Die nicht geringe Menge im BtMG zur Bestimmung der Grenzwerte und Ablauf nach der Sicherstellung der Sendung zum weiteren Verfahrensgang.

Ausgewertet habe ich für diesen Beitrag den Kommentar von Patzak/Volkmer/Fabricius, dort die Darstellung zu den Phenethylaminen und zur Grenzwertbestimmung bei 2C-B.

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Hat der Zoll eine Sendung mit 2CB einbehalten, sehe ich mir Ihren Fall kostenlos an. Senden Sie mir einfach die Post, die Sie bekommen haben.

Bei einem Grenzwert von einem Gramm entscheidet die Analyse fast allein über den Vorwurf. Solange sie nicht vorliegt, steht in der Akte eine Annahme, und Annahmen lassen sich angreifen.

Rechtsanwalt Björn Schüller, Bremen. Verteidigung in Betäubungsmittel- und Zollstrafverfahren bundesweit.

Wie ein Betäubungsmittelverfahren abläuft, woran es sich entscheidet und wann es eingestellt wird, habe ich gesondert zusammengestellt: Anwalt für BtMG-Verfahren.

Über den Autor

Björn Schüller

ist Rechtsanwalt und Strafverteidiger in Bremen, seit fünfzehn Jahren im Betäubungsmittel-, Cannabis-, Zoll- und Fahrerlaubnisrecht tätig. Verteidigung bundesweit.

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Dipl. Jur. Björn Schüller

Hochspezialisierter Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit über 15 Jahren Erfahrung im Bereich Drogen und Recht.

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Strafverteidiger für Betäubungsmittelrecht Björn Schüller aus Bremen