DMT Zoll

DMT und Ayahuasca-Zutaten vom Zoll beschlagnahmt: Rechtslage, Ablauf und Verteidigung

Ein DMT Zoll-Anhörungsschreiben betrifft längst nicht mehr nur reines, synthetisch hergestelltes Pulver. Immer häufiger geraten auch Bestellungen von Ayahuasca-Zutaten wie Mimosa-hostilis-Wurzelrinde, Psychotria-viridis-Blättern oder fertigen Ayahuasca-Sets beim Zoll ins Visier, weil sie den körpereigenen und pflanzlichen Wirkstoff DMT enthalten. Wer eine solche Sendung ohne gültiges Betäubungsmittelrezept aus dem Ausland bestellt hat und dann vom Hauptzollamt angeschrieben wird, sollte die Angelegenheit keinesfalls unterschätzen. Als Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit Schwerpunkt Betäubungsmittelstrafrecht/Drogen erläutere ich, wie die Rechtslage bei DMT und den daraus gewonnenen Pflanzenzubereitungen aussieht.

DMT Zoll: Der erste Vorwurf nach § 372 AO

Wie bei jeder aus dem Ausland eingeführten Sendung stützt sich das erste Anhörungsschreiben des Hauptzollamts zunächst auf den allgemeinen Auffangtatbestand des § 372 Abgabenordnung (Bannbruch). Diese Vorschrift ist nur ein Platzhalter, bis die Laboranalyse feststellt, um welchen konkreten Stoff es sich handelt und in welcher Konzentration er enthalten ist.

Die rechtliche Einordnung: DMT in Anlage I BtMG

N,N-Dimethyltryptamin, kurz DMT, ist individuell in Anlage I des Betäubungsmittelgesetzes gelistet – als nicht verkehrsfähiges Betäubungsmittel besteht keinerlei legale Bezugsmöglichkeit, auch nicht auf Rezept. Der Besitz beziehungsweise Erwerb ist unabhängig von der Menge nach § 29 Abs. 1 Nr. 3 BtMG strafbar. Auch der nahe chemische Verwandte 5-Methoxy-DMT (5-MeO-DMT), der unter anderem im Sekret bestimmter Krötenarten vorkommt und in Fachforen oft im selben Atemzug genannt wird, ist eigenständig in Anlage I BtMG gelistet und unterliegt derselben strengen Rechtsfolge.

Pflanze oder Wirkstoff? Die Besonderheit bei Ayahuasca-Zutaten

Anders als etwa Salvia divinorum, die als eigene Pflanzenart individuell in Anlage I BtMG aufgeführt ist, sind Mimosa hostilis, Psychotria viridis und die als MAO-Hemmer verwendete Liane Banisteriopsis caapi als solche nicht namentlich gelistet. Strafbar ist der Umgang mit ihnen trotzdem, weil sie den kontrollierten Wirkstoff DMT enthalten – nicht weil die Pflanzenart selbst als Betäubungsmittel geführt wird. Diese Unterscheidung ist mehr als akademisch: Sie bedeutet, dass die Laboranalyse den tatsächlichen DMT-Gehalt der konkreten Sendung nachweisen muss, was je nach Pflanzenteil, Herkunft und Zubereitungsart erheblich schwanken kann.

Nicht geringe Menge: ein Orientierungswert, aber keine gesicherte Rechtsprechung

Das LG Frankenthal hat 2012 einen Grenzwert von 3,6 Gramm DMT-Base für die „nicht geringe Menge“ angenommen, in Anlehnung an die Vergleichswerte bei LSD. Eine höchstrichterliche Bestätigung durch den Bundesgerichtshof steht bislang aus, sodass dieser Wert in der Praxis als Orientierung dient, aber nicht als gesicherte Grenze gelten darf. Diese Unsicherheit sollte bei jeder konkreten Falleinschätzung transparent benannt werden.

Wie läuft ein DMT Zoll-Verfahren ab?

Der äußere Ablauf eines DMT Zoll-Verfahrens gleicht dem bei anderen Betäubungsmitteldelikten: Sicherstellung durch den Zoll, Laboranalyse zur exakten Bestimmung von Wirkstoff und Konzentration, Weiterleitung an die Staatsanwaltschaft, Anhörungsschreiben mit Vorladung und häufig einem Personalbogen. Bei kleinen, nachgewiesenen Eigenbedarfsmengen kommt grundsätzlich eine Einstellung nach § 31a BtMG in Betracht.

Praxisbeispiel

In einem typischen DMT Zoll-Fall hatte ein Mandant ein fertiges Ayahuasca-Set mit getrockneter Mimosa-hostilis-Wurzelrinde und Banisteriopsis-caapi-Liane bei einem ausländischen Online-Shop bestellt, im Glauben, es handele sich um ein rein pflanzliches, rechtlich unbedenkliches Produkt für ein spirituelles Ritual. Nach Akteneinsicht ließ sich eine reine Eigenbedarfsmenge belegen; das Verfahren wurde nach § 31a BtMG eingestellt.

In einem anderen Fall bestellte ein Mandant reines DMT-Pulver bei einem als „Research Chemicals“-Anbieter auftretenden Shop. Mangels Finanztransaktionsermittlungen ließ sich nicht abschließend klären, ob der Mandant die Bestellung tatsächlich selbst vorgenommen hatte, sodass das Verfahren eingestellt wurde.

Typische Fehler nach dem Anhörungsschreiben

Viele Betroffene gehen davon aus, eine Bestellung von Ayahuasca-Zutaten sei unproblematisch, weil es sich „nur“ um getrocknete Pflanzenteile für ein spirituelles Ritual handele. Das übersieht, dass das deutsche Betäubungsmittelrecht anders als in einigen anderen Ländern keine allgemeine Ausnahme für religiöse oder spirituelle Nutzung kennt. Ebenso riskant ist es, sich gegenüber dem Zoll unbedacht zu Bestellhäufigkeit, Verwendungszweck oder Bezugsquelle zu äußern, bevor anwaltliche Akteneinsicht stattgefunden hat.

Ansatzpunkte für die Verteidigung

Der Name auf dem Paket beweist allein keine Bestellung. Mangels Finanztransaktionsermittlungen lässt sich häufig nicht nachweisen, dass der Adressat die Bestellung tatsächlich selbst vorgenommen hat – mit der möglichen Folge einer Einstellung mangels hinreichenden Tatverdachts nach § 170 Abs. 2 StPO. Bei kleinen, nachgewiesenen Eigenbedarfsmengen sollte zusätzlich eine Einstellung nach § 31a BtMG geprüft werden.

Bei Pflanzenmaterial kommt als zusätzlicher Ansatzpunkt hinzu, dass der genaue DMT-Gehalt labortechnisch nachgewiesen werden muss – schwankende Wirkstoffkonzentrationen in Wurzelrinde oder Blättern können die Frage der „nicht geringen Menge“ erheblich beeinflussen und sollten in der Ermittlungsakte genau geprüft werden.

Was bedeutet das für die Fahrerlaubnis?

Da DMT ein Betäubungsmittel der Anlage I BtMG ist, greift grundsätzlich die reguläre fahrerlaubnisrechtliche Kausalkette: Steht der Besitz fest, führt das regelmäßig zur Anordnung eines ärztlichen Gutachtens nach § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV. Diese Anordnung selbst lässt sich in Zollfällen meist nur vermeiden, wenn das Ermittlungsverfahren nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt wird, bevor die Fahrerlaubnisbehörde davon Kenntnis erlangt.

Wird das Gutachten dennoch angeordnet und weist es einen fortbestehenden Konsum nach, fehlt die Eignung nach Anlage 4 Nr. 9.1 FeV und die Fahrerlaubnis wird entzogen. Mit guter anwaltlicher Vorbereitung, etwa durch den Nachweis einer belastbaren Abstinenz, bestehen aber regelmäßig gute Chancen, ein angeordnetes Gutachten dennoch zu bestehen. In der Substanzliste des § 24a StVG ist DMT nicht ausdrücklich erfasst; bei nachgewiesener Fahruntüchtigkeit kommen allenfalls die allgemeinen Straftatbestände der §§ 315c, 316 StGB in Betracht.

Häufige Fragen

Was passiert nach einem DMT Zoll-Anhörungsschreiben als Erstes? Der Zoll leitet die sichergestellte Sendung zur Laboranalyse weiter, die den enthaltenen Wirkstoff und bei Pflanzenmaterial zusätzlich dessen Konzentration bestimmt. Betroffene erhalten in aller Regel ein schriftliches Anhörungsschreiben mit Vorladung, bevor über das weitere Vorgehen entschieden wird.

Ist reines DMT-Pulver ein Betäubungsmittel im Sinne des BtMG? Ja. DMT ist individuell in Anlage I BtMG gelistet, der Besitz ist unabhängig von der Menge nach § 29 Abs. 1 Nr. 3 BtMG strafbar.

Sind Ayahuasca-Zutaten wie Mimosa hostilis legal, weil es sich um Pflanzen handelt? Nein. Die Pflanzen selbst sind zwar nicht individuell im BtMG gelistet, der Umgang mit ihnen ist aber strafbar, weil sie den kontrollierten Wirkstoff DMT enthalten.

Gibt es einen festen Grenzwert für die nicht geringe Menge? Das LG Frankenthal hat 2012 einen Orientierungswert von 3,6 Gramm DMT-Base angenommen. Eine höchstrichterliche Bestätigung durch den BGH steht bislang aus.

Was gilt für 5-MeO-DMT? 5-MeO-DMT ist ebenfalls eigenständig in Anlage I BtMG gelistet und unterliegt derselben Rechtsfolge wie DMT selbst.

Bin ich wegen religiöser Nutzung ausgenommen? Nein. Das deutsche Betäubungsmittelrecht kennt keine allgemeine Ausnahme für spirituelle oder religiöse Verwendung, wie sie in einigen anderen Ländern diskutiert wird.

Drohen mir Konsequenzen für die Fahrerlaubnis? Ja. Bereits der Besitz führt regelmäßig zur Anordnung eines ärztlichen Gutachtens nach § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV, vermeidbar meist nur durch eine Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO. Wird das Gutachten dennoch angeordnet, bestehen mit guter anwaltlicher Vorbereitung aber regelmäßig gute Chancen, es zu bestehen und die Fahrerlaubnis zu behalten.

Fazit

DMT und die daraus gewonnenen Ayahuasca-Zutaten zeigen, dass es beim Betäubungsmittelstrafrecht nicht auf die äußere Form ankommt, sondern auf den enthaltenen Wirkstoff: Ob reines synthetisches Pulver oder getrocknete Pflanzenrinde – maßgeblich ist allein der nachgewiesene DMT-Gehalt. Wer ein DMT Zoll-Anhörungsschreiben erhalten hat, sollte deshalb frühzeitig anwaltliche Akteneinsicht beantragen, um die genaue stoffliche Einordnung und die zutreffende Rechtsgrundlage klären zu lassen. Bei Rückfragen zum Thema kontaktieren Sie mich gerne.

Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Einordnung und ersetzt keine Beratung im konkreten Einzelfall. Der genaue DMT-Gehalt einer Sendung sowie die daraus folgende rechtliche Bewertung hängen maßgeblich vom Ergebnis der Laboranalyse ab und sollten anwaltlich anhand der Ermittlungsakte geprüft werden. Stand: Juli 2026.

Bild von Dipl. Jur. Björn Schüller

Dipl. Jur. Björn Schüller

Hochspezialisierter Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit über 15 Jahren Erfahrung im Drogenstrafrecht.

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