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Woran erkenne ich einen unseriösen MPU-Vorbereiter? Die Warnzeichen im Einzelnen
Ein unseriöser MPU-Vorbereiter kann sich schon vor der ersten Sitzung verraten: Er nennt keinen Verkehrspsychologen mit Namen und Abschluss, er verspricht eine Erfolgsquote oder eine Betreuung „bis zum Bestehen“, und eine Eingangsdiagnostik ist nicht vorgesehen. Jedes dieser Merkmale findet sich als Kontraindikator oder als berufsethische Grenze in Kapitel C.5 der Beurteilungskriterien (5. Aufl. 2026).
Als Björn Schüller, Rechtsanwalt in Bremen, vertrete ich bundesweit Betroffene im Fahrerlaubnisrecht und gegenüber Anbietern aus dem Vorbereitungsmarkt. Bei jedem Angebot prüfe ich zuerst, ob der Gutachter die Maßnahme überhaupt zugunsten des Betroffenen werten kann. Die Checkliste unten verbindet jedes Warnzeichen mit der Stelle, aus der es folgt. Den Überblick über die gesamte Rubrik bietet die Seite zum Betrug durch MPU-Berater.
Die wichtigsten Punkte
- Über § 11 Abs. 5 FeV und Nr. 1 Buchst. c der Anlage 4a ist die Begutachtung an wissenschaftlich anerkannte Grundsätze gebunden, und für die Vorbereitung beschreiben die FFI-Kriterien der Beurteilungskriterien diese Grundsätze.
- Abschnitt C.5.1.2 der Beurteilungskriterien erfasst als fahreignungsfördernde Intervention nur die Arbeit von Verkehrspsychologen oder qualifizierten Suchttherapeuten; nennt ein Angebot keine solche Person, ist das ein erstes Warnzeichen.
- Nach Abschnitt C.5.5.1 der Beurteilungskriterien gehören Erfolgsversprechen, „Rundum-Sorglos-Pakete“ und Geld-zurück-Garantien nicht in ein fachgerechtes Angebot, und FFI 2 wertet das „Pauschalangebot bis zum Erfolg“ als Kontraindikator.
- FFI 1 der Beurteilungskriterien sieht einen Kontraindikator darin, dass Teilnehmer ohne qualifizierte Diagnostik aufgenommen werden oder ihre Selbsteinschätzung ungeprüft übernommen wird.
- Abschnitt C.5.5.2 der Beurteilungskriterien behält die Übernahme formaler und rechtlicher Vorgänge der anwaltlichen Vertretung vor.
- Eine vorformulierte „Verzichtserklärung“ auf das Widerrufsrecht, wie sie in Verträgen unseriöser MPU-Vorbereiter auftaucht, ändert wegen § 361 Abs. 2 Satz 1 BGB nichts am Widerrufsrecht des Verbrauchers.
- Eine Vorbereitung ohne psychologische Qualifikation ist nach Abschnitt C.5.3 der Beurteilungskriterien nicht verboten, und die MPU lässt sich auch ganz ohne Vorbereitung bestehen.
Inhaltsverzeichnis
- Woran ein unseriöser MPU-Vorbereiter zu messen ist
- Kein Verkehrspsychologe mit Namen und Abschluss
- Erfolgsquote, Garantie und Laufzeit bis zum Bestehen
- Warum ein unseriöser MPU-Vorbereiter auf Diagnostik verzichtet
- Kompakte Blöcke statt mehrwöchiger Arbeit
- Skripte zum Auswendiglernen und Testtraining
- Abstinenzkontrollen aus derselben Hand
- Korrespondenz mit der Behörde und die MPU im Paketpreis
- Wie ein unseriöser MPU-Vorbereiter den Vertrag zustande bringt
- Die vorformulierte Verzichtserklärung
- Bescheinigung erst nach Zahlung oder ohne Inhalt
- Die Warnzeichen in der Übersicht
- Was ein qualifiziertes Angebot erkennen lässt
- Wenn die Warnzeichen erst nach der Unterschrift auffallen
- Was die Gerichte daraus machen: ein Fall
- Fragen von Betroffenen
- Fundstellen und Gesetzestexte
- Kostenlose Prüfung Ihres Falls
Woran ein unseriöser MPU-Vorbereiter zu messen ist
Ob ein Anbieter als unseriöser MPU-Vorbereiter gelten muss, ist keine Stilfrage. Den Maßstab liefert die Fahrerlaubnis-Verordnung selbst: § 11 Abs. 5 FeV erklärt für Untersuchung und Gutachten die Grundsätze der Anlage 4a für maßgeblich, und deren Nr. 1 Buchst. c bindet die Untersuchung an wissenschaftlich anerkannte Grundsätze. Diesen Stand fassen die Beurteilungskriterien der beiden Fachgesellschaften für Verkehrspsychologie und Verkehrsmedizin zusammen. Rechtlich binden sie nicht; die Kommentierung lässt aber eine Vermutung dafür sprechen, dass sie den Stand der Wissenschaft treffen (Hentschel/König, StVR, 48. Aufl., § 11 FeV Rn. 20a, dort noch zur 4. Aufl. 2022).
Missachtet ein Gutachten die Grundsätze der Anlage 4a, darf die Behörde es nicht verwerten (Hentschel/König, a. a. O., § 11 FeV Rn. 41). Die vollständige Herleitung steht auf der Seite zur MPU-Vorbereitung durch einen Verkehrspsychologen.
Kapitel C.5 soll nach Abschnitt C.5.1.1 auch Verbrauchern als Orientierungsschema dienen. Wer wissen will, ob ihm ein unseriöser MPU-Vorbereiter gegenübersitzt, findet dort die Kontraindikatoren, die die folgenden Warnzeichen auf den Moment vor der Unterschrift übertragen.
Zwei Klarstellungen gehören dazu. Erstens ist eine Vorbereitung ohne psychologische Qualifikation erlaubt; nach Abschnitt C.5.3 brauchen solche Interventionen keine staatliche Anerkennung. Zweitens ist die MPU auch ohne Vorbereitung zu bestehen, denn nach Abschnitt C.5.1.2 a. E. ordnet der Gutachter auch Veränderungen ohne fachliche Hilfe, etwa durch Fachlektüre, in die Gesamtentwicklung ein. Es kommt auf die tatsächliche Veränderung an. Warum eine erlaubte Leistung dennoch wertlos sein kann, behandelt die Seite MPU-Berater ohne Qualifikation.
Kein Verkehrspsychologe mit Namen und Abschluss
Das stärkste Warnzeichen ist die fehlende Person. Abschnitt C.5.1.2 bezeichnet fahreignungsfördernde Interventionen als theoriegeleitete und evidenzbasierte Arbeit von Verkehrspsychologen oder qualifizierten Suchttherapeuten. Sonstige Angebote mögen einzelne Aspekte günstig beeinflussen, können nach derselben Stelle aber nicht beanspruchen, die Fahreignungsproblematik insgesamt zu bearbeiten. Weicht ein Anbieter der einfachen Frage aus, wer die Sitzungen leitet und welchen Abschluss diese Person hat, ist das bereits ein deutliches Warnzeichen.
Welche Kompetenz gemeint ist, sagt Abschnitt C.5.4.2.1: ein Diplom- oder gleichwertiger Masterabschluss in Psychologie und dazu eine verkehrspsychologische Fortbildung. Geht es um eine Substanzgebrauchsstörung, reichen auch suchttherapeutisch fortgebildete Psychologen oder suchtmedizinisch qualifizierte Ärzte, allerdings nur an einer Suchthilfeeinrichtung. Sozialarbeiter und Sozialpädagogen lässt Abschnitt C.5.4.2.2 nur bei rein substanzbedingten Zweifeln und unter vier weiteren Bedingungen zu. Auf diese Qualifikationen wird ein unseriöser MPU-Vorbereiter kaum verweisen können.
Titel wie „psychologischer Berater“ oder „Fachberater“ sind nicht geschützt; gerade deshalb tauchen sie in der Werbung unseriöser MPU-Vorbereiter so häufig auf. Strafrechtlich bleibt beachtlich, dass auch scheinbare Werturteile wie die Bezeichnung als „erfahrener“ Berater einen Tatsachenkern tragen können und eine besondere Beurteilungskompetenz als Tatsache miterklärt sein kann (Fischer, StGB, 73. Aufl., § 263 Rn. 10; zur miterklärten Beurteilungskompetenz BGHSt 34, 199 (201)). Wie man die Qualifikation abfragt, zeigt die Seite Verkehrspsychologen finden.
Ein einfacher Test ergibt sich aus FFI 4: Die spätere Bescheinigung muss alle Beteiligten namentlich und mit ihrer beruflichen Qualifikation nennen. Wer das im Erstgespräch nicht kann, wird es am Ende nicht bescheinigen. Bei der Hypothese A 2.7 N (kontrolliertes Trinken) nennen die Beurteilungskriterien den sogenannten „MPU-Berater“ sogar ausdrücklich als Beispiel einer nicht einschlägig qualifizierten Berufsgruppe.
Erfolgsquote, Garantie und Laufzeit bis zum Bestehen
Das zweite Warnzeichen ist das Versprechen. Abschnitt C.5.5.1 überträgt die berufsethischen Richtlinien der Psychologen auf die Vorbereitung: Das Angebot ist sachlich darzustellen, ohne Erfolgsversprechen im Sinne von „Rundum-Sorglos-Paketen“ und ohne Erfolgs- oder Geld-zurück-Garantie. Ein unseriöser MPU-Vorbereiter wirbt dagegen gern mit bezifferten Quoten, Teilnehmerzahlen oder einer „Weiterschulungsgarantie“.
In FFI 2 erscheint das „Pauschalangebot bis zum Erfolg“ als Kontraindikator, weil der Anbieter dann an einer schnellen „Erledigung“ interessiert ist; dasselbe gilt für das „Rundum-Sorglos-Paket“ mit organisatorischer Unterstützung und dem Versprechen des Bestehens. Eine Laufzeit „bis zum Bestehen“, wie sie Verträge unseriöser MPU-Vorbereiter enthalten, ist daher kein Service. Sie entwertet die Maßnahme aus fachlicher Sicht.
Abschnitt C.5.5.1 nennt noch ein weiteres Werbemuster, nämlich die vorweggenommene Auslegung prognostisch wichtiger Anforderungen. Das Beispiel dort ist die Zusage, nach einer Drogenauffälligkeit genüge ein halbjähriges Kontrollprogramm. Werbesätze unseriöser MPU-Vorbereiter wie „ohne lange Abstinenznachweise“ gehören in diese Reihe; wie lange eine Abstinenz zu belegen ist, entscheidet nicht der Werbetext. Die Interessenlage hinter solchen Paketen vertieft die Seite zum Interessenkonflikt des MPU-Vorbereiters.
Warum ein unseriöser MPU-Vorbereiter auf Diagnostik verzichtet
Fachgerechte Arbeit beginnt mit einer Diagnose. FFI 1 verlangt, dass ein Psychologe mit Hochschulabschluss und verkehrspsychologischer Fortbildung die Fahreignungsproblematik diagnostisch eingeordnet hat. Als Kontraindikatoren listet die Tabelle unter anderem die Aufnahme ohne qualifizierte Diagnostik, die Eignungsbeurteilung durch eine fachlich nicht qualifizierte Person und eine Diagnostik, die sich auf einzelne Daten wie die Blutalkoholkonzentration beschränkt. Wo qualifiziertes Personal fehlt, kann ein unseriöser MPU-Vorbereiter diese Diagnostik gar nicht leisten.
Aufschlussreich ist der Kontraindikator der ungeprüft übernommenen Selbsteinordnung, illustriert mit dem Satz „Ich muss zwölf Monate abstinent bleiben“. Abschnitt C.5.5.2 verlangt umgekehrt, dass die Maßnahme „erkennbar auf einer im Konsens getroffenen Zielvereinbarung fußen“ muss. Das Schrifttum hält dieselbe Reihenfolge fest: erst die Ausgangslage erfassen, dann intervenieren; Fragenkataloge auswendig zu lernen, genügt nicht (Müller/Rebler/Kranich, Klärung von Eignungszweifeln im Fahrerlaubnisrecht, 3. Aufl. 2025, Rn. 110). Termine ohne vorherige Aktendurchsicht sind deshalb ein deutliches Warnzeichen unseriöser MPU-Vorbereiter.
Kompakte Blöcke statt mehrwöchiger Arbeit
Veränderung braucht Zeit. Nach Abschnitt C.5.4.1 soll eine Maßnahme mehrere Wochen laufen, damit die Abstände zwischen den Sitzungen zum Erproben und Korrigieren genutzt werden können. FFI 2 nennt als Kontraindikatoren den kompakten „Crashkurs“ ohne Erprobungsphasen und die Inanspruchnahme erst kurz vor der Begutachtung.
Verbreitet sind Blocktermine von jeweils über zwei Stunden, teils mehrere an einem Tag. Verboten ist das nicht, es entspricht aber nicht dem Zuschnitt der Kriterien, und gerade hier setzt das Geschäftsmodell unseriöser MPU-Vorbereiter an. Dauer, Gerichtspraxis und Fristen behandelt die Seite zum Crashkurs vor der MPU.
Skripte zum Auswendiglernen und Testtraining
FFI 2 wertet es als Kontraindikator, wenn die Maßnahme nicht der Aufarbeitung dient, sondern nur Methoden zum „Bestehen“ vermittelt, etwa fiktive biografische Skripte, auswendig gelernte Fragenkataloge oder sich bei allen Klienten wiederholende Einsichtsnarrative. Abschnitt C.5.5.2 ergänzt, dass Kunden nicht auf vermeintlich erwartete Erwiderungen trainiert und keine „redaktionellen Leistungen“ wie erfundene Fallbiografien angeboten werden. Ein Skript mit Gutachterfragen und Musterformulierungen in der Ich-Form ist daher ein klares Merkmal unseriöser MPU-Vorbereiter.
Das Schrifttum beschreibt das Muster deutlich: Bei manchen Anbietern bestehe die Vorbereitung nur aus einer Art Trainingsprogramm, in dem wohlfeile Sätze und „Geschichten“ auswendig gelernt werden (Müller/Rebler/Kranich, a. a. O., im Abschnitt zu den fahreignungsfördernden Interventionen). Daraus folgt nicht, dass jeder, der ein solches Skript bekommen hat, zwangsläufig ein negatives Gutachten erhält. Der Gutachter würdigt das Gespräch insgesamt, und wer sich wirklich verändert hat, kann das auch darstellen.
Ebenso klar sind die Kriterien beim Testtraining. FFI 2 nennt Testtrainings mit psychologischen Leistungstestverfahren als Kontraindikator, und Abschnitt C.5.5.1 zählt das probeweise Einüben von Leistungstests sowie Tipps zum „richtigen“ Ausfüllen von Fragebögen zur unzulässigen Interessenübernahme. Eine „Übung für den Reaktionstest“ im Leistungsverzeichnis ist ein Merkmal, an dem sich ein unseriöser MPU-Vorbereiter erkennen lässt.
Abstinenzkontrollen aus derselben Hand
Nach Abschnitt C.5.5.1 darf das Leistungsangebot Abstinenzkontrollprogramme weder vermitteln noch selbst durchführen, und FFI 2 wiederholt das als Kontraindikator. Der Grund ist der Interessenkonflikt: Wer an Kontrolle und Beratung zugleich verdient, steht nicht neutral zwischen Klient und Gutachter.
Verbindet ein unseriöser MPU-Vorbereiter Beratung und Vermittlung von Abstinenzkontrollen zu einem Paket, liegt genau dieser Konflikt vor. Die Abstinenzbelege müssen ohnehin den Anforderungen der Hypothese CTU der Beurteilungskriterien genügen, gleich wer sie vermittelt hat.
Korrespondenz mit der Behörde und die MPU im Paketpreis
Abschnitt C.5.5.2 zählt die Grundsätze auf, ohne die Diagnostik und Intervention nicht „lege artis“ ablaufen. Formale oder rechtliche Vorgänge übernimmt der Durchführende nicht, denn dies ist „einer anwaltlichen Vertretung vorbehalten“. Er nimmt von sich aus keinen Kontakt zum Gutachter auf und begleitet den Klienten nicht am Untersuchungstag. Abschnitt C.5.5.1 lässt dem Klienten außerdem die freie Wahl der Begutachtungsstelle.
Bietet ein unseriöser MPU-Vorbereiter dennoch „Unterstützung bei der Korrespondenz mit der Führerscheinbehörde“ an oder lässt er sich eine Schweigepflichtentbindung unterschreiben, um die Führerscheinangelegenheit zu „regeln“, liegt ein doppeltes Warnzeichen vor. Fachlich widerspricht das C.5.5.2, praktisch gelangen Gesundheitsdaten an eine Stelle, die sie nicht braucht. Am Ende von C.5.5.2 heißt es, dass solche Einflussversuche bei sogenannten MPU-Vorbereitern ohne standesrechtliche Bindung häufiger vorkommen.
Wirbt ein unseriöser MPU-Vorbereiter damit, die MPU sei im Preis enthalten, lohnt der Blick in die Anlagen der FeV. Anlage 14 Abs. 2 Nr. 6 FeV untersagt dem Träger einer Begutachtungsstelle, selbst Maßnahmen zur Vorbereitung auf die Begutachtung anzubieten (Hentschel/König, a. a. O., § 66 FeV Rn. 15). Nr. 5 der Anlage 4a schließt vom Begutachten aus, wer Personen vorbereitet oder mit solchen Unternehmen vertraglich verbunden ist. Vorbereitung und Begutachtung aus einer Hand gibt es also nicht.
Wie ein unseriöser MPU-Vorbereiter den Vertrag zustande bringt
Manche Warnzeichen zeigen sich erst im Ablauf. Ein verbreitetes Muster führt vom Vergleichsportal über einen Rückruf und ein Angebot per Messenger zum Link auf einen Signaturdienst. Der mehrseitige Vertrag ist in wenigen Minuten unterschrieben, oft mitsamt Ratenvereinbarung, Schweigepflichtentbindung und schon eingetragenen Terminen.
Ein solcher Vertrag ist regelmäßig ein Fernabsatzvertrag, weil Verhandlung und Abschluss ausschließlich über Fernkommunikationsmittel laufen (§ 312c Abs. 1 BGB); Abs. 2 nennt Telefonanrufe, E-Mails und Kurznachrichten ausdrücklich. Die besondere Schutzbedürftigkeit folgt daraus, dass der Verbraucher weder den Vertragspartner noch das Produkt sieht (Grüneberg, BGB, 85. Aufl., § 312c Rn. 1, mit BGH NJW 2004, 3699).
Das eigentliche Warnzeichen ist der Zeitdruck. Wer noch im Telefonat unterschreiben soll, kann weder Qualifikation noch Leistungsumfang prüfen. Ein seriöser Anbieter lässt Bedenkzeit, beantwortet Rückfragen schriftlich und nennt die Person, die die Maßnahme durchführt. Ein unseriöser MPU-Vorbereiter setzt auf die Unterschrift im ersten Kontakt.
Die vorformulierte Verzichtserklärung
Zu den Merkmalen unseriöser MPU-Vorbereiter zählt auch die vorformulierte „Verzichtserklärung“ auf das Widerrufsrecht, oft verbunden mit vorangekreuzten Kästchen für den vorzeitigen Beginn. § 361 Abs. 2 Satz 1 BGB verbietet Abweichungen von den Widerrufsvorschriften zum Nachteil des Verbrauchers. Ein Formularverzicht lässt das Widerrufsrecht deshalb unberührt.
Bei entgeltlichen Dienstleistungen erlischt das Widerrufsrecht nach § 356 Abs. 5 BGB nur unter engen Voraussetzungen, unter anderem nach ausdrücklicher Zustimmung zum vorzeitigen Beginn und Bestätigung der Kenntnis vom Rechtsverlust. Verlegt ein unseriöser MPU-Vorbereiter diese Bestätigung in seine Geschäftsbedingungen, verstößt die Klausel gegen § 361 Abs. 2 Satz 1 und § 307 BGB (BGH NJW 2021, 2885, bei Grüneberg, a. a. O., § 356, zur früheren Absatzzählung). Auch das Leistungsverlangen, das § 357a Abs. 2 BGB für den Wertersatz voraussetzt, lässt sich in AGB nicht fingieren (Grüneberg, a. a. O., § 357a).
Zur Belehrung gehört das Muster-Widerrufsformular; der Hinweis auf eine Bezugsquelle reicht nicht, der Unternehmer muss es zur Verfügung stellen (Grüneberg, a. a. O., EGBGB Art. 246a § 1 Rn. 9, mit BGH NJW-RR 2021, 177). Ist der Fristbeginn streitig, trägt nach § 361 Abs. 3 BGB der Unternehmer die Beweislast. Fristen und Folgen erläutert die Seite MPU-Vertrag widerrufen.
Bescheinigung erst nach Zahlung oder ohne Inhalt
Aus der Vorbereitung gelangt nur die Bescheinigung in die Begutachtung. Nach Abschnitt C.5.5.3 soll sie die vereinbarten Ziele und bearbeiteten Bereiche sowie alle Durchführenden samt Qualifikation und Arbeitsanteil ausweisen. FFI 4 fordert zusätzlich das Ergebnis der Eingangsdiagnostik, Zeitraum, Zahl der Sitzungen, Dauer in Zeitstunden, Ort und die Unterscheidung von Einzel- und Gruppensitzungen.
Daraus ergeben sich zwei Warnzeichen. Das eine ist die Klausel, nach der das Zertifikat erst nach vollständiger Zahlung herausgegeben wird; ein unseriöser MPU-Vorbereiter macht die Bescheinigung so zum Druckmittel. Das andere ist die inhaltsleere Bescheinigung. FFI 4 nennt als Kontraindikatoren etwa, dass sie das Ergebnis der Begutachtung vorwegnimmt oder den Klienten distanzlos lobt. Bei Bescheinigungen unseriöser MPU-Vorbereiter lohnt deshalb der Abgleich mit FFI 4 Punkt für Punkt.
Das Schrifttum kritisiert pauschale Bescheinigungen, aus denen weder Anlass noch Umfang oder Ziele hervorgehen (Müller/Rebler/Kranich, a. a. O., Rn. 111), und verlangt das Original mit eigenhändiger Unterschrift (a. a. O., Rn. 113). Im Strafverfahren genügt ein bloß pauschal gehaltenes Teilnahmezertifikat ebenfalls nicht (LG Fulda SVR 2018, 115, wiedergegeben bei Hentschel/König, a. a. O., § 69a StGB Rn. 14).
Die Warnzeichen in der Übersicht
Die Tabelle stellt die Warnzeichen unseriöser MPU-Vorbereiter neben ihre Fundstelle. Sie ersetzt keine Einzelfallprüfung, macht aber jedes Merkmal überprüfbar.
| Warnzeichen | Fundstelle | Vor der Unterschrift klären |
|---|---|---|
| Kein benannter Verkehrspsychologe | BK C.5.1.2, C.5.4.2.1, FFI 4 | Name, Psychologiestudium, verkehrspsychologische Fortbildung |
| Quote, Garantie, Laufzeit bis zum Bestehen | BK C.5.5.1, FFI 2 | Verspricht der Vertrag ein Ergebnis oder beschreibt er eine Leistung? |
| Keine Eingangsdiagnostik | BK FFI 1, C.5.5.2 | Wer stellt die Diagnose, gibt es eine Zielvereinbarung? |
| Crashkurs in wenigen Tagen | BK C.5.4.1, FFI 2 | Gesamtdauer in Wochen, Abstand der Sitzungen |
| Skripte, Fragenkataloge, Testtraining | BK FFI 2, C.5.5.1, C.5.5.2 | Aufarbeitung oder Einüben von Formulierungen? |
| Abstinenzkontrollen aus einer Hand | BK C.5.5.1, FFI 2 | Wirtschaftliche Verbindung zum Labor |
| Korrespondenz mit der Behörde | BK C.5.5.2 | Reichweite von Vollmacht und Schweigepflichtentbindung |
| MPU im Paketpreis | Anl. 14 Abs. 2 Nr. 6, Anl. 4a Nr. 5 FeV | Wer wählt und beauftragt die Begutachtungsstelle? |
| Unterschrift im ersten Telefonat | § 312c BGB | Bedenkzeit, schriftliches Angebot, Formular |
| Verzicht auf den Widerruf | § 361 Abs. 2 Satz 1 BGB | Vorangekreuzte Kästchen nicht übernehmen |
| Zertifikat erst nach Zahlung | BK C.5.5.3, FFI 4 | Inhalt der Bescheinigung, Zurückbehaltungsklausel |
Was ein qualifiziertes Angebot erkennen lässt
Das Gegenbild zeichnet Abschnitt C.5.5.1: Transparenzfördernd könne eine Konformitätserklärung wirken, in der der Anbieter bestätigt, dass der Verkehrspsychologe keinen Weisungen Dritter folgt, kein Garantieversprechen gibt, keine Abstinenzprogramme vermittelt, transparent abrechnet und die Maßnahme nach der Hypothese FFI dokumentiert. Wer diese Punkte schriftlich zusichert, ist erkennbar kein unseriöser MPU-Vorbereiter.
Gesetzlich geregelt ist die Qualifikation nur in Teilbereichen, etwa für die verkehrspsychologische Beratung in der Probezeit, für die § 71 Abs. 2 FeV unter anderem ein abgeschlossenes Psychologiestudium und eine verkehrspsychologische Ausbildung verlangt, oder für die nach § 70 FeV anerkannten Kurse. Die freie Vorbereitung nennt das Schrifttum einen ungeregelten Bereich (Müller/Rebler/Kranich, a. a. O.). Schon der 52. Verkehrsgerichtstag 2014 forderte dort eine gesetzliche Qualifikationsregel, damit Betroffene seriöse Anbieter leichter finden (zitiert ebenda); der 63. Verkehrsgerichtstag empfahl Positivlisten (Beurteilungskriterien, Abschnitt C.5.1.1). Bis dahin bleibt nur die eigene Prüfung, ob ein unseriöser MPU-Vorbereiter am Werk ist.
Wenn die Warnzeichen erst nach der Unterschrift auffallen
Oft fallen die Merkmale unseriöser MPU-Vorbereiter erst auf, wenn die Sitzungen laufen. Dann gilt eine feste Reihenfolge. Vorrang haben die Fristen der Fahrerlaubnisbehörde, denn die Frist zur Beibringung des Gutachtens läuft unabhängig vom Streit mit dem Anbieter. Danach sind Vertrag, Werbung, Chatverläufe, Terminbestätigungen und Zahlungsbelege vollständig zu sichern.
Zivilrechtlich kommen je nach Lage Widerruf, Anfechtung wegen arglistiger Täuschung und Rückforderung des Honorars in Betracht; auf bestrittene Forderungen sollte nicht ungeprüft gezahlt werden. Die Wege beschreibt die Seite MPU-Vorbereitung: Geld zurück. Ob § 263 StGB erfüllt ist, lässt sich nur anhand von Täuschung, Irrtum, Vermögensverfügung und Vermögensschaden im Einzelfall prüfen. Auch wer als unseriöser MPU-Vorbereiter auftritt, ist nicht schon deshalb ein Betrüger; Warnzeichen allein begründen keinen Betrugsvorwurf.
Für die MPU zählt, ob die bisherige Maßnahme etwas Verwertbares hinterlassen hat. Nach meiner Einschätzung ist es meist sinnvoller, die verbleibende Zeit in eine qualifizierte Maßnahme mit Eingangsdiagnostik zu investieren, als auf eine Bescheinigung zu setzen, die FFI 4 nicht genügt. Im günstigen Fall kostet ein unseriöser MPU-Vorbereiter nur Zeit; im ungünstigen hinterlässt er eine eingeübte Darstellung, die im Untersuchungsgespräch nicht zur eigenen Entwicklung passt.
Was die Gerichte daraus machen: ein Fall
Wie streng Gerichte verkehrstherapeutische Maßnahmen prüfen, zeigt ein Beschluss des OLG Karlsruhe vom 06.10.2016 (3 (5) Ss 473/16, DAR 2017, 155 = BA 54 (2017), 38). Gegenstand war eine Trunkenheitsfahrt nach § 316 StGB mit 1,9 Promille. Der Angeklagte hatte nahezu 180 Stunden Verkehrstherapie absolviert und lebte alkoholabstinent. Die Fahrerlaubnis war neun Monate vorläufig entzogen gewesen; nach Herausgabe des Führerscheins in der Hauptverhandlung erster Instanz nahm er viereinhalb Monate beanstandungsfrei am Verkehr teil (Halm/Staudinger, Handbuch Verkehrsrecht, 8. Aufl., Kap. 33 Rdn. 464).
Das OLG hob das Berufungsurteil auf und verwies die Sache zurück. Das Berufungsgericht hätte den Therapieerfolg durch ein medizinisch-psychologisches Gutachten prüfen müssen, weil es eigene Sachkunde nicht ausreichend dargelegt hatte (Halm/Staudinger, a. a. O.). Einen Anspruch auf Verlegung der Hauptverhandlung bis zum Abschluss einer verkehrstherapeutischen Maßnahme verneint die Entscheidung (Hentschel/König, a. a. O., § 69 StGB Rn. 20a).
Nach der Kommentierung stehen Einrichtungen mit Akkreditierung nach § 70 FeV höher als gewerbliche Kurse nicht anerkannter Veranstalter, deren Qualität besonders sorgfältig zu prüfen ist (Hentschel/König, a. a. O., § 69 StGB Rn. 20b); das Zeugnis einer Heilpraktikerin für Psychotherapie reicht nicht (OLG Hamm BA 2016, 189, ebenda).
Die Entscheidung betrifft das Strafverfahren nach einer Alkoholfahrt. Für die Warnzeichen folgere ich daraus: Wenn schon eine umfangreiche Verkehrstherapie nicht ohne sachverständige Prüfung als Nachweis genügte, trägt eine Maßnahme, wie sie ein unseriöser MPU-Vorbereiter anbietet, ohne benannten Verkehrspsychologen, ohne Diagnostik und mit pauschaler Bescheinigung erst recht nicht.
Fragen von Betroffenen
Ist es verboten, ohne Psychologiestudium MPU-Vorbereitung anzubieten?
Nein, verboten ist es nicht. Nach Abschnitt C.5.3 der Beurteilungskriterien brauchen solche Interventionen keine staatliche Anerkennung, und die Kriterien selbst sind nicht rechtsverbindlich. Auch ein unseriöser MPU-Vorbereiter handelt also nicht schon durch sein Angebot rechtswidrig. Entscheidend ist, ob die Maßnahme in der Begutachtung berücksichtigt werden kann.
Woran merke ich im ersten Telefonat, dass ein unseriöser MPU-Vorbereiter anruft?
Vor allem an drei Dingen: Es fällt kein Name eines Verkehrspsychologen, es wird ein Ergebnis versprochen, und Sie sollen noch während des Gesprächs unterschreiben. Fragen Sie nach der Person, die die Sitzungen leitet, und verlangen Sie das Angebot schriftlich. Bleibt die Antwort aus, spricht vieles dafür, dass ein unseriöser MPU-Vorbereiter am Telefon ist.
Kann ich die MPU auch ohne Vorbereitung bestehen?
Ja, das ist möglich. Nach Abschnitt C.5.1.2 der Beurteilungskriterien werden auch Veränderungen ohne fachliche Hilfe in die Gesamtentwicklung eingeordnet. Maßgeblich sind eine nachvollziehbare Veränderung und die erforderlichen Nachweise, etwa Abstinenzbelege.
Was gilt, wenn ich schon eine Verzichtserklärung unterschrieben habe?
Ein vorformulierter Verzicht auf das Widerrufsrecht ist nach § 361 Abs. 2 Satz 1 BGB unbeachtlich. Ob das Recht nach § 356 Abs. 5 BGB erloschen ist, hängt von weiteren Voraussetzungen ab, unter anderem von einer ordnungsgemäßen Belehrung mit Formular.
Ist ein unseriöser MPU-Vorbereiter automatisch ein Betrüger?
Nein. Ein Warnzeichen beschreibt ein fachliches Defizit, keinen Straftatbestand. Ob § 263 StGB erfüllt ist, hängt von einer Täuschung über Tatsachen und einem Vermögensschaden im Einzelfall ab.
Muss ich die Bescheinigung des Anbieters beim Gutachter vorlegen?
Nach meiner Einschätzung nein, eine Vorlagepflicht ergibt sich aus den hier genannten Vorschriften nicht; schildern Sie im Gespräch aber wahrheitsgemäß, was Sie unternommen haben. Nach der Vorbemerkung zu Kapitel C.5.6 prüft der Gutachter die FFI-Kriterien nicht förmlich, sondern würdigt die Maßnahme im Rahmen Ihrer Entwicklung.
Fundstellen und Gesetzestexte
Normen
- § 11 Abs. 5 FeV und Anlage 4a FeV (Nr. 1 Buchst. c, Nr. 5); Anlage 14 Abs. 2 Nr. 6 FeV; § 70 und § 71 Abs. 2 FeV
- § 312c BGB, § 355 BGB, außerdem § 356 Abs. 5, § 357a Abs. 2, § 361 Abs. 2 und 3, § 307 BGB
- § 263 StGB, ferner § 69, § 69a und § 316 StGB
Rechtsprechung
- OLG Karlsruhe DAR 2017, 155 (Beschluss vom 06.10.2016); OLG Hamm BA 2016, 189; LG Fulda SVR 2018, 115
- BGH NJW 2021, 2885; BGH NJW-RR 2021, 177; BGH NJW 2004, 3699; BGHSt 34, 199
Schrifttum
- DGVP/DGVM, Urteilsbildung in der Fahreignungsbegutachtung (Beurteilungskriterien), 5. Aufl. 2026: Kapitel C.5 mit den Abschnitten zu Begriff, Rechtsfolgen, Wirksamkeit, Kompetenz und Transparenz, Hypothese FFI mit den Kriterien 1, 2 und 4; Hypothese A 2.7 N
- Hentschel/König, StVR, 48. Aufl. 2025, zur FeV: § 11 Rn. 20a und 41, § 66 Rn. 15; zum StGB: § 69 Rn. 20a f., § 69a Rn. 14
- Halm/Staudinger, Handbuch Verkehrsrecht, 8. Aufl. 2025, Kap. 33 Rdn. 464
- Müller/Rebler/Kranich, Klärung von Eignungszweifeln im Fahrerlaubnisrecht, 3. Aufl. 2025, Rn. 110, 111 und 113
- Fischer, StGB, 73. Aufl. 2026, zu § 263 die Rn. 10
- Grüneberg, BGB, 85. Aufl. 2026, zu § 312c (Rn. 1), § 356 (zur früheren Absatzzählung), § 357a und zu Art. 246a § 1 EGBGB (Rn. 9)
Kostenlose Prüfung Ihres Falls
Liegt Ihnen ein Angebot vor oder haben Sie schon unterschrieben, sehe ich mir Werbung, Vertrag, Widerrufsbelehrung, Bescheinigung und den Stand Ihres Verfahrens bei der Fahrerlaubnisbehörde an. Daraus ergibt sich, ob ein unseriöser MPU-Vorbereiter am Werk war, welche Warnzeichen vorliegen, welche Fristen laufen und ob Widerruf oder Rückforderung Aussicht haben.
Schicken Sie mir die Unterlagen per E-Mail oder schildern Sie den Sachverhalt am Telefon. Die erste Einschätzung kostet nichts und verpflichtet zu nichts, und ich sage Ihnen offen, wenn sich ein Vorgehen nicht lohnt.
ist Rechtsanwalt und Strafverteidiger in Bremen, seit 2011 zugelassen und seit fünfzehn Jahren im Betäubungsmittel-, Cannabis-, Zoll- und Fahrerlaubnisrecht tätig. Verteidigung bundesweit.