Methamphetamin BtMG: Sichergestellte Crystal-Meth-Sendung beim Hauptzollamt

Symbolbild, mit KI erstellt.

Methamphetamin BtMG: Was bei Crystal an der Grenze gilt

Methamphetamin Zoll-Fälle sorgen anders als bei manch anderer Substanz dieser Reihe selten für Verwirrung über die Illegalität, wohl aber über die Schwere der Konsequenzen. Eine kleine, für den Eigenkonsum gedachte Bestellung bei einem ausländischen Shop wird beim Zoll gestoppt, und statt der erwarteten Ware liegt ein Anhörungsschreiben des Hauptzollamts im Briefkasten: Sicherstellung, Ermittlungsverfahren, Vorladung als Beschuldigter.

Wer den strafrechtlichen Nachbarn Amphetamin kennt, unterschätzt bei Methamphetamin häufig, wie viel strenger diese Substanz behandelt wird. Als Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit Schwerpunkt Betäubungsmittelstrafrecht/Drogen zeige ich im Folgenden, woran das liegt, welches Strafmaß realistisch ist und wie sich eine Verteidigung aufbauen lässt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Die unerlaubte Einfuhr von Methamphetamin ist ein Vergehen nach § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG und wird mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.
  • Ab fünf Gramm Methamphetaminbase, das entspricht 6,223 Gramm Hydrochlorid, greift der Verbrechenstatbestand des § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG mit einer Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren.
  • Wegen des hohen Reinheitsgrads von Crystal Meth wird diese Schwelle schon bei kleinen Bruttomengen erreicht, weshalb der im toxikologischen Gutachten festgestellte Wirkstoffgehalt über die Einordnung entscheidet.
  • Bei einer geringen Menge zum Eigenverbrauch kann die Staatsanwaltschaft nach § 31a BtMG von der Verfolgung absehen.
  • Die Fahrerlaubnisbehörde fordert nach § 14 Abs. 1 FeV ein ärztliches und nach § 14 Abs. 2 FeV ein medizinisch-psychologisches Gutachten; bleibt das Gutachten aus, darf sie nach § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV auf die Nichteignung schließen.
  • Die Entziehung der Fahrerlaubnis nach § 3 Abs. 1 StVG und § 46 Abs. 1 FeV setzt keine Fahrt unter Drogeneinfluss voraus, weil bei Methamphetamin schon die nachgewiesene Einnahme genügt.
  • Eine Fahrt unter Methamphetamin ist eine Ordnungswidrigkeit nach § 24a Abs. 2 StVG, auch wenn keine Ausfallerscheinungen vorliegen.

Inhaltsverzeichnis

Methamphetamin Zoll: Was bedeutet der Vorwurf im Anhörungsschreiben?

Anhörungsschreiben nennen zunächst häufig § 372 der Abgabenordnung, den sogenannten Bannbruch, einen allgemeinen zollrechtlichen Tatbestand für die verbotene Einfuhr beliebiger Waren. Sobald das Zolllabor Methamphetamin bestätigt, tritt dieser allgemeine Vorwurf kraft einer gesetzlichen Subsidiaritätsklausel zurück, und das spezifischere Betäubungsmittelgesetz übernimmt. Der Vorgang geht an die zuständige Staatsanwaltschaft, und in der Regel folgt eine schriftliche Ladung zur Beschuldigtenvernehmung.

Warum wird Methamphetamin strenger behandelt als Amphetamin?

Der Unterschied liegt in der gesetzlichen Einordnung: Methamphetamin steht in Anlage II des BtMG, ist also zwar grundsätzlich verkehrsfähig, aber ausdrücklich nicht verschreibungsfähig. Amphetamin dagegen findet sich in Anlage III und kann dort unter engen Voraussetzungen über ein BtM-Rezept legal verordnet werden. Bei Methamphetamin existiert dieser Weg für Privatpersonen schlicht nicht, die theoretische Verkehrsfähigkeit betrifft ausschließlich behördlich genehmigte Zwecke wie Forschung, nicht den Erwerb durch Verbraucher. Eine private Bestellung im Ausland ist deshalb immer strafbar, unabhängig von der Menge, und zwar nach § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG.

Die Strenge beginnt schon vor der Herstellung: Die Chemikalien, aus denen Methamphetamin gewonnen wird, unterliegen einer eigenen Überwachung mit eigenen Strafvorschriften. Dazu habe ich unter Grundstoffe nach dem GÜG geschrieben.

Ab welcher Menge wird aus dem Vergehen ein Verbrechen?

§ 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG als Grundtatbestand droht mit Freiheitsstrafe bis zu fünf Jahren oder Geldstrafe. Entscheidend ist wie so oft die im Labor bestimmte Reinsubstanz: Bei 5 Gramm reiner Methamphetamin-Base beziehungsweise 6,223 Gramm Methamphetaminhydrochlorid beginnt nach gefestigter Rechtsprechung der Verbrechenstatbestand des § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG mit einer Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren, eine Geldstrafe scheidet dann grundsätzlich aus, Ausnahmen sind seltene minder schwere Fälle.

Bemerkenswert bei Crystal Meth: Der Reinheitsgrad liegt in der Praxis oft deutlich höher als bei Straßen-Speed. Damit kann bereits eine geringe Bruttomenge die 5-Gramm-Schwelle überschreiten, ein Umstand, der die exakte laborchemische Bestimmung in einem Methamphetamin Zoll-Verfahren besonders wichtig macht.

Wie läuft ein Methamphetamin Zoll-Verfahren ab?

Fällt eine Sendung bei der Röntgenkontrolle, einer Hundeanzeige oder einer Stichprobe auf, wird sie sichergestellt und im Labor untersucht. Nach Bestätigung von Methamphetamin gibt der Zoll den Vorgang an die Staatsanwaltschaft ab, und der Empfänger erhält ein Anhörungsschreiben mit Vorladung, meist samt Personalbogen. Bis zur anwaltlichen Akteneinsicht sollten weder gegenüber dem Zoll noch in diesem Bogen inhaltliche Angaben gemacht werden.

Beispiele aus der anwaltlichen Praxis

Der folgende Fall ist anonymisiert und in den Einzelheiten verändert.

In einem Fall war eine kleinere Menge Crystal Meth an eine gemeinsam genutzte Packstation adressiert; da die Ermittlungsakte keine eindeutige Zuordnung zu meinem Mandanten hergab, wurde das Verfahren mangels hinreichenden Tatverdachts nach § 170 Abs. 2 StPO eingestellt. In einem anderen Fall stand die Bestellung eindeutig fest, doch die genaue Bestimmung des Reinheitsgrades ergab eine niedrigere Wirkstoffmenge als vom Zoll zunächst angenommen, im Ergebnis ließ sich das Verfahren gegen eine Geldauflage beenden.

Verbreitete Fehlreaktionen nach dem Anhörungsschreiben

Manche Betroffene gehen davon aus, eine geringe bestellte Menge werde ohnehin nicht ernst genommen, gerade bei Crystal Meth trügt das wegen des oft hohen Reinheitsgrads besonders schnell. Andere äußern sich dem Zoll gegenüber unaufgefordert zu Konsumgewohnheiten, im Glauben, das wirke entlastend, tatsächlich landet jede Aussage in der Akte und kann später gegen einen verwendet werden. Und nicht wenige konzentrieren sich ausschließlich auf das Strafverfahren, obwohl bei harten Drogen wie Methamphetamin die fahrerlaubnisrechtliche Seite oft die einschneidendere Konsequenz ist.

Ansatzpunkte für die Verteidigung

Auch hier gilt: Der auf dem Paket vermerkte Name belegt für sich genommen keine Bestellung. Bei Wohngemeinschaften, Mehrfamilienhäusern und geteilten Packstationen lässt sich häufig keine eindeutige Täterschaft feststellen, was eine Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO nach sich ziehen kann.

Steht die Bestellung fest, ist bei kleinen Mengen zum Eigenkonsum grundsätzlich eine Einstellung nach § 31a BtMG denkbar. Anders als bei Amphetamin muss ich hier aber offen sagen: Eine verlässliche, nach Bundesländern differenzierte Übersicht zur „geringen Menge” bei Methamphetamin ließ sich bei der Recherche nicht mit belastbarer Quellenlage finden, weshalb ich hier bewusst keine Tabelle mit möglicherweise falschen Zahlen präsentiere.

Hinzu kommt: Gerade in Bayern wird § 31a BtMG bei harten Drogen wie Methamphetamin in der Praxis ausgesprochen zurückhaltend angewendet. Der im Einzelfall geltende Richtwert sollte deshalb direkt bei der zuständigen Staatsanwaltschaft erfragt werden, bevor man eine Verteidigungsstrategie darauf aufbaut. Diese länderabhängigen Unterschiede sollten in jedem Methamphetamin Zoll-Verfahren frühzeitig durch anwaltliche Akteneinsicht geklärt werden, statt sich auf pauschale Erfahrungswerte aus anderen Bundesländern zu verlassen.

Wie lange Methamphetamin im Körper nachweisbar ist

Von allen Stoffen dieser Gruppe wirkt Methamphetamin am längsten. Die Wirkdauer reicht weit über die des Amphetamins hinaus. Für den Nachweis gelten gleichwohl dieselben tabellierten Spannen, denn die Beurteilungskriterien fassen Amphetamin, Metamfetamin und die Designer-Amfetamine in einer Zeile zusammen.

Blut oder SerumUrinHaar
Metamfetamin12 bis 16 Stunden, gelegentlich über 242 bis 9 Tage, stark vom pH-Wert des Urins abhängigje Zentimeter ein Monat, höchstens sechs Zentimeter
Amphetamin (Abbauprodukt)12 bis 16 Stunden, gelegentlich über 242 bis 9 Tageje Zentimeter ein Monat

Diese Werte sind Orientierungswerte und keine Garantie. Welche Spanne im Einzelfall gilt, bestimmen die aufgenommene Dosis, die Dauer und Form des Konsums, Gewicht und Stoffwechsel der betroffenen Person und nicht zuletzt die Empfindlichkeit des Labors. Niemand kann daraus ableiten, dass eine Fahrt unentdeckt bleibt, und niemand kann umgekehrt aus einem Zeitfenster auf eine Fahrt schließen.

Die Entscheidungsgrenzen der Abstinenzkontrolle liegen für Amphetamin und Metamfetamin im Urin bei 30 Nanogramm je Milliliter und im Haar bei 0,1 Nanogramm je Milligramm. Ein Messwert darunter gilt als negativ und wird nicht mitgeteilt.

Ein Punkt, der in der Verteidigung selten genutzt wird: Metamfetamin wird im Körper zu Amphetamin abgebaut. Ein Amphetamin-Befund kann deshalb von Amphetamin selbst stammen oder von Metamfetamin. Umgekehrt gilt das nicht. Wer aus einem reinen Amphetaminbefund auf Metamfetamin schließt, argumentiert gegen die Stoffwechselrichtung.

Die Stoffgruppe gehört zum Standardumfang eines polytoxikologischen Screenings (Mußhoff/Madea, NZV 2008, 485); wie lange ein Nachweis gelingt, hängt von der Empfindlichkeit der Methode und dem Cut-off des Labors ab (ebenda, 487). Was ein Abstinenzbeleg leisten muss, steht unter Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.

Wie Methylphenidat einzuordnen ist, steht auf der Seite zu Ritalin und Methylphenidat.

Methamphetamin Zoll-Verfahren und die Fahrerlaubnisbehörde

Neben dem Ermittlungsverfahren läuft ein Verwaltungsverfahren mit eigenen Fristen, geregelt in § 3 Abs. 1 StVG, § 46 Abs. 1 FeV und der Anlage 4. Es ist an das Strafverfahren nicht gebunden und setzt keine Fahrt voraus (VGH München NJW 2021, 3408).

Wie die Führerscheinstelle Kenntnis erlangt

Die Führerscheinstelle handelt nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil sie eine Mitteilung bekommt. Nr. 45 der Anordnung über Mitteilungen in Strafsachen verlangt sie bei jeder Erledigung, die den Besitz als erwiesen behandelt, Strafbefehl, Urteil und auch die Einstellung nach § 31a BtMG. Offen bleibt der Besitz allein bei § 170 Abs. 2 StPO.

Was dann kommt, ist eine Aufforderung nach § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV. Sie ist angreifbar, und zwar an zwei Stellen: Die Vorschrift setzt eine konkrete Feststellung zum Besitz voraus, und sie räumt ein Ermessen ein, dessen Ausübung in der Aufforderung erkennbar sein muss (VGH München NJW 2021, 3408; VRS 139, 48). Wer das prüft, bevor er einen Termin macht, hält sich die Möglichkeit offen, dem späteren Schluss nach § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV den Boden zu entziehen: Anforderungen an eine MPU-Anordnung.

Nr. 9.1 und die Frage nach der Abhängigkeit

Steht der Konsum fest, arbeitet Nr. 9.1 der Anlage 4 ohne Abstufungen: Ungeeignetheit im Regelfall, ausgelöst durch eine einzige Einnahme, unabhängig von Häufigkeit, Konzentration und Fahrauffälligkeit (BVerwG, Beschluss vom 11.4.2019, 3 C 9.18, BeckRS 2019, 19966 Rn. 30; OVG Bautzen BeckRS 2020, 34679). § 11 Abs. 7 FeV erlaubt es, dabei auf ein Gutachten ganz zu verzichten: Entziehung der Fahrerlaubnis durch die Behoerde.

Gerade bei diesem Stoff greift die Behörde daneben überdurchschnittlich oft zu Nr. 9.3, also zur Abhängigkeit. Das ist keine Nuance, sondern der Dreh- und Angelpunkt: Nur wenn Nr. 9.3 trägt, ist Nr. 9.5 mit Entgiftung, Entwöhnung und anschließendem Jahr überhaupt anwendbar. Fehlt die Diagnose, fällt diese Fristenkette weg, und es gelten die Zeiträume der Beurteilungskriterien, die deutlich kürzer sein können.

Angreifbar bleibt zudem die Tatsachengrundlage. Der Konsum muss zweifelsfrei feststehen (OVG Saarlouis zfs 2016, 234), sichergestellte Ware allein beweist ihn nicht, und ein Einnahmeversuch, der scheitert oder aufgegeben wird, fällt nicht unter Nr. 9.1 (OVG Lüneburg, Beschluss vom 4.7.2017, 12 ME 77/17, BeckRS 2017, 116186).

Der Streit verlagert sich auf die Beweisquelle. Regelmäßig ist es eine Blutentnahme nach der Kontrolle, deren Anordnung und Auswertung eigenen Anforderungen unterliegen: Die Blutprobe nach § 81a StPO.

Die Ausnahme der Vorbemerkung 3

Vorbemerkung 3 der Anlage 4 lautet: Die vorgenommenen Bewertungen gelten für den Regelfall. Kompensationen durch besondere menschliche Veranlagung, durch Gewöhnung, durch besondere Einstellung oder durch besondere Verhaltenssteuerungen und -umstellungen sind möglich.

Eine Gewöhnung im Sinne einer therapeutischen Dauereinnahme kommt hier nicht in Betracht. Was bleibt, ist die belegte Verhaltensumstellung, und bei diesem Stoff wiegt sie schwerer als bei anderen, weil die Behörde von einem hohen Abhängigkeitspotential ausgeht und das auch ausspricht.

Wer dagegen anschreiben will, braucht mehr als eine Erklärung: einen Abstinenzbeleg nach den CTU-Kriterien über den vollen Zeitraum, eine nachvollziehbare Trennung von dem Umfeld, in dem konsumiert wurde, und (wo eine Behandlung stattgefunden hat) deren Dokumentation. Dieser Vortrag gehört vor den Bescheid.

Ordnungswidrigkeit, Straftat und Entziehung nebeneinander

Der Bußgeldtatbestand ist bei diesem Stoff doppelt eröffnet. Die Anlage zu § 24a StVG nennt Metamfetamin als berauschendes Mittel mit der gleichnamigen Substanz, und weil sie daneben Amfetamin führt, greift § 24a Abs. 2 StVG auch über das Abbauprodukt. Ausfallerscheinungen sind dafür nicht nötig; nachweisbarer Wirkstoff im Blut genügt.

Was dort nicht steht, überrascht regelmäßig: eine Zahl. Die Anlage besteht aus zwei Spalten mit Stoffnamen. Konzentrationsgrenzen, die im Bescheid auftauchen, sind Empfehlungen der Grenzwertkommission; gesetzlich festgelegt ist ein Wert allein für THC, nämlich 3,5 ng/ml Blutserum in § 24a Abs. 1a StVG. Die Ausnahme des § 24a Abs. 4 StVG für bestimmungsgemäß eingenommene, für einen konkreten Krankheitsfall verschriebene Arzneimittel bleibt hier die Randerscheinung.

Schwerer wiegt § 316 StGB. Dort geht es nicht um Grenzwerte, sondern um relative Fahruntüchtigkeit; ein Wert der absoluten Fahrunsicherheit ist für diese Stoffe nicht anerkannt (BGHSt 44, 219). Wegen der langen Wirkdauer fällt die Fahrt oft in die Abklingphase, dann dominieren Erschöpfung, Aufmerksamkeitslücken und Sekundenschlaf, und genau das steht später im Polizeibericht. Eine Verurteilung führt über § 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB zur Entziehung.

Kommt der Vorwurf einer Fahrt hinzu, ist § 24a Abs. 2 StVG zu prüfen; dazu die Drogenfahrt und ihre Grenzwerte. Zum Verfahren vor der Führerscheinstelle Fahrerlaubnisrecht in Bremen.

Neben der behördlichen Entziehung steht die strafgerichtliche samt Sperre; dazu die Sperrfrist des § 69a StGB.

Was die MPU nach einem Methamphetamin-Verfahren verlangt

Mit der Entziehung beginnt der längere Teil des Verfahrens. § 14 Abs. 2 FeV macht die medizinisch-psychologische Untersuchung zur Bedingung der Wiedererteilung, ohne Ermessen (BVerwG NJW 2005, 3081), und zwar ab dem Zeitpunkt, zu dem die Entziehung nicht mehr angreifbar ist (OVG Greifswald BA 2013, 141).

Der Maßstab der Begutachtung ist kein toxikologischer. Gefragt wird nach einem tragfähig veränderten Verhältnis zur Substanz (BVerwG NJW 2005, 3440), und Belege über Abstinenz tragen dieses Ergebnis nicht allein (VG Gelsenkirchen BA 2010, 372). Bei diesem Stoff kommt hinzu, dass die Vorfrage nach einer Abhängigkeit zugleich über die Frist und über die zulässige Maßnahme entscheidet. Sie ist die teuerste Frage des ganzen Vorgangs. Zur Anordnung: Anforderungen an eine MPU-Anordnung, zur Fragestellung: Fragestellung der MPU, zum Sofortvollzug: Eilantrag nach § 80 Abs. 5 VwGO.

Wie lange Abstinenz belegt sein muss

Die eine Abstinenzfrist gibt es nicht. Die Beurteilungskriterien arbeiten mit vier Ausgangslagen, und zwischen der günstigsten und der ungünstigsten liegen neun Monate. Bei diesem Stoff wird häufig die ungünstigste unterstellt, zu Recht nur dann, wenn sie auch diagnostiziert ist.

  • D 1 setzt eine diagnostizierte Abhängigkeit voraus.
  • D 2 ein verfestigtes Konsummuster, dem diese Diagnose fehlt.
  • D 3 die Drogengefährdung: einen riskanten Gebrauch vor dieser Verfestigung.
  • D 4 ist der Cannabisfall und bleibt bei Methamphetamin ohne Bedeutung.

Welcher Abstinenzzeitraum verlangt wird, richtet sich nach der Hypothese, die die Begutachtungsstelle zugrunde legt. Bei einer Abhängigkeit nach stationärer Entwöhnung ist es ein Jahr nach Abschluss der Maßnahme, bei einer fortgeschrittenen Problematik ebenfalls ein Jahr, in günstig gelagerten Fällen ein halbes Jahr. Die vollständige Aufstellung aller Hypothesen und Indikatoren habe ich auf der Seite zum Abstinenznachweis zusammengestellt.

Sechs Monate bleiben auch hier erreichbar, über D 3. Indikator 1 zu Kriterium D 3.6 N knüpft daran an, dass zum Begutachtungszeitpunkt mindestens ein halbes Jahr Verzicht belegt ist. Auf ein Jahr geht es hoch, wenn die Problematik über Jahre bestand. Und erst wenn eine Abhängigkeit diagnostiziert ist, kommt Nr. 9.5 der Anlage 4 ins Spiel, die ein Jahr nach Entgiftung und Entwöhnung verlangt, der Unterschied zwischen sechs Monaten und weit über zwei Jahren. Genau dazwischen wird gestritten: Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.

Verkehrspsychologe oder Suchttherapeut

Die Zuordnung entscheidet auch über die Maßnahme, und die falsche Maßnahme kostet nicht nur Geld, sondern Monate.

Kriterium C.5.2.4 ordnet die Maßnahmen den Hypothesen zu: Für die Hypothesen D 4 bis D 2 ist in der Regel die fahreignungsfördernde Intervention indiziert, eine verkehrspsychologische Maßnahme. Ein Suchttherapeut wird dort nicht verlangt.

Die Grenze verläuft an der Diagnose. Ist eine Abhängigkeit festgestellt, rückt die Suchttherapie an die erste Stelle; die fahreignungsfördernde Intervention tritt nach demselben Kriterium daneben und wird durch die Angebote des Suchthilfesystems ergänzt.

Der Fehler wirkt in beide Richtungen. Wer mit Abhängigkeitsdiagnose allein eine verkehrspsychologische Maßnahme vorlegt, bringt zu wenig; wer ohne Diagnose in eine Entwöhnungsbehandlung geht, bringt zu viel und bestätigt damit die schwerere Einordnung. Im zweiten Fall kostet das die neun Monate, um die eigentlich gestritten wurde.

Zwei Wege nennen die Beurteilungskriterien in C.5.4.2.1, und sie sind nicht gleichwertig. Der Regelweg führt über einen Psychologen mit Diplom oder gleichwertigem Master und verkehrspsychologischer Fortbildung, ersatzweise über einen zertifizierten Fachpsychologen für Verkehrspsychologie. Der zweite Weg, suchttherapeutisch fortgebildete Psychologen, suchtmedizinisch qualifizierte Ärzte. Setzt eine Substanzgebrauchsstörung voraus und verlangt zusätzlich die Anbindung an eine Suchthilfeeinrichtung; eine gewerbliche Praxis genügt dafür nicht. Welche Gegenanzeigen daneben zu beachten sind: Abstinenznachweis: Fristen nach den Beurteilungskriterien.

Häufige Fragen

Ist Methamphetamin rechtlich mit Amphetamin gleichzusetzen?

Nein. Beide sind chemisch verwandt, rechtlich aber unterschiedlich eingeordnet: Amphetamin (Anlage III) ist unter strengen Bedingungen verschreibungsfähig, Methamphetamin (Anlage II) für Privatpersonen unter keinen Umständen legal erhältlich.

Ab welchem Wert drohen mindestens zwölf Monate Freiheitsstrafe?

Ab 5 Gramm reiner Methamphetamin-Base bzw. 6,223 Gramm Hydrochlorid greift § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG mit einer Mindestfreiheitsstrafe von zwei Jahren. Wegen des oft hohen Reinheitsgrads von Crystal Meth kann dieser Wert schneller erreicht sein, als das Bruttogewicht vermuten lässt.

Muss der beigefügte Personalbogen ausgefüllt werden?

Nein. Vor jeder Reaktion sollte er anwaltlich geprüft werden; gegenüber dem Zoll empfiehlt sich zunächst Schweigen zur Sache.

Schützt eine Einstellung nach § 31a BtMG auch vor Führerschein-Konsequenzen?

Nein. Der Besitz steht bei dieser Einstellung (anders als bei § 170 Abs. 2 StPO) bereits fest. Ohne Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO folgt regelmäßig die Anordnung einer Konsummusteranalyse nach § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV, die sich mit anwaltlicher Unterstützung aber oft positiv gestalten lässt.

Was gilt bei einer gemeinsam genutzten Packstation oder einem geteilten Briefkasten?

Hier fehlt häufig der eindeutige Tatnachweis, was eine Einstellung nach § 170 Abs. 2 StPO ermöglichen kann, dieser Aspekt gehört frühzeitig in die anwaltliche Verteidigung.

Sollte ich mich gegenüber dem Zoll zur Bestellung äußern?

Nein. Machen Sie in einem Methamphetamin Zoll-Fall keine Angaben, bevor Sie anwaltliche Akteneinsicht hatten, weder zur Bestellung selbst noch zu Konsumgewohnheiten oder zur bestellten Menge.

Warum Methamphetamin strenger behandelt wird als Amphetamin

Methamphetamin Zoll-Verfahren zeigen, dass die Substanz gegenüber dem chemisch verwandten Amphetamin spürbar strenger behandelt wird: kein legaler Bezugsweg für Privatpersonen, eine niedrigere Schwelle zur „nicht geringen Menge” und wegen des meist hohen Reinheitsgrads von Crystal Meth eine Grenze, die in der Praxis schneller erreicht wird. Dazu kommt der strenge fahrerlaubnisrechtliche Maßstab bereits bei einmaligem Konsum. Wer ein Anhörungsschreiben des Hauptzollamts erhalten hat, sollte keine vorschnellen Erklärungen abgeben, sondern zunächst anwaltliche Akteneinsicht beantragen, um Zuordnung und Wirkstoffgehalt der Sendung sorgfältig prüfen zu lassen. Bei Rückfragen zum Thema kontaktieren Sie mich gerne.

Die genannten Grenzwerte (5 g Methamphetamin-Base bzw. 6,223 g Methamphetaminhydrochlorid für die „nicht geringe Menge”) beruhen auf der aktuell recherchierbaren Rechtsprechungs- und Verwaltungspraxis. Für die „geringe Menge” im Sinne des § 31a BtMG konnte bei Methamphetamin keine verlässliche, nach Bundesländern aufgeschlüsselte Übersicht mit belastbarer Quellenlage recherchiert werden; die tatsächlich angewandten Richtwerte sollten im Einzelfall bei der zuständigen Staatsanwaltschaft erfragt werden. Stand: Juli 2026.

Welche Schritte ein Betäubungsmittelverfahren durchläuft und wo die Stellschrauben liegen, habe ich zusammengefasst: Strafverteidigung im Betäubungsmittelrecht.

Gesetzestexte und weiterführende Quellen

  • Betäubungsmittelgesetz: § 29 Abs. 1 Nr. 1 BtMG · § 30 Abs. 1 Nr. 4 BtMG · § 31a BtMG
  • Strafgesetzbuch: § 69 Abs. 2 Nr. 2 StGB · § 316 StGB
  • Strafprozessordnung: § 81a StPO · § 170 Abs. 2 StPO
  • Straßenverkehrsgesetz: § 3 Abs. 1 StVG · § 24a Abs. 2 StVG · § 24a Abs. 1a StVG · § 24a Abs. 4 StVG
  • Fahrerlaubnis-Verordnung: § 11 Abs. 8 Satz 1 FeV · § 11 Abs. 7 FeV · § 14 Abs. 1 FeV · § 14 Abs. 2 FeV · § 14 Abs. 1 Satz 2 FeV · § 46 Abs. 1 FeV

Den amtlichen Wortlaut des § 29 BtMG veröffentlicht das Bundesministerium der Justiz unter gesetze-im-internet.de.

Grundlage ist Körner/Patzak/Fabricius/Huth zum Betäubungsmittelgesetz in der 11. Auflage 2024.

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Liegt ein Schreiben des Zollfahndungsamts oder der Staatsanwaltschaft vor, sehe ich mir die Sache ohne Kosten an. Ich bin Björn Schüller, Rechtsanwalt in Bremen, und verteidige bundesweit in Betäubungsmittel- und Zollstrafverfahren.

Bei Methamphetamin entscheidet sich fast alles am Wirkstoffgehalt und am Reinheitsgrad, denn beides bestimmt, ob die Schwelle zur nicht geringen Menge überschritten ist. Beides steht erst mit dem toxikologischen Gutachten fest, und dieses Gutachten lässt sich prüfen, bevor zur Sache etwas gesagt wird.

Weitere Beiträge zum Thema: Sicherstellungsmitteilung des Zolls, Grenzwerte der nicht geringen Menge, Anhörungsbogen vom Zoll und Amphetamin und Zoll.

Der wichtigste Ausgangsstoff für die Herstellung ist Pseudoephedrin, dessen Lieferung eigenen Regeln des Grundstoffüberwachungsgesetzes unterliegt.

Über den Autor

Björn Schüller

ist Rechtsanwalt und Strafverteidiger in Bremen, seit fünfzehn Jahren im Betäubungsmittel-, Cannabis-, Zoll- und Fahrerlaubnisrecht tätig. Verteidigung bundesweit.

Bild von Dipl. Jur. Björn Schüller

Dipl. Jur. Björn Schüller

Hochspezialisierter Rechtsanwalt und Strafverteidiger mit über 15 Jahren Erfahrung im Bereich Drogen und Recht.

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Strafverteidiger für Betäubungsmittelrecht Björn Schüller aus Bremen