Symbolbild, mit KI erstellt.
Zauberpilze, Sporen und Zuchtsets: was das BtMG wirklich erfasst
Ein Growkit für Magic Mushrooms, dazu eine Sporenspritze, beides bei einem niederländischen Shop gekauft, wo diese Produkte offen im Regal stehen. Kurz darauf ein Schreiben des Hauptzollamts Köln: Sicherstellung, Verdacht auf Bannbruch. Die Verwirrung ist groß, schließlich war die Ware im Versandland völlig legal erhältlich. Genau dieser Trugschluss (legal am Bestellort bedeutet nicht legal in Deutschland) trifft bei Psilocybin-Produkten auf eine Besonderheit, die viele nicht kennen: Betroffen sind nicht nur fertige Pilze, sondern ausdrücklich auch Sporen und Myzel.
Ich bin Björn Schüller, Rechtsanwalt in Bremen mit Schwerpunkt im Betäubungsmittelstrafrecht, und verteidige bundesweit. Verfahren um Zauberpilze folgen anderen Regeln als Verfahren um synthetische Stoffe, und genau diese Unterschiede entscheiden hier über den Ausgang.
Das Wichtigste in Kürze
- Zauberpilze unterfallen dem Betäubungsmittelgesetz über § 2 Abs. 1 Nr. 1 lit. b BtMG in Verbindung mit dem fünften Spiegelstrich der Anlage I zum BtMG, weil die Anlagen selbst keine Pilze namentlich aufführen.
- Erfasst sind bei Zauberpilzen nicht nur die Fruchtkörper aus Pilzstiel und Pilzhut, sondern auch die Pilzsporen, die Zellfäden (Hyphen) und das daraus gebildete Pilzgeflecht (Mycel).
- Der Bundesgerichtshof hat die Anwendbarkeit des Betäubungsmittelgesetzes auf psilocybinhaltige Pilze bejaht (BGH NJW 2007, 524); das Bundesverfassungsgericht hat festgestellt, dass Pilze Pflanzen sind, weil der Begriff umgangssprachlich und nicht naturwissenschaftlich zu bestimmen ist (BVerfG BeckRS 2010, 45445).
- Die nicht geringe Menge liegt bei Psilocin bei 1,2 Gramm und bei Psilocybin bei 1,7 Gramm; das Bayerische Oberste Landesgericht hat sie in Anlehnung an die Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs zu LSD aus 120 Konsumeinheiten zu je 10 Milligramm errechnet (BayObLG BeckRS 2002, 30241411).
- Die geringe Menge beträgt bei Psilocybin 0,042 Gramm und bei Psilocin 0,03 Gramm (BayObLGSt 2002, 33).
- Auch Duftkissen, die mit Pilzen der Art Stropharia cubensis gefüllt sind, sind Betäubungsmittel; ein beigelegtes Merkblatt, das vor dem Verzehr warnt, begründet regelmäßig keinen Verbotsirrtum (BayObLG NStZ 2003, 270).
- Die abweichenden Entscheidungen, nach denen psilocybinhaltige Pilze nicht dem Betäubungsmittelgesetz unterfallen, betreffen ausschließlich Taten vor dem 18. März 2005 (AG Hamburg StraFO 2004, 360; OLG Koblenz NStZ-RR 2006, 218).
Inhaltsverzeichnis
- Das Wichtigste in Kürze
- Sind Zauberpilze wirklich Betäubungsmittel?
- Warum bei Zauberpilzen auch Sporen und Growkits erfasst sind
- Wo bei Zauberpilzen die nicht geringe Menge beginnt
- Warum die Wirkstoffbestimmung bei Zauberpilzen oft scheitert
- Wie läuft das Ermittlungsverfahren ab?
- Praxisbeispiel
- Typische Fehler nach der Zoll-Mitteilung
- Welche Verteidigungsmöglichkeiten bei Zauberpilzen bestehen
- Nachweisdauer bei Psilocybin und Psilocin
- Der zweite Vorgang: die Führerscheinstelle
- Die MPU nach einem Verfahren wegen Zauberpilzen
- Häufige Fragen
- Was bei Zauberpilzen außer den Fruchtkörpern erfasst ist
- Gesetzestexte und Fundstellen
- Kostenlose Ersteinschätzung
Welche Anzeichen die Beamten bei einem Verdacht auf Magic Mushrooms notieren, habe ich unter Die Konsumanzeichen im Polizeibericht dargestellt; zur weiten Pupille als angeblichem Beleg steht mehr unter Die Pupillendiagnostik bei der Verkehrskontrolle.
Sind Zauberpilze wirklich Betäubungsmittel?
Der Gesetzgeber hat Psilocybin und Psilocin in Anlage I des BtMG aufgenommen. Dort stehen die Stoffe, die weder verkehrs- noch verschreibungsfähig sind. Früher wurde in der juristischen Literatur diskutiert, ob unbehandelte, frische Pilze überhaupt darunterfallen, weil der Wirkstoff dort auf natürliche Weise entsteht, ohne dass eine „Zubereitung“ stattgefunden hätte.
Diese Debatte ist inzwischen Geschichte: Der Bundesgerichtshof stellte klar, dass Pilze unter den Pflanzenbegriff des § 2 Abs. 1 Nr. 1 BtMG fallen (BGH, Beschluss vom 25. Oktober 2006, Az. 1 StR 384/06), und das Bundesverfassungsgericht bestätigte diese weite Auslegung (ausdrücklich auch für frische, unverarbeitete Exemplare) als verfassungskonform (BVerfG, Beschluss vom 4. September 2009, Az. 2 BvR 338/09). Ob getrocknet oder frisch spielt für die rechtliche Einordnung damit keine Rolle mehr.
Nicht jeder halluzinogene Pilz ist ein Betäubungsmittel. Der rotweiße Fliegenpilz etwa steht in keiner Anlage zum Betäubungsmittelgesetz; was daraus folgt, habe ich unter Der Fliegenpilz und seine rechtliche Einordnung beschrieben.
Warum bei Zauberpilzen auch Sporen und Growkits erfasst sind
Ein hartnäckiges Missverständnis besagt, reine Sporen enthielten kein oder kaum Psilocybin und dürften deshalb bedenkenlos bestellt werden. Diese Annahme trägt in der Praxis nicht. Sporen und Myzel (etwa als Sporenspritze oder bereits angeimpftes Growkit) gelten rechtlich als Vermehrungsmaterial des erfassten Pilzes und damit selbst als Betäubungsmittel, unabhängig vom tatsächlich messbaren Wirkstoffgehalt im jeweiligen Wachstumsstadium. Wer ein solches Produkt im Ausland bestellt, geht ein reales strafrechtliches Risiko ein, selbst wenn der Anbieter es im eigenen Land völlig legal verkauft und offen damit wirbt.
Häufig wird dabei die Parallele zu Cannabissamen gezogen, die tatsächlich legal gehandelt werden dürfen. Bei Psilocybin-Pilzen greift diese Ausnahme jedoch nicht, die Rechtslage fällt hier deutlich strenger aus, als der Vergleich vermuten lässt.
Wo bei Zauberpilzen die nicht geringe Menge beginnt
Auch bei Psilocybin trennt das Gesetz zwischen dem Grundtatbestand der Einfuhr (§ 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG, bis zu fünf Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe) und dem Verbrechenstatbestand bei nicht geringer Menge (§ 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG, Mindestfreiheitsstrafe zwei Jahre). Diese Schwelle liegt bei rund 1,7 Gramm reiner Wirkstoffmenge.
Bemerkenswert: Anders als die Grenzwerte bei Kokain oder MDMA stammt dieser Wert nicht von einer BGH-Grundsatzentscheidung, sondern vom Bayerischen Obersten Landesgericht (BayObLG, Beschluss vom 21. Februar 2002, Az. 4 St RR 7/02), das ihn in Analogie zur LSD-Rechtsprechung entwickelt hat. In der Praxis hat er sich zwar als Richtwert durchgesetzt, sein rechtliches Gewicht bleibt aber geringer als das eines echten Bundesgerichtshof-Urteils, ein Umstand, den eine Verteidigung durchaus nutzen kann.
Wie sich der Grenzwert bei MDMA zusammensetzt und was eine abgefangene Ecstasy-Bestellung auslöst, steht auf der Seite zu MDMA und Ecstasy beim Zoll; für Zauberpilze gilt, wie gezeigt, ein anderer Maßstab.
Die Umrechnung auf Trockengewicht ist alles andere als exakt: Getrocknete Pilze enthalten je nach Art, Anbau und Charge zwischen etwa 0,1 und 2 Prozent Wirkstoff. Die 1,7-Gramm-Schwelle kann rechnerisch schon bei rund 85 Gramm Trockenmaterial erreicht sein, bei schwächeren Chargen aber auch erst deutlich über einem Kilogramm liegen. Eine verlässliche Aussage liefert ausschließlich die Laboranalyse der konkreten Sendung, nie eine Schätzung nach Gewicht oder Verpackung.
Warum die Wirkstoffbestimmung bei Zauberpilzen oft scheitert
Die nicht geringe Menge bemisst sich nach dem Wirkstoff, nicht nach dem Gewicht des Materials. Genau hier liegt bei Zauberpilzen die praktische Schwäche vieler Verfahren. Psilocybinpilze zählen zu den Rauschpflanzen, deren Wirkstoffgehalt sich nur schwer feststellen lässt: Das Pflanzenmaterial verdirbt, vertrocknet, verfäult oder verschimmelt je nach Lagerungszeit, Lagerungsort und Lagerungstemperatur, bevor eine eingehende Wirkstoffuntersuchung vorgenommen werden kann (Patzak/Fabricius, BtMG, § 29a Rn. 267).
Für die Verteidigung folgt daraus eine feste Prüfreihenfolge. Zu klären ist zuerst, wann das sichergestellte Material untersucht wurde und wie lange es zuvor gelagert hat. Der Wirkstoffgehalt ist unmittelbar nach der Sicherstellung zu ermitteln (BGH NStZ-RR 2015, 14; OLG Dresden NStZ-RR 1999, 373). Liegen zwischen Sicherstellung und Untersuchung Wochen, ist der gemessene Wert kein zuverlässiger Beleg mehr für den Zustand zur Tatzeit. Trägt ein Betroffener vor, die Pilze seien ihm in einem Getränk oder in Gebäck untergemischt worden, gehört dazu ein nachprüfbarer Sachverhalt; welche beiden Punkte die Rechtsprechung dafür verlangt, steht auf der Seite zur unbewussten Einnahme von Betäubungsmitteln.
Zweitens ist zu prüfen, ob überhaupt eine repräsentative Probe gezogen wurde. Es genügt, wenn nach Feststellung des Gesamtgewichts repräsentative Muster aufbewahrt, tiefgefroren und auf ihren Wirkstoffgehalt untersucht werden und der mittlere Wert auf das Gesamtgewicht hochgerechnet wird (OLG München NStZ-RR 2011, 131 (131 f.) mit Anmerkung Kotz/Rahlf). Fehlt eine solche Mischprobe, trägt die Hochrechnung nicht. Drittens ist bei Zuchtsets zu fragen, ob zum Zeitpunkt der Sicherstellung schon wirkstoffhaltiges Material vorlag.
Diese Entscheidungen sind zu Cannabisverfahren ergangen. Der Kommentar führt Psilocybinpilze allerdings ausdrücklich in derselben Gruppe der Rauschpflanzen, für die dieselben Schwierigkeiten bei der Probengewinnung gelten.
In einem Verfahren aus meiner Praxis wurden knapp 70 Gramm Zauberpilze nie auf ihren Wirkstoff untersucht, und die Staatsanwaltschaft Ansbach stellte das Verfahren um die Psilocybin-Pilze im Brief nach § 170 Abs. 2 StPO ein.
Wie läuft das Ermittlungsverfahren ab?
Der äußere Ablauf gleicht dem bei anderen Substanzen: Sicherstellung, Bestimmung des Inhalts durch Zoll oder Polizei, schriftliche Mitteilung, gegebenenfalls Weiterleitung an die Staatsanwaltschaft und Vorladung zur Vernehmung. Eine Besonderheit bei Pilzsendungen: Es lohnt sich genau zu prüfen, in welchem Entwicklungsstadium das sichergestellte Material war (Sporen, Myzel oder bereits fertiger Fruchtkörper) und welcher Wirkstoffgehalt im Untersuchungsbericht dokumentiert wurde. Das ändert an der grundsätzlichen Einordnung als Betäubungsmittel nichts, spielt aber für die Mengenbewertung und für eine mögliche Einstellung nach § 31a BtMG eine Rolle.
Praxisbeispiel
Der Fall ist in Einzelheiten abgewandelt, Namen und Orte sind weggelassen.
In einem Fall waren Growkit und Sporenspritze getrennt bestellt und beide vom Zoll als Betäubungsmittel eingestuft worden. Weil die Lieferadresse eine von mehreren Personen genutzte Packstation war und sich aus der Akte keine eindeutige Zuordnung zum Mandanten ergab, führte das zu einer Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO. In einem anderen Fall war die Bestellung über ein persönliches Kundenkonto klar nachvollziehbar; wegen der geringen Menge und des sehr frühen Entwicklungsstadiums des Materials gelang hier eine Einstellung nach § 31a BtMG.
Der Fall ist in den Einzelheiten verändert.
Typische Fehler nach der Zoll-Mitteilung
Viele gehen davon aus, eine Bestellung sei automatisch straffrei, weil das Produkt im Versandland (häufig den Niederlanden) frei verkäuflich ist, und äußern sich entsprechend sorglos gegenüber Zoll oder Polizei. Andere erklären ungefragt, was genau bestellt wurde und wofür, bevor überhaupt ein Laborergebnis vorliegt. Die längst überholte Annahme, frische Pilze fielen gar nicht unter das BtMG, kursiert in Onlineforen weiterhin, obwohl sie seit der BGH-Entscheidung von 2006 widerlegt ist. Und der Vergleich mit legalen Cannabissamen wird gedanklich unreflektiert auf Pilzsporen übertragen, obwohl dafür keine entsprechende Ausnahme existiert.
Welche Verteidigungsmöglichkeiten bei Zauberpilzen bestehen
Wie bei den übrigen Substanzen dieser Reihe gilt zunächst: Der Name auf dem Paket beweist für sich genommen keine Bestellung, ein Ansatzpunkt für eine Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO, besonders bei gemeinsam genutzten Zustelladressen. Eine zusätzliche, substanzspezifische Verteidigungslinie ergibt sich aus dem Entwicklungsstadium des sichergestellten Materials: Sporen und frisch angeimpfte Growkits weisen oft einen kaum messbaren Wirkstoffanteil auf. Das verändert die grundsätzliche Einordnung als Betäubungsmittel zwar nicht, kann aber bei der Schuld- und Mengenbewertung (etwa im Rahmen des § 31a BtMG) zugunsten des Betroffenen wirken.
Zur „geringen Menge“ im Sinne des § 31a BtMG lässt sich für Psilocybin, anders als für Kokain oder MDMA, derzeit keine verlässliche, nach Bundesländern veröffentlichte Übersicht recherchieren; die verfügbaren Quellen behandeln überwiegend nur die „nicht geringe Menge“ nach § 30 BtMG. In der Praxis bedeutet das ein größeres Ermessen der jeweiligen Staatsanwaltschaft, weshalb eine frühzeitige anwaltliche Einschätzung hier besonders wichtig ist.
Nachweisdauer bei Psilocybin und Psilocin
Die Frage nach der Nachweisdauer hat bei Pilzen eine eigene Pointe. Wirksam ist nicht das Psilocybin selbst, sondern das Psilocin, in das der Körper es umbaut; die Rechtsprechung rechnet 7,8 Milligramm Psilocin auf 10 Milligramm Psilocybin um. Beide Stoffe werden schnell ausgeschieden, und beide fehlen in den Nachweistabellen der Beurteilungskriterien.
Das gilt für die Blutwerte, für die Urinwerte und für die Cut-off-Werte der Abstinenzkontrollen gleichermaßen. Wer belastbare Stundenangaben erwartet, wird sie in den geltenden Werken nicht finden.
| Blut oder Serum | Urin | Haar | |
|---|---|---|---|
| Psilocybin | nicht bekannt | nicht bekannt | nicht bekannt |
| Psilocin (wirksamer Metabolit) | nicht bekannt | nicht bekannt | nicht bekannt |
Verlässlich ist an diesen Zahlen nur die Größenordnung. Ob eine Probe anschlägt, entscheiden Menge und Häufigkeit des Konsums, die Aufnahmeform, der eigene Stoffwechsel und die Nachweisgrenze des verwendeten Verfahrens. Wer die Tabelle als Fahrplan liest, täuscht sich in beide Richtungen.
Eine Entscheidungsgrenze für Abstinenzkontrollen ist für keinen der beiden Stoffe festgelegt. Die Kriterien legen Werte für die klassischen Substanzklassen fest und erweitern sie auf die gängigen Opioide; Psilocin findet sich in keiner dieser Zeilen. Das ist beim Lesen eines Befundes die erste Frage: Auf welchen Analyten wurde geprüft, und mit welcher Bestimmungsgrenze?
Ein Routinescreening bringt hier nichts zutage. Die Beurteilungskriterien verlangen als Standard die Prüfung auf Cannabinoide, Opiate, Cocainmetabolite, Amphetamine einschließlich Methamphetamin und der Methylendioxyamphetamine, Methadon beziehungsweise EDDP und Benzodiazepine. Alles Weitere kommt nur auf gesonderte Anforderung hinzu, und die setzt einen begründeten Anfangsverdacht voraus (Mußhoff/Madea, NZV 2008, 485). Zum Aufbau eines Abstinenzbelegs: Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.
Die Kehrseite ist unangenehm. Weil der Stoff kaum messbar ist, arbeitet die Behörde mit dem, was in der Akte steht. Bei Pilzen ist das meist die Sendung selbst, dazu die Angaben des Betroffenen. Wer beim Zoll oder bei der Polizei erklärt, er habe die Pilze konsumieren wollen, ersetzt das fehlende Laborergebnis durch ein Geständnis.
Zur Einordnung von Salvia divinorum siehe Salvia divinorum, zu DMT die Seite DMT.
Der zweite Vorgang: die Führerscheinstelle
Zwei Behörden arbeiten parallel, und die zweite fällt den Mandanten meist erst spät ein. Die Fahrerlaubnisbehörde wird auf Mitteilung der Staatsanwaltschaft tätig; ein Bezug zum Straßenverkehr ist dafür nicht erforderlich (VGH München NJW 2021, 3408). Psilocybin gehört dabei zu den harten Drogen im Fahrerlaubnisrecht, für die schon der einmalige Konsum die Eignung nach Anlage 4 Nr. 9.1 FeV entfallen lässt; auf ein Trennungsvermögen zwischen Konsum und Fahren kommt es anders als bei Cannabis nicht an. Auch eine Einstellung nach § 31a BtMG hält diese Mitteilung nicht auf: Einstellung im Zollverfahren.
Ohne Fahrt: das ärztliche Gutachten nach § 14 FeV
Steht kein Konsum, sondern nur Besitz oder Erwerb fest, ist der Weg das ärztliche Gutachten nach § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV. Die Vorschrift räumt ein Ermessen ein; es muss ausgeübt und in der Aufforderung erkennbar gemacht werden, und der Besitz muss konkret nachgewiesen sein (VGH München NJW 2021, 3408; VRS 139, 48). Psilocybin steht nicht in der Anlage zu § 24a StVG, weshalb eine Ahndung als Ordnungswidrigkeit ausscheidet; welche Folgen das hat, behandle ich bei den nicht in der Anlage genannten Stoffen. Als berauschendes Mittel im Sinne des § 316 StGB kommt Psilocybin gleichwohl in Betracht, dazu die Seite zur Straftat des Fahrens unter Rauschmitteln.
Wird das Gutachten nicht beigebracht, erlaubt § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV den Schluss auf die Nichteignung, jedoch nur bei rechtmäßiger Anordnung. Bei Pilzen ist genau das häufig angreifbar: Solange nicht feststeht, welcher Wirkstoffgehalt in der Sendung steckte, steht auch nicht fest, welches Betäubungsmittel in welcher Menge besessen wurde. Zur Anordnung: Anforderungen an eine MPU-Anordnung.
Mit Konsum: Nr. 9.1 der Anlage 4 zur FeV
Ist ein Konsum belegt, greift Nr. 9.1 der Anlage 4 zur FeV. Psilocybin und Psilocin stehen in Anlage I zum BtMG (Anlage I zum BtMG im Volltext); damit gilt der härteste Maßstab der Anlage 4: Die Einnahme genügt, eine Fahrt ist nicht erforderlich, und die Entziehung nach § 3 Abs. 1 StVG, § 46 Abs. 1 FeV ergeht ohne Begutachtung (Entziehung der Fahrerlaubnis durch die Behoerde). Erst die Wiedererteilung führt über § 14 Abs. 2 FeV zur MPU.
Dass um die Pilze selbst jahrelang gestritten wurde, ändert daran nichts mehr. AG Hamburg (StraFO 2004, 360) und OLG Koblenz (NStZ-RR 2006, 218) hielten psilocybin- und psilocinhaltige Pilze für nicht vom BtMG erfasst; der Bundesgerichtshof hält das Gesetz auf Pilze für anwendbar (BGH NJW 2007, 524). Wer sich heute auf die älteren Entscheidungen beruft, verliert damit Zeit, die er anderswo besser einsetzt.
Auch hier führt der Weg über den Befund. Psilocin wird im Standardumfang nicht erfasst, sodass es auf die Anordnung der Entnahme und auf den Auftrag an das Labor ankommt: Die Blutprobe nach § 81a StPO.
Der Ausweg über Vorbemerkung 3
Vorbemerkung 3 der Anlage 4 lautet: Die vorgenommenen Bewertungen gelten für den Regelfall. Kompensationen durch besondere menschliche Veranlagung, durch Gewöhnung, durch besondere Einstellung oder durch besondere Verhaltenssteuerungen und -umstellungen sind möglich.
Bei Pilzen trägt dieser Weg über die Konsumform. Der Wirkstoffgehalt schwankt von Fruchtkörper zu Fruchtkörper erheblich, eine Dosierung im pharmakologischen Sinn ist gar nicht möglich, und eine Toleranz baut sich innerhalb weniger Tage so weit auf, dass ein häufiger Konsum keine Wirkung mehr entfaltet. Ein Konsummuster, das dem von Amphetamin oder Kokain gleicht, ist damit ausgeschlossen.
Wer das darlegt und mit Angaben zu Zahl, Abstand und Umgebung der Gelegenheiten unterlegt, liefert der Behörde die Tatsachen, auf die sich eine Kompensation stützen lässt. Wer schweigt, überlässt ihr die Einordnung.
Kein Bußgeld nach § 24a StVG, wohl aber § 316 StGB
Die Anlage zu § 24a Abs. 2 StVG führt Psilocybin und Psilocin nicht auf. Sie nennt abschließend Heroin, Morphin, Cocain, Amfetamin, die Designer-Amfetamine und Metamfetamin; Cannabis hat mit § 24a Abs. 1a StVG einen eigenen Tatbestand. Für andere Rauschmittel greift der Bußgeldtatbestand nicht (Patzak/Fabricius, Kap. 6 Rn. 406), ein Regelfahrverbot nach § 24a StVG gibt es hier also nicht.
Das ist keine Freikarte. §§ 315c, 316 StGB verlangen keinen Grenzwert, sondern die relative Fahruntüchtigkeit; einen Wert der absoluten Fahrunsicherheit kennt die Rechtsprechung für diese Stoffe nicht (BGHSt 44, 219). Bei einem Halluzinogen sind Ausfallerscheinungen, wenn sie auftreten, auffällig, und gelingt ihr Nachweis, kommt § 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB hinzu. Wie solche Ausfallerscheinungen nach dem Konsum von Zauberpilzen an der Kontrollstelle erhoben werden, schildert der Beitrag zum Ablauf der Drogenkontrolle.
Die Fahrt unter Wirkung ist gesondert geregelt. Welche Werte die Anlage zu § 24a StVG nennt, steht unter Drogenfahrt nach § 24a Abs. 2 StVG. Den fahrerlaubnisrechtlichen Teil führe ich von Bremen aus bundesweit: Anwalt für Verkehrsrecht in Bremen.
Einen absoluten Grenzwert wie die 1,1 Promille beim Alkohol kennt das Betäubungsmittelrecht nicht. Die Fahrunsicherheit muss deshalb über Ausfallerscheinungen belegt werden; dazu relative Fahrunsicherheit und zur Gegenfigur absolute Fahruntüchtigkeit.
Die MPU nach einem Verfahren wegen Zauberpilzen
Nach einer Entziehung führt kein Weg an § 14 Abs. 2 FeV vorbei: Die medizinisch-psychologische Untersuchung ist zwingend (BVerwG NJW 2005, 3081), sobald die Entziehung bestandskräftig oder vollziehbar ist (OVG Greifswald BA 2013, 141). Bevor ein Termin gemacht wird, gehört die Anordnung geprüft: Anforderungen an eine MPU-Anordnung, dazu die Fragestellung: Fragestellung der MPU. Gegen den Sofortvollzug: Eilantrag nach § 80 Abs. 5 VwGO.
Der Zeitraum, der belegt sein muss
Der wirksamste Hebel steht in den Beurteilungskriterien selbst, und er nennt Psilocybin namentlich. Kriterium D 3.2 K beschreibt den Klienten, der höchstens gelegentlich eine Droge mit etwas höherer Suchtpotenz konsumiert hat, „wobei die individuelle Kontrolle über Konsummenge und -gelegenheit noch weitgehend gegeben war“. Einer seiner Indikatoren lautet: „Sofern der Klient vom Konsum von Halluzinogenen berichtet (z. B. LSD, Psilocybin), ist nachvollziehbar, dass der Konsum zuverlässig nur im geschützten Raum stattfindet, sodass es nicht zu einer Verhaltensauffälligkeit in der Öffentlichkeit gekommen ist.“
Daneben stehen zwei weitere Indikatoren, die sich bei Pilzen oft belegen lassen: dass der Konsum „zu keinen problematischen Erlebnissen geführt“ hat, und dass er „in einem für ihn überschaubaren Rahmen“ stattfand und nach Häufigkeit, Situation, Menge und zeitlichem Verlauf konkret benannt werden kann.
Der Zusammenhang zur Frist ist unmittelbar: D 3.2 K gehört zur Hypothese D 3.
- D 1 verlangt eine diagnostizierte Abhängigkeit. Bei einem Stoff ohne Entzugssyndrom und mit schneller Toleranzbildung ist das schwer zu begründen.
- D 2 greift bei fortgeschrittener Problematik ohne solche Diagnose.
- D 3 erfasst die Drogengefährdung, den riskanten Konsum unterhalb dieser Schwelle. Dort steht das Kriterium D 3.2 K.
- D 4 betrifft allein Cannabis und spielt bei Psilocybin keine Rolle.
Der geforderte Zeitraum hängt an der Hypothese. Nach einer stationären Entwöhnung wird ein Jahr ab Abschluss der Maßnahme erwartet, bei fortgeschrittener Problematik ebenfalls ein Jahr; unter günstigen Umständen genügt ein halbes Jahr, und wer die Abstinenz schon vor der Maßnahme belegt hat, kommt auf kürzere Fristen. Die einzelnen Indikatoren mit ihren Zeiträumen stehen im Abstinenznachweis.
Für D 3 reichen sechs Monate. So steht es in Indikator 1 zu Kriterium D 3.6 N: mindestens sechs Monate Abstinenz zum Begutachtungszeitpunkt. Die Jahresfrist der Nr. 9.5 der Anlage 4 FeV gilt nur nach Entgiftung und Entwöhnung, also im Bereich von D 1, und dorthin gehört ein gelegentlicher Pilzkonsum nicht. Die Einzelheiten zu Programmen, Haaranalyse und Nachweislücken stehen unter Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.
Wer die Maßnahme durchführen muss
Mit der Hypothese steht auch fest, welche Maßnahme die Begutachtungsstelle anerkennt. Wer das übersieht, zahlt für etwas, das im Gutachten nicht zählt.
Kriterium C.5.2.4 ordnet die Maßnahmen den Hypothesen zu: Für die Hypothesen D 4 bis D 2 ist in der Regel die fahreignungsfördernde Intervention indiziert, eine verkehrspsychologische Maßnahme. Ein Suchttherapeut wird dort nicht verlangt.
Nur im Übergang zu D 1 (also bei gestellter Abhängigkeitsdiagnose) verschiebt sich das zur Suchttherapie, und die Intervention wird nach demselben Kriterium zur Ergänzung.
Der häufigste Fehler ist der gut gemeinte: Der Betroffene bucht aus Sorge eine Suchtberatung. Damit legt er der Begutachtungsstelle einen Beleg für eine Problematik vor, die er gerade bestreitet, und die Frist verlängert sich von sechs Monaten auf ein Jahr.
C.5.4.2.1 der Beurteilungskriterien beschreibt die Kompetenz: Diplom oder gleichwertiger Master in Psychologie mit verkehrspsychologischer Fortbildung, ersatzweise die Zertifizierung als Fachpsychologe für Verkehrspsychologie. Bei Psilocybin fehlt für die suchttherapeutische Schiene die Grundlage, weil es an einer Substanzgebrauchsstörung fehlt. Mehr dazu: Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.
Wer nach einem Verfahren wegen Zauberpilzen eine Vorbereitungsmaßnahme bucht, sollte vorher wissen, woran die Begutachtungsstelle sie misst. Die Anforderungen an eine Verkehrstherapie nach den Beurteilungskriterien sind strenger, als die Werbung vieler Anbieter vermuten lässt. Der erste Schritt besteht deshalb darin, einen qualifizierten Verkehrspsychologen zu finden und sich dessen Abschlüsse zeigen zu lassen.
Fällt das Gutachten negativ aus, ist damit noch nichts entschieden. Auch nach einem Verfahren wegen Zauberpilzen lohnt der Blick darauf, ob die Stelle die Grundsätze der Anlage 4a zur FeV eingehalten hat: Wann ein MPU-Gutachten nicht verwertbar ist, hängt an seiner Allgemeinverständlichkeit, seiner Nachvollziehbarkeit und seiner Nachprüfbarkeit. Die Behörde darf es nach § 11 Abs. 5 FeV nicht ungeprüft übernehmen, sondern muss es selbst kritisch würdigen.
Häufige Fragen
Ist die Bestellung reiner Pilzsporen aus dem Ausland strafbar?
Ja, das Risiko ist real. Sporen gelten trotz ihres geringen Wirkstoffgehalts als Betäubungsmittel im Sinne des BtMG, selbst wenn sie am Versandort legal verkauft wurden.
Gilt das auch für Growkits?
Ja. Growkits beziehungsweise das beimpfte Substrat zählen ebenfalls als Betäubungsmittel, unabhängig davon, ob bereits Fruchtkörper sichtbar sind.
Ist das nicht vergleichbar mit dem legalen Handel von Cannabissamen?
Nein. Die Ausnahme für Cannabissamen lässt sich nicht auf Psilocybin-Sporen übertragen; hier fällt die rechtliche Bewertung strenger aus.
Stimmt es, dass frische Pilze nicht vom BtMG erfasst sind?
Nein, das ist ein überholter Irrtum. Seit der BGH-Entscheidung von 2006 und ihrer Bestätigung durch das Bundesverfassungsgericht 2009 gelten frische und getrocknete Fruchtkörper gleichermaßen als Betäubungsmittel.
Wie viel Trockenpilz entspricht der nicht geringen Menge?
Eine pauschale Angabe ist wegen stark schwankender Wirkstoffgehalte nicht möglich. Rechnerisch kann die 1,7-Gramm-Grenze bei starken Chargen deutlich unter 100 Gramm liegen, bei schwachen Chargen erst über einem Kilogramm. Entscheidend ist allein die Laboranalyse.
Bewahrt mich eine Einstellung nach § 31a BtMG vor Konsequenzen für den Führerschein?
Nein. Wie bei den anderen Substanzen steht der Besitz bei dieser Einstellung bereits fest. Ohne Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO folgt regelmäßig eine Konsummusteranalyse nach § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV, die sich mit anwaltlicher Unterstützung aber oft gut bewältigen lässt.
Was bei Zauberpilzen außer den Fruchtkörpern erfasst ist
Verfahren rund um Magic Mushrooms unterscheiden sich von anderen Bannbruch-Fällen vor allem in einem oft übersehenen Punkt: Nicht nur fertige, getrocknete Pilze, sondern auch Sporen und Growkits gelten als Betäubungsmittel im Sinne des BtMG, die verbreitete Vorstellung, eine reine Sporenbestellung sei grundsätzlich straflos, hält der Praxis nicht stand. Wirksame Verteidigung setzt deshalb weniger bei der Frage „Betäubungsmittel oder nicht“ an, sondern bei der Zuordnung der Bestellung (§ 170 Abs. 2 StPO) und bei der Mengen- und Schuldbewertung (§ 31a BtMG). Wer ein Schreiben des Hauptzollamts erhält, sollte frühzeitig anwaltliche Akteneinsicht beantragen, und dabei von Anfang an auch die fahrerlaubnisrechtliche Seite mitdenken.
Der Grenzwert der „nicht geringen Menge“ beruht auf einer obergerichtlichen Entscheidung (BayObLG) in Analogie zur LSD-Rechtsprechung, nicht auf einem BGH-Grundsatzurteil, und kann sich künftig ändern. Länder-Richtwerte zur „geringen Menge“ nach § 31a BtMG waren für Psilocybin zum Zeitpunkt der Recherche nicht verlässlich veröffentlicht. Stand: Juli 2026.
Dieselbe Frage stellt sich bei anderen Halluzinogenen, nur mit anderen Zahlen: Wo die Grenze verläuft, hängt am Wirkstoff und an der Entscheidung, die ihn bewertet hat. Wie das bei einem synthetischen Halluzinogen aussieht, steht auf der Seite zu DOB und Brolamfetamin; auf Zauberpilze lassen sich die dortigen Maßstäbe nicht übertragen.
Gesetzestexte und Fundstellen
- Betäubungsmittelgesetz: § 2 Abs. 1 Nr. 1 BtMG · § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG · § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG · § 31a BtMG
- Strafgesetzbuch: § 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB · § 316 StGB
- Strafprozessordnung: § 81a StPO · § 170 Abs. 2 StPO
- Straßenverkehrsgesetz: § 3 Abs. 1 StVG · § 24a Abs. 2 StVG · § 24a Abs. 1a StVG
- Fahrerlaubnis-Verordnung: § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV · § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV · § 14 Abs. 2 FeV · § 46 Abs. 1 FeV
Der vollständige Text des § 2 BtMG steht beim Bundesministerium der Justiz unter gesetze-im-internet.de.
Grundlage ist Körner/Patzak/Fabricius/Huth zum Betäubungsmittelgesetz in der 11. Auflage 2024.
Kostenlose Ersteinschätzung
Wenn das Hauptzollamt eine Sendung mit Zauberpilzen, Sporen oder einem Zuchtset gezogen hat, entscheidet sich früh, worauf es ankommt: ob sich die Bestellung überhaupt eindeutig zuordnen lässt, welche Wirkstoffmenge tatsächlich festgestellt wurde und ob das Material zum Zeitpunkt der Sicherstellung schon ausgewachsen war. Diese drei Punkte lassen sich meist bereits aus der Akte beantworten, und sie liegen deutlich vor der Frage nach dem Strafmaß. Schicken Sie mir das Schreiben des Hauptzollamts, dann sage ich Ihnen, woran Ihr Verfahren hängt. Nehmen Sie gerne Kontakt auf.
Woran sich ein Betäubungsmittelverfahren entscheidet und unter welchen Voraussetzungen es endet, steht hier: wie ein BtMG-Verfahren abläuft.
Wer wissen will, wie die Rechtslage bei anderen natürlichen Rauschmitteln aussieht, findet das hier: Rauschkakteen und Mescalin, Angriffe auf das Wirkstoffgutachten, die Anlagen zum BtMG.
ist Rechtsanwalt und Strafverteidiger in Bremen, seit fünfzehn Jahren im Betäubungsmittel-, Cannabis-, Zoll- und Fahrerlaubnisrecht tätig. Verteidigung bundesweit.