hCG und Choriongonadotropin: Zollbeamter prüft in der Postverteilstelle einen aufgeschnittenen Umschlag mit Glasampullen und Fertigspritzen

Symbolbild, mit KI erstellt.

Choriongonadotropin legal? hCG, Wachstumshormone und das AntiDopG

Wer eine Sendung mit hCG (humanem Choriongonadotropin) oder Wachstumshormonen wie Somatropin aus dem Ausland bestellt und dabei vom Zoll abgefangen wird, geht häufig davon aus, dass es sich allenfalls um ein zoll- oder arzneimittelrechtliches Bagatellproblem handelt. Schließlich sind beide Wirkstoffe als verschreibungspflichtige Arzneimittel bekannt und werden in der Fitness-Szene oft wie ein gewöhnliches Nahrungsergänzungsmittel gehandelt. Als Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit Schwerpunkt Betäubungsmittelstrafrecht/Drogen erkläre ich im Folgenden, was ein hCG Zoll-Verfahren für Betroffene tatsächlich bedeutet, wie der Ablauf nach der Sicherstellung aussieht und welche Verteidigungsmöglichkeiten realistisch bestehen.

In meiner Kanzlei zeigt sich immer wieder, dass Mandanten von der rechtlichen Tragweite eines hCG Zoll-Vorwurfs überrascht sind, weil weder hCG noch Somatropin im BtMG stehen. Das bedeutet aber keineswegs Straflosigkeit: Neben einer arzneimittelrechtlichen Bewertung greift oberhalb bestimmter Mengenschwellen ein eigenständiges Strafgesetz, das viele Betroffene gar nicht auf dem Schirm haben, das Anti-Doping-Gesetz.

Das Wichtigste in Kürze

  • Humanes Choriongonadotropin und Wachstumshormone sind keine Betäubungsmittel, sondern Arzneimittel; maßgeblich sind das Arzneimittelgesetz und das Anti-Doping-Gesetz.
  • Die Bestellung aus dem Ausland verstößt gegen das Verbringungsverbot des § 73 Abs. 1 AMG, für Einzelimporte gilt die Ausnahme des § 73 Abs. 2 AMG.
  • Der Verstoß gegen das Verbringungsverbot ist nach § 97 Abs. 2 Nr. 8 AMG eine Ordnungswidrigkeit.
  • Das Anti-Doping-Gesetz greift erst oberhalb der nicht geringen Menge, die für hCG bei 500 Internationalen Einheiten und für Somatropin bei 16 Milligramm liegt.
  • Mit dem Verbringen über die Grenze kommt der Bannbruch nach § 372 Abs. 2 AO in Betracht.
  • Lässt sich der Empfänger der Sendung nicht nachweisen, endet das Verfahren nach § 170 Abs. 2 StPO.
  • Die Fahrerlaubnisbehörde kann nach § 14 FeV Eignungszweifel klären, auch wenn die Stoffe nicht in der Liste des § 24a Abs. 2 StVG stehen.

Inhaltsverzeichnis

Was bedeutet der Vorwurf im Anhörungsschreiben?

Wird eine Postsendung mit hCG-Ampullen, Somatropin-Pens oder entsprechenden Fertigspritzen vom Zoll sichergestellt, erhält der im Paket genannte Empfänger üblicherweise ein Anhörungsschreiben des zuständigen Hauptzollamts. Darin wird zunächst ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des Bannbruchs nach § 372 Abs. 2 AO angekündigt. Auch hier tritt § 372 Abs. 2 AO als Auffangtatbestand hinter speziellere Straftatbestände zurück. Bei hCG und Wachstumshormonen sind das in der Praxis regelmäßig das Arzneimittelgesetz (AMG) und ergänzend das Anti-Doping-Gesetz (AntiDopG).

Dem Anhörungsschreiben liegt in der Regel ein Personalbogen bei, auf dem sich Betroffene zur Sache äußern sollen. Von einer eigenständigen Beantwortung ist dringend abzuraten, das Schweigerecht sollte genutzt und die Stellungnahme dem Rechtsanwalt überlassen werden.

hCG Zoll: Wie sind hCG und Wachstumshormone rechtlich einzuordnen?

Weder humanes Choriongonadotropin (hCG) noch Somatropin (synthetisches Wachstumshormon, HGH) sind in einer Anlage des BtMG gelistet. Rechtlich handelt es sich um zwei unterschiedliche, aber jeweils verschreibungspflichtige Arzneimittel: hCG ist unter Namen wie Pregnyl, Predalon, Brevactid oder Ovitrelle als Fertilitätshormon zugelassen, Somatropin unter verschiedenen Handelsnamen als Ersatztherapie bei Wachstumshormonmangel. Beide Wirkstoffe sind in Anlage 1 der Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV) aufgeführt und dürfen deshalb nach § 1 AMVV nur bei Vorliegen einer ärztlichen Verschreibung abgegeben werden.

Parallel dazu stehen beide Substanzen auf der Verbotsliste der Nationalen Anti-Doping-Agentur (NADA), hCG als testosteronstimulierendes Peptidhormon, Somatropin als Wachstumshormon, und sind zusätzlich in der Anlage zum Anti-Doping-Gesetz namentlich als Dopingmittel erfasst.

Nach § 2 Abs. 1 AntiDopG ist es verboten, Dopingmittel herzustellen, mit ihnen Handel zu treiben oder sie in den Verkehr zu bringen; § 2 Abs. 3 AntiDopG verbietet zusätzlich den Erwerb, Besitz oder das Verbringen eines Dopingmittels in „nicht geringer Menge“. Für eine private Bestellung ohne Rezept aus dem Ausland kommen damit strukturell zwei getrennte Regelungsregime in Betracht, die in der Praxis nebeneinander geprüft werden.

Zum Wachstumshormon selbst und zu der Frage, wann seine Einfuhr verfolgt wird, habe ich einen eigenen Beitrag unter Somatropin und das Arzneimittelrecht geschrieben.

Grenzwert und Straftatbestand: zwei getrennte Schwellenwerte

Anders als man vermuten könnte, werden hCG und Somatropin in der Dopingmittel-Mengen-Verordnung (DmMV) nicht als eine gemeinsame Stoffgruppe behandelt, sondern jeweils mit einem eigenen, substanzspezifischen Schwellenwert geführt: Für Choriongonadotropin (hCG) legt die DmMV eine „nicht geringe Menge“ von 7.500 Internationalen Einheiten (IE) fest, für Somatropin dagegen 16 Milligramm.

Wird die jeweilige Schwelle überschritten, ist der Erwerb, Besitz oder das grenzüberschreitende Verbringen nach § 4 Abs. 1 Nr. 3 AntiDopG strafbar, Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldstrafe. Wie beim AntiDopG üblich, gibt es beim Grunddelikt keine Mindestfreiheitsstrafe von einem Jahr; diese greift erst in besonders schweren Fällen.

Besonders schwere Fälle nach § 4 Abs. 4 AntiDopG, etwa bandenmäßiges Handeln oder die Gesundheitsgefährdung einer großen Zahl von Menschen. Werden mit Freiheitsstrafe von einem Jahr bis zu zehn Jahren geahndet, minder schwere Fälle nach § 4 Abs. 5 AntiDopG mit drei Monaten bis fünf Jahren. Handeltreiben, Herstellen oder Inverkehrbringen nach § 2 Abs. 1 AntiDopG ist unabhängig von der Menge strafbar.

Parallel dazu ist die private Auslandsbestellung ohne Rezept regelmäßig auch arzneimittelrechtlich relevant: Nach § 97 Abs. 2 Nr. 8 AMG handelt ordnungswidrig, wer entgegen § 73 Abs. 1 AMG Arzneimittel ohne die erforderliche Genehmigung einführt, mit einem Bußgeldrahmen von bis zu 25.000 Euro.

Die in § 73 Abs. 2 AMG vorgesehenen Ausnahmen für den persönlichen Bedarf greifen bei einer Bestellung aus einem Nicht-EU/EWR-Staat über einen Online-Shop in aller Regel nicht, weil sie entweder auf Lieferungen aus dem EU/EWR-Raum beschränkt sind oder ein tatsächliches, persönliches Überschreiten der Grenze voraussetzen, reiner Versandhandel erfüllt diese Voraussetzungen nicht.

In der Praxis ist deshalb häufig das Anti-Doping-Gesetz die schärfere Rechtsfolge, weil die genannten Mengenschwellen bei üblichen Fitness-Bestellungen schnell erreicht werden, während die arzneimittelrechtliche Seite bei einer reinen Privatbestellung meist „nur“ eine Ordnungswidrigkeit bleibt.

Die Besonderheit: hCG als Arzneimittel mit legitimer medizinischer Verwendung

Eine Eigenheit, die hCG von klassischen Betäubungsmitteln und reinen Dopingsubstanzen unterscheidet, möchte ich transparent ansprechen: hCG ist kein reines Fitness- oder Dopingpräparat, sondern ein etabliertes, breit verschriebenes Arzneimittel der Reproduktionsmedizin.

Diese doppelte Zweckbestimmung ändert nichts an der Strafbarkeit einer unerlaubten Auslandsbestellung, kann aber in der Verteidigung eine Rolle spielen, etwa wenn sich aus den Umständen der Bestellung Zweifel am tatsächlichen Verwendungszweck ergeben oder eine bereits bestehende ärztliche Behandlung dokumentiert werden kann. Diese Einschätzung beruht auf meiner eigenen Bewertung der Ausgangslage und ist keine feststehende Rechtsprechung, sondern ein Gesichtspunkt, der im Einzelfall geprüft werden sollte.

Drei Normen, die einzeln geprüft werden müssen

In hCG-Verfahren kommen drei Vorschriften in Betracht, und jede hat eigene Voraussetzungen. Sie werden in Anhörungsschreiben gern zusammengezogen, obwohl sie unterschiedlich weit reichen.

§ 96 Nr. 4 AMG erfasst die unerlaubte Einfuhr aus Staaten, die nicht der Europäischen Union oder dem Europäischen Wirtschaftsraum angehören. Die Vorschrift setzt voraus, dass die Einfuhr gewerbs- oder berufsmäßig erfolgt, denn nur dann ist überhaupt eine Einfuhrerlaubnis erforderlich. Beim Bezug für den eigenen Gebrauch scheidet sie deshalb aus.

§ 4 Abs. 1 Nr. 1 AntiDopG betrifft das Inverkehrbringen von Dopingmitteln. Wer eine Sendung für sich selbst bestellt, bringt nichts in Verkehr; die Vorschrift greift dann nicht.

§ 4 Abs. 1 Nr. 3 AntiDopG verweist auf § 2 Abs. 3 AntiDopG und setzt den Besitz in nicht geringer Menge voraus. Bleibt die gelieferte Wirkstoffmenge unter dem Wert der Dopingmittel-Mengen-Verordnung, fehlt diese Voraussetzung.

Übrig bleibt dann die Ordnungswidrigkeit nach § 97 Abs. 2 Nr. 8 AMG. Genau so hat der Kommentar einen Fall beurteilt, in dem ein Beschuldigter aus den Vereinigten Staaten auf dem Postweg zwei Dosen Anabolika eingeführt hatte, deren Inhalt die Wirkstoffmengen der Verordnung nicht erreichte: Keine Straftat, sondern allenfalls eine Geldbuße.

VorschriftZusätzliche VoraussetzungFolge beim Eigenbedarf
§ 96 Nr. 4 AMGgewerbs- oder berufsmäßige Einfuhr aus einem Drittstaatscheidet aus
§ 4 Abs. 1 Nr. 1 AntiDopGInverkehrbringenscheidet aus
§ 4 Abs. 1 Nr. 3 AntiDopGBesitz in nicht geringer Menge, § 2 Abs. 3 AntiDopGnur oberhalb der Mengenschwelle
§ 97 Abs. 2 Nr. 8 AMGVerstoß gegen § 73 Abs. 1 AMGOrdnungswidrigkeit, Geldbuße bis 25.000 Euro

Diese Prüfungsreihenfolge ist der Kern der Verteidigung. Sie lässt sich bereits aus der Akte und dem Analysebericht abarbeiten, ohne dass der Betroffene etwas zur Sache sagen muss.

Wie läuft ein hCG Zoll-Verfahren ab?

Nach der Sicherstellung durch das Hauptzollamt wird die Sendung asserviert, eine Laboranalyse zur Bestimmung des genauen Wirkstoffs und der enthaltenen Menge veranlasst, und der Vorgang an die zuständige Staatsanwaltschaft abgegeben. Der Empfänger erhält (wie oben beschrieben) zunächst ein Anhörungsschreiben mit Personalbogen.

Äußert sich der Betroffene nicht selbst, was anwaltlich fast immer empfehlenswert ist, prüft die Staatsanwaltschaft anhand der Aktenlage, ob genügend Beweise für eine Anklage, einen Strafbefehl oder eine Verfahrenseinstellung vorliegen. Bei einem hCG Zoll-Vorwurf hängt viel davon ab, ob die tatsächlich festgestellte Wirkstoffmenge die jeweilige DmMV-Schwelle überhaupt erreicht, gerade bei einzelnen Ampullen oder kleineren Bestellmengen ist das nicht immer der Fall.

Praxisbeispiele aus der Verteidigung

Namen, Orte und Nebenumstände sind verändert, der rechtliche Kern ist unverändert.

Wie ein hCG Zoll-Vorwurf in der Praxis ausgehen kann, zeigen die folgenden anonymisierten Beispiele aus meiner Verteidigungspraxis:

Praxisbeispiel 1: Ein Mandant, der im Rahmen eines Muskelaufbauprogramms testosteronstimulierende Präparate einsetzen wollte, hatte über einen ausländischen Online-Shop mehrere hCG-Ampullen bestellt. Die forensische Auswertung ergab eine Gesamtmenge deutlich unterhalb der 7.500-IE-Schwelle. Da weder Handeltreiben noch eine Weitergabe an Dritte ersichtlich war, blieb der Besitz zum Eigenbedarf nach dem Anti-Doping-Gesetz straflos; arzneimittelrechtlich verblieb es bei einem Bußgeldverfahren, das mit einer geringen Geldbuße endete.

Praxisbeispiel 2: In einem anderen Fall bestellte ein Mandant über mehrere Monate wiederholt Somatropin-Pens, die in der Summe die 16-Milligramm-Schwelle deutlich überschritten. Mangels Finanztransaktionsermittlungen ließ sich nicht abschließend nachweisen, dass der Mandant sämtliche Bestellungen tatsächlich selbst vorgenommen hatte. Die Sendungen waren an eine von mehreren Personen genutzte Wohnadresse adressiert. Das Verfahren endete nach intensiver Prüfung der Beweislage mit einer Einstellung mangels hinreichenden Tatverdachts.

Der Fall ist anonymisiert und in den Einzelheiten verändert.

Typische Fehler, die Betroffene machen

Bei einem hCG Zoll-Vorwurf gehen viele Betroffene fälschlich davon aus, dass die bloße Verschreibungspflicht eines Präparats keine strafrechtliche, sondern allenfalls eine zivilrechtliche Angelegenheit sei. Das ist unzutreffend: Die private Auslandsbestellung ohne Rezept ist arzneimittelrechtlich bußgeldbewehrt und kann zusätzlich den Straftatbestand des Anti-Doping-Gesetzes erfüllen, sobald die jeweilige Mengenschwelle überschritten ist.

Andere Betroffene berufen sich darauf, das Präparat sei ausschließlich für einen medizinisch legitimen Zweck bestimmt gewesen, ohne dies durch einen tatsächlichen ärztlichen Befund oder eine Verschreibung belegen zu können, eine solche unbelegte Behauptung nützt in der Vernehmung wenig und sollte der anwaltlichen Verteidigung vorbehalten bleiben. Ein weiterer verbreiteter Fehler: Betroffene beantworten den Personalbogen vorschnell selbst und schildern dabei ungefragt ihre Trainingsgewohnheiten oder frühere Bestellungen, Angaben, die sich später kaum zurücknehmen lassen.

Reisebedarf, Kontrolle und der Bannbruch

Wer Arzneimittel bei der Einreise selbst mitbringt, unterliegt dem Verbringungsverbot nicht, solange die Menge dem üblichen persönlichen Bedarf entspricht. § 73 Abs. 2 Nr. 6 und Nr. 6a AMG stellt dafür auf die Aufenthaltsdauer und die Krankheitsbeschwerden ab. Eine Bestellung, die per Post ankommt, ist keine Einreise, weshalb diese Befreiung in hCG-Verfahren nie greift.

Aufgefallen ist die Sendung über die zollamtliche Überwachung. Nach § 5 Abs. 1 ZollVG legen Postdienstleister und Expressdienste eine Sendung vor, sobald der Verdacht eines Verbotsverstoßes besteht; die Prüfung und das Öffnen erlaubt § 10 Abs. 4a Satz 2 ZollVG. Dass die Ware aus einem EU-Staat kommt, ändert daran nichts.

Bleibt es bei der Geldbuße des § 97 Abs. 2 Nr. 8 AMG, fällt der Bannbruch weg. § 372 Abs. 2 AO lässt die Strafandrohung des Bannbruchs schon dann zurücktreten, wenn eine spezialgesetzliche Vorschrift eine Geldbuße vorsieht. Der im ersten Schreiben genannte Vorwurf ist damit häufig der erste, der entfällt.

Welche Verteidigungsmöglichkeiten bestehen?

Zentraler Ansatzpunkt bei einem hCG Zoll-Verfahren ist zunächst § 170 Abs. 2 StPO: Der bloße Name oder die Anschrift auf dem Paket beweist allein nicht, dass die dort genannte Person die Sendung auch bestellt hat. Ohne weitere belastende Indizien (etwa Zahlungsnachweise oder Chatverläufe mit dem Verkäufer) lässt sich oft kein hinreichender Tatverdacht herleiten.

Ein zweiter, substanzspezifisch wichtiger Ansatzpunkt ist die exakte forensische Bestimmung der Wirkstoffmenge im Verhältnis zur jeweils einschlägigen DmMV-Schwelle: Liegt diese unterhalb von 7.500 IE bei hCG beziehungsweise 16 Milligramm bei Somatropin und lässt sich kein Handeltreiben nachweisen, bleibt der Besitz zum Eigenbedarf bereits tatbestandlich straflos.

Auch die BGH-Rechtsprechung zum Sportbegriff des Anti-Doping-Gesetzes (Beschluss vom 05.12.2017, Az. 4 StR 389/17) ist relevant: Danach zählt auch reiner, nicht wettkampfmäßiger Kraftsport zum Sportbegriff, sodass sich Betroffene nicht mit dem Argument fehlender Wettkampfambitionen verteidigen können. Auf der arzneimittelrechtlichen Seite kann außerdem geprüft werden, ob die Bußgeldbewehrung nach § 97 Abs. 2 Nr. 8 AMG verjährt ist, da es sich lediglich um eine Ordnungswidrigkeit mit kürzerer Verjährungsfrist handelt.

Fahrerlaubnisrechtliche Folgen

Weder hCG noch Somatropin sind Betäubungsmittel im Sinne des BtMG. Ein hCG Zoll-Verfahren löst deshalb regelmäßig KEINE fahrerlaubnisrechtliche Konsummusteranalyse nach § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV aus, und auch die Auffangkategorie der Anlage 4 Nr. 9.1 FeV (Ungeeignetheit bei nachgewiesenem Konsum harter Drogen) ist hier nicht einschlägig. Die bei echten Betäubungsmitteln geltende Kette, nachgewiesener Besitz → Gutachtenanordnung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV → nachgewiesener Konsum → Ungeeignetheit nach Anlage 4 Nr. 9.1 FeV → Entziehung der Fahrerlaubnis. Ist bei einem reinen hCG- oder Wachstumshormon-Sachverhalt somit nicht anwendbar.

Eine gefestigte verwaltungsgerichtliche Rechtsprechung, die missbräuchlichen hCG- oder Somatropin-Konsum ausnahmsweise über die allgemeine Auffangkategorie der Anlage 4 FeV zur körperlichen Eignung erfasst, war bei der Recherche nicht auffindbar, theoretisch denkbare gesundheitliche Folgeschäden bei chronischem Wachstumshormonmissbrauch (etwa akromegalie-ähnliche Beschwerden) sind bislang ohne belastbare Kasuistik geblieben und müssten im Einzelfall gesondert bewertet werden. Ergänzend: Weder hCG noch Somatropin stehen in der Substanzliste des § 24a StVG.

Wird eine Fahrt festgestellt, greift zusätzlich § 24a Abs. 2 StVG mit eigenen Werten, dargestellt unter Drogenfahrt nach dem Listenprinzip. Mein Vorgehen im Fahrerlaubnisverfahren steht unter Verkehrsrecht und Fahrerlaubnis in Bremen.

Ein fester Wert, ab dem die Fahrunsicherheit feststeht, existiert nur für Alkohol. Das ist die absolute Fahruntüchtigkeit; für Betäubungsmittel gilt stattdessen die relative Fahrunsicherheit mit ihren Beweisanzeichen.

Häufige Fragen

Ist der Besitz von hCG oder Wachstumshormonen überhaupt strafbar?

Nur oberhalb der jeweiligen Mengenschwelle (7.500 IE bei hCG, 16 Milligramm bei Somatropin). Unterhalb dieser Schwellen bleibt der bloße Besitz zum Eigenbedarf nach dem Anti-Doping-Gesetz straflos, sofern kein Handeltreiben vorliegt. Arzneimittelrechtlich bleibt aber regelmäßig eine Ordnungswidrigkeit nach § 97 Abs. 2 Nr. 8 AMG bestehen.

Ändert sich etwas, wenn ich kein Wettkampfsportler bin?

Nein. Der Bundesgerichtshof hat entschieden, dass reiner Kraftsport ohne Wettkampfteilnahme ebenfalls unter den Sportbegriff des Anti-Doping-Gesetzes fällt, die fehlende Wettkampfambition schützt also nicht vor Strafbarkeit oberhalb der Mengenschwelle.

Spielt es eine Rolle, dass hCG auch ein anerkanntes Medikament ist?

Das ändert nichts an der Strafbarkeit einer unerlaubten Auslandsbestellung ohne Rezept, kann aber im Einzelfall als Gesichtspunkt in die Verteidigung einfließen, insbesondere wenn eine bestehende ärztliche Behandlung dokumentiert werden kann.

Wie hoch ist die Strafe bei einem hCG Zoll-Verfahren üblicherweise?

Das hängt maßgeblich von der Menge und den Umständen ab: Beim Grunddelikt nach dem Anti-Doping-Gesetz drohen bis zu drei Jahren Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, bei besonders schweren Fällen (etwa Bandenmäßigkeit) ein bis zehn Jahre. Zusätzlich kann arzneimittelrechtlich ein Bußgeld von bis zu 25.000 Euro verhängt werden.

Was passiert mit der beschlagnahmten Sendung?

Sie wird in aller Regel eingezogen und steht nicht mehr zur Verfügung, unabhängig vom Ausgang des Ermittlungsverfahrens.

Warum ein hCG-Verfahren unterschätzt wird

Ein hCG Zoll-Verfahren wird von Betroffenen häufig unterschätzt, weil beide Substanzen als bekannte, verschreibungspflichtige Arzneimittel gelten und in der Fitness-Szene oft wie gewöhnliche Nahrungsergänzungsmittel gehandelt werden, rechtlich handelt es sich jedoch um eine Doppelspur aus Arzneimittelrecht und Anti-Doping-Gesetz, sobald die jeweilige Wirkstoffmenge die gesetzliche Schwelle überschreitet. Wer ein Anhörungsschreiben des Zolls erhält, sollte den beigefügten Personalbogen nicht selbst beantworten, sondern frühzeitig eine Rechtsanwältin oder einen Rechtsanwalt einschalten. Bei Rückfragen zum Thema kontaktieren Sie mich gerne.

Den Ablauf eines Betäubungsmittelverfahrens (von der ersten Maßnahme bis zur Entscheidung der Staatsanwaltschaft) habe ich an anderer Stelle beschrieben: Verteidigung im BtMG-Verfahren.

Gesetzestexte und weiterführende Quellen

  • Arzneimittelgesetz: § 73 Abs. 1 AMG · § 73 Abs. 2 AMG · § 73 Abs. 1 Satz 1 AMG · § 96 Nr. 4 AMG · § 97 Abs. 2 Nr. 8 AMG
  • Abgabenordnung: § 372 Abs. 2 AO · § 372 Abs. 1 AO
  • Zollverwaltungsgesetz: § 5 Abs. 1 ZollVG · § 10 Abs. 4a Satz 2 ZollVG
  • Strafprozessordnung: § 170 Abs. 2 StPO
  • Straßenverkehrsgesetz: § 24a Abs. 2 StVG
  • Fahrerlaubnis-Verordnung: § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV

Den amtlichen Wortlaut des § 73 AMG veröffentlicht das Bundesministerium der Justiz unter gesetze-im-internet.de.

Kostenlose Ersteinschätzung

Ist eine Sendung mit hCG oder Wachstumshormonen aufgefallen, sehe ich mir die Sache ohne Kosten an. Ich bin Björn Schüller, Rechtsanwalt in Bremen, und verteidige bundesweit.

Bei hCG und Wachstumshormonen gilt nicht das Betäubungsmittelgesetz, sondern das Arzneimittelgesetz und ergänzend das Anti-Doping-Gesetz. Welche der beiden Normen greift, hängt an Menge und Zweckbestimmung.

Weitere Beiträge zum Thema: Anabolika und Dopingmittel, Bannbruch nach § 372 AO, Anhörungsbogen vom Zoll und Sicherstellungsmitteilung.

Über den Autor

Björn Schüller

ist Rechtsanwalt und Strafverteidiger in Bremen, seit fünfzehn Jahren im Betäubungsmittel-, Cannabis-, Zoll- und Fahrerlaubnisrecht tätig. Verteidigung bundesweit.

Bild von Dipl. Jur. Björn Schüller

Dipl. Jur. Björn Schüller

Hochspezialisierter Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit über 15 Jahren Erfahrung im Bereich Drogen und Recht.

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Strafverteidiger für Betäubungsmittelrecht Björn Schüller aus Bremen